per eMail empfehlen


   

So gut sah es noch selten aus

Bulander bringt 57,6 Millionen-Haushalt für 2013 ein

Von den Prognosen des Maya-Kalenders hält Mössingens OB Michael Bulander nicht viel. „Wir blicken optimistisch in die Zukunft“, sagte der 41-Jährige, als er am Montag im Gemeinderat den Haushalt für 2013 präsentierte. Volumen: 57,6 Millionen Euro. Neuer Rekord.

Anzeige


Ernst Bauer

Mössingen. „Als positiv denkende Menschen haben wir den Entschluss gefasst, keine Weltuntergangsstimmung zu verbreiten“, erklärte Bulander auf der letzten Ratssitzung im alten Jahr froh gelaunt. Und lobte hinterher vor allem Kämmerin Heidrun Bernhard mit ihrem Team. Kein Wunder: Bernhard konnte „überraschend gute“ Zahlen zur Jahresrechnung 2011 und aus dem laufenden Haushaltsjahr 2012 verkünden:

Kann auf solidem Rücklagen-Polster aufbauen: Michael Bulander startet freudig ins neue ... Kann auf solidem Rücklagen-Polster aufbauen: Michael Bulander startet freudig ins neue Haushaltsjahr. Privatbild

Die Steuereinnahmen sprudelten, und die Gewerbesteuer kletterte zuletzt auf fast sechs Millionen Euro. „Eine Zahl, die es so noch gar nicht gab in Mössingen“, staunte die Finanzexpertin.

Noch ziemlich unbebaut ist Mössingens neue Mitte: Auf dem ehemaligen Merz-Gelände steht immerhin ... Noch ziemlich unbebaut ist Mössingens neue Mitte: Auf dem ehemaligen Merz-Gelände steht immerhin schon mal ein schöner Nussbaum, dahinter – noch – das alte Kinderhaus; rechts hat die Kreisbau kräftig investiert, doch von einem neuen Handels- und Dienstleistungszentrum ist noch nichts zu sehen. Jetzt nimmt die Stadt einen neuen Planungsanlauf.Bild: Bauer

Die Zuführung vom Verwaltungs- zum Vermögensetat kletterte auf 3,1 Millionen Euro (mit 104 000 hatte man gerechnet).

Auf neue Kredite konnte deshalb gänzlich verzichtet werden. Man schuf sich ein „recht stattliches“ Rücklagen-Polster von 4,2 Millionen Euro.

Die Pro-Kopf-Verschuldung im Kernhaushalt lag Ende 2011 gerade mal noch bei 124 Euro pro Einwohner („äußere Schulden“ mit Eigenbetrieben: 2480 Euro).

Trotz des dicken Polsters, auf das die Stadt 2013 aufbauen kann, sind fürs kommenden Jahr aber wieder rund fünf Millionen an neuen Krediten geplant. Ohne die werde man nicht über die Runden kommen, machte Bulander in seiner Etatrede deutlich. Denn vor allem an den Schulen wird kräftig investiert.

Der Vermögenshaushalt erreicht mit insgesamt 12,3 Millionen Euro schon allein fast wieder die rekordverdächtige Höhe der Jahre 2008 und 2009, als Bulanders Vorgänger Werner Fifka die Steinlachstadt zur „Konjunkturlok“ im Landkreis ernannte. Der Verwaltungshaushalt klettert von 41 auf gut 45 Millionen Euro, was für Mössingen einsame Spitze ist. Bulander sprach von „enormen Investitionen im Bereich der Schulinfrastruktur“. Schule, Bildung und Kinderbetreuung schlügen mit gut 5,6 Millionen Euro im Etat zu Buche. Geplant ist zudem:

die umfassende Sanierung der Aussegnungshalle auf dem Mössinger Friedhof (für 500 000 Euro);

die Brandschutzsanierung in der Altenwohnanlage, im Haus an der Steinlach“ (erster Abschnitt für ebenfalls 500 000 Euro);

die Stilllegung und Aufforstung der Deponie Grube; dort soll ein Häcksel- und Kompostierplatz angelegt werden, was insgesamt rund 850 000 Euro verschlingt.

Für Straßen- und Gehwegbau, für Erschließungen und die Umsetzung des neuen innerstädtischen Verkehrskonzeptes sind zusammen 1,2 Millionen Euro im Haushaltsplan 2013 vorgesehen.

Drei Schwerpunkte der Mössinger Kommunalpolitik nannte der Rathauschef fürs kommende Jahr:

Schule und Kinderbetreuung: Man werde sich, versprach der OB, den Veränderungen und neuen Entwicklungen etwa im Schulsystem nicht verschließen – „auch auf die Gefahr hin, dass einzelne städtische Schulstandorte möglicherweise darunter leiden“. Mit über fünf Millionen Investitionen im Schulzentrum 2013 – fürs neue Integrierte Schulgebäude mit Mensa, für die Sanierung des Quenstedt-Gymnasiums und den Brandschutz der Friedrich-List-Realschule – sei man „auch bei der derzeit unsicheren schulpolitischen Entwicklung sehr gut aufgestellt“.

Die Jugendarbeit und die Schulsozialarbeit sollen auf den Prüfstand gestellt werden. Dazu wurde bereits – nicht öffentlich – im Gemeinderat beschlossen, mit der Hochschule in Eßlingen zu kooperieren. Die soll in einem zweijährigen Forschungsprojekt für 60 000 Euro neue Leitlinien für die Jugend- und Gemeinwesenarbeit liefern.

Die Stadtentwicklung soll – nach zweijähriger Sendepause, der letzte StEP ging bis 2010 – wieder zum wichtigsten Stichwort der Mössinger Kommunalpolitik werden: Es wurde bereits, wie berichtet, ein Planungsauftrag an den bekannten Stuttgarter Stadtplaner Prof. Gerd Baldauf vergeben. Der soll mit seinem Büro ein „integriertes Stadtentwicklungskonzept für Mössingens Mitte mit Merz-Areal“ erar beiten – ein Konzept, das weit über den bisherigen Horizont hinausgeht. Der Blick richtet sich auch aufs Gemeinwesen, die gesellschaftliche Entwicklung und „sozialräumliche Gestaltung“. Dabei will man die Bürger/innen wieder verstärkt einbeziehen. „Hierzu wollen wir 2013 einen moderierten Stadtentwicklungs-Planungsprozess starten“, erklärte der Oberbürgermeister. Ziel sei, „für Mössingen ein Zukunftsbild gemeinsam zu erarbeiten“. Über Details ließ er sich allerdings noch nicht aus.

Die Innenstadtentwicklung, so Bulanders Fazit, sei „kein Selbstläufer“. Über 20 Gesprächsrunden gab es 2012 allein zum Merz-Gelände. Anfang des Jahres habe man noch auf einen großen Gesamtinvestor gesetzt. „Leider mussten wir hier einen Rückschlag einstecken.“ Doch, so der Mössinger OB: „Davon lasse ich mich nicht entmutigen. Wir müssen uns auf das Machbare konzentrieren.“

Bulander: Paradies trägt Früchte – Göhner: Mutbürger
„Zukunft lebt auch vom Rückblick“, fand Michael Bulander am Montag im Gemeinderat – und warf einen hoffnungsvollen Blick zurück: Klimaschutzwoche, Apfelwoche, Fairtrade-Stadt, neu konzipiertes Stadtfest, Kulturherbst, neuer Premiumwanderweg, Ministerpräsidenten-Besuch nannte er unter anderem als Stichworte und Höhepunkte im abgelaufenen Jahr. Mössingen sei Gründungsmitglied im neuen Streuobstparadies, das erste Früchte trage: Die Firma Seeberger wolle jährlich 500 Tonnen Äpfel abnehmen und zu Trockenfrüchten verarbeiten.
Das kreisweite Plenum eröffne neue Perspektiven für den Tourismus. Der Landkreis arbeite derzeit das Förderprogramm aus.
Als stellvertretender OB blickte Max Göhner ebenfalls aufs Jahr 2012 zurück und zitierte Walther Rathenau: „Weniger Rede, mehr Gedanke!“ Es gebe leider viele gedankenlos daherredende Wutbürger. Man müsse die Stadt „über den Tag hinaus lebendig und lebenswert erhalten“. Das gehe nur „mit Mut, nicht mit Wut“.


19.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 04.03.2013 - 14:16 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Bildergalerien und Videos

Ammerbucher Fliegerfest 2014

Stadtfest in Mössingen: Erst feucht, dann fröhlich

Horst Raichle, Bürgermeisterkandidat Kirchentellinsfurt

Trailer zum Poltringer Fliegerfest 2014

SV Seebronn schlägt SV Hailfingen 5:1 Millipay Micropayment

Die Dirndlknacker in Hirrlingen

Walter Tigers präsentieren das neue Team

SSC Tübingen schlägt TSG II mit 5:1 Millipay Micropayment

Toter und Totalschäden: Ein Massencrash zum Üben

Friedrichstraße feiert ihr neues Gesicht

Rallye von Rottenburg in den Orient

Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt | Christine Falkenberg

Adebar ist wieder da: Störche sammeln sich im Kreis

Kreisliga A: Altingen schlägt Lustnau 3:2 Millipay Micropayment

Beachparty in Oberndorf: Bei 15 Grad in den Heuballen-Pool

Das Brunnenwasserfest in Bildern

Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt | Marcus Holder

Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt: Markus Appenzeller

Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Anzeige


Die Woche im Rückklick
Ein Versuchsaffe hat sich den Schädel blutig gekratzt.Bild: Soko Tierschutz/BUAV

Wissen, was war

Die Woche vom 6. bis 12. September: Betreuerin stürzt am Lichtenstein in den Tod, Mann vergeht sich an Stute, Kritik an Affenversuchen

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Zeitzeugnisse
Anton Schäfle in Uniform. Das Bild entstand Anfang Februar 1917.

„Ich habe nämlich erbärmlich Hunger“

Der 18-jährige Musketier Anton Schäfle hat seinen Eltern seit seiner Ausbildung zum Soldaten im November 1916 bis zu seinem Fronteinsatz im Juni 1917 Briefe und Feldpostkarten geschickt. Die Wannweilerin Claudia Treutlein hat die Texte entziffert, fehlende Informationen recherchiert, alles dem TAGBLATT für die Veröffentlichung überlassen. Briefe und Karten sind ein Zeugnis des Hungers, den die Soldaten im Ersten Weltkrieg an der Front erleiden mussten. Nicht nur deshalb konnte sich Anton Schäfle für den Ersten Weltkrieg nicht begeistern; der Hof daheim war ihm viel wichtiger.

Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion