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Schülerwanderungen im Steinlachtal

Besonders Talheim rangiert weit oben auf der Beliebtheitsskala

Ausgerechnet die kleinste Schule hat den meisten Zuwachs: 40 Fünft- und Sechstklässler besuchen derzeit die Talheimer Andeckschule. In Nehren werden ab Herbst keine Werkrealschüler mehr unterrichtet. Ob es in Bästenhardt wieder eine fünfte Klasse gibt, wird sich Ende März herausstellen.

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Gabi Schweizer

Steinlachtal. Keine Grundschulempfehlung mehr, keine Pflicht, die Schule vor Ort zu besuchen: Mehr denn je haben Eltern und Schüler/innen freie Schulwahl. Diese Freiheit nutzen sie auch. Zwar hat es „Schülerwanderungen immer gegeben“, wie Bästenhardtschul-Rektor Peter Ammann sagt. Ausnahmen waren schließlich auch früher möglich. Aber mittlerweile gibt es nicht mehr in jedem Flecken eine Haupt- und/oder Werkrealschule – zumindest keine vollständige. In Bästenhardt und Nehren sind fürs laufende Schuljahr nicht genügend Kinder für eine fünfte Klasse zusammengekommen. Für Nehren bedeutet dies, dass die Kinder in die umliegenden Gemeinden ausweichen müssen und dass ab dem kommenden Herbst auch die älteren Schüler/innen nicht mehr vor Ort unterrichtet werden. Zwar wird die Werkrealschule nicht aufgelöst, erklärt Bürgermeister Egon Betz – es würden lediglich keine Klassen mehr unterrichtet. Dieses Modell hat den Vorteil, dass Nehren seine weiterführende Schule jederzeit wieder starten könnte.

Artikelbild: Besonders Talheim rangiert weit oben auf der Beliebtheitsskala

In Bästenhardt hofft Rektor Peter Ammann, dass ab Herbst wieder eine fünfte Klasse zustande kommt: Die Anmeldetermine sind wie überall am 20. und 21 März. Falls dies nicht klappt, können die jetzigen Schüler/innen dort trotzdem ihren Abschluss machen. Es gäbe dann ja, so erläutert der Schulleiter, immer noch die Stufen sieben bis neun als Einzelklassen. Was an Haupt- und Werkrealschulen nicht selbstverständlich ist: Aus pädagogischen Gründen, aber auch wegen Schülermangels, werden immer wieder Jahrgangsstufen zusammengelegt.

Robert Conzelmann redet von „Wellenbewegungen“: Dass die Gottlieb-Rühle-Werkrealschule mal besser und mal schlechter besucht ist, möchte der Rektor nicht überinterpretieren. Beklagen kann er sich nicht: 152 Werkrealschüler sind es zur Zeit, fast genauso viele wie 2007. Es seien halt auch starke Jahrgänge dabei, erläutert er.

In Zahlen sieht das so aus: Von 19 Fünftklässlern an der Gottlieb-Rühle-Schule sind elf aus der Kernstadt, vier aus Bästenhardt, drei aus Belsen und ein Kind aus Talheim. In Talheim wiederum kommen sieben aus dem Ort, neun aus Öschingen (an die dortige Filsenbergschule gehen die Jugendlichen ab Klasse sieben), ein Kind aus Belsen, zwei aus Bästenhardt und zwei aus Mössingen.

Monika Ebbinghaus hält sich mit Eigenlob zurück, es klingt eher zwischen den Zeilen durch. Man habe eben eine in der Natur gelegene Schule, nur die Fünft- und Sechstklässler seien vor Ort, die Atmosphäre sei darum „etwas behüteter“. Schulen konkurrieren mittlerweile miteinander, gerade dann, wenn sie so klein sind, dass sie um ihre Zukunft fürchten müssen. Aber „in Konkurrenz treten“ – nein, das täten sie nicht, versichert Ebbinghaus.

Das jeweilige Ganztagsangebot mag auch eine Rolle spielen: In Talheim gibt es ein solches auf freiwilliger Basis an einem Tag in der Woche, in Bästenhardt, wo auch Kinder aus umliegenden Dörfern zur Schule gehen, gehört es fest zum pädagogischen Konzept. An der Gottlieb-Rühle-Schule wird immer wieder über die Gemeinschaftsschule geredet – beworben hat sie sich bisher nicht. „Die klaren Rahmenbedingungen haben mir persönlich noch gefehlt“, sagt Rektor Robert Conzelmann: „Aber ich denke, dass die Überlegungen weitergehen werden.“ Eine zehnte Klasse gibt es bereits – auch diese wertet Conzelmann als Plus.

Weshalb Schüler Fahrtzeiten in Kauf nehmen, um zur Schule zu gelangen, habe immer „individuelle Gründe“ – beispielsweise die „Biografie des Kindes“. „Das hängt teilweise davon ab, wo die Eltern arbeiten, von familiären Beziehung“, sagt Kollege Ammann. Noch nie hat er gehört, Kinder würden an seiner Schule nicht angemeldet, weil diese einen Ruf als Brennpunktschule habe: „Wir haben keine Gewaltauffälligkeiten.“ Vielmehr seien gerade im laufenden Schuljahr zahlreiche Kinder auf die Realschule gegangen, obwohl sie eine Werkrealschulempfehlung hatten. Ob dies im März wieder so ist, „hängt von den Rückmeldungen der derzeitigen Fünftklässler ab“.

Sollte es keine fünfte Klasse mehr geben, würde dies wohl auch bedeuten, dass Lehrer die Stelle wechseln müssen. Im Nehrener Fall zeichnet sich schon eine Lösung ab. Laut Betz hat „das Schulamt zugesagt, dass es die Lehrerversorgung in Gomaringen aufstockt“.

Kirschenfeldschule als Ausweichquartier fürs Rathaus?
In der Kirschenfeldschule Nehren werden ab dem kommenden Schuljahr Räume frei, weil dann keine Hauptschulklassen mehr unterrichtet werden. Die Gemeinde überlegt nun, die Gemeindeverwaltung vorübergehend ins Alte Schulhaus zu verlagern, so dass Platz geschaffen würde für den Rathaus-Umbau: Dieses soll barrierefrei werden und zudem ein Bürgerbüro bekommen.
Allerdings betont Bürgermeister Egon Betz: „Happy wäre keiner“ mit einem Provisorium in der Schule. „Es gibt keine Infrastruktur“ – beispielsweise müsste ein Datennetz verlegt werden, zudem würde ein Großraumbüro eingerichtet. Ergo wäre es Betz lieber, wenn sich für ein halbes oder dreiviertel Jahr ein richtiges Büro fände. Vorsorglich hat er aber ab Herbst 2013 den ersten Stock im Alten Schulhaus reservieren lassen. Auch das Vaihinger-Archiv, das die Nehrener übernehmen wollen, könnte vorübergehend dort gelagert werden.


23.02.2013 - 08:30 Uhr

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