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Häusslers Auge für Talente

Andreas Felger lieferte die meisten Entwürfe für die Pausa

Andreas Felger war einer der fleißigsten Stoffmusterentwerfer, den die Pausa hatte. Dass aus ihm außerdem ein angesehener Künstler wurde, hatte mit Willy Häussler zu tun. Der künstlerische Leiter des Mössinger Textilbetriebs hatte ein Auge für Talente.

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Susanne Mutschler

Mössingen. Wie viele Stoffmuster sich Andreas Felger für die Pausa ausgedacht und wie viele Mal- und Drucktechniken er dabei ausprobiert und entwickelt hat, weiß niemand genau. „Manchmal habe ich ganze Kollektionen entworfen“, erinnert er sich. „Es waren Tausende“, schätzt der frühere Musterzeichner Manfred Binder aus Ofterdingen.

Der Künstler im Kurpark: Andreas Felger, 78, schuf dort im letzten Jahr ein kleines Stelenfeld: ... Der Künstler im Kurpark: Andreas Felger, 78, schuf dort im letzten Jahr ein kleines Stelenfeld: „Zehn Gebote“. Bild: Bauer

1950, gleich nach der Volksschule wurde der 14-jährige Belsener in die Pausa geschickt. Er sollte Drucker werden, doch dann sah Willy Häussler zufällig ein paar Zeichnungen des begabten Jugendlichen und entschied, ihn als Musterzeichner auszubilden. Adolf Felger (den Vornamen Andreas nahm er erst 1972 an, als er für eine Ausstellung nach Israel eingeladen wurde) „war Feuer und Flamme“. „Für mich konnte es nie genug sein“, beschreibt er seine Begeisterung fürs Farbenmischen und Musterabmalen.

Häussler hätte ihn nach der Lehre am liebsten gleich als Abteilungsleiter übernommen, doch Felger selbst fand sich mit seinen 18 Jahren viel zu jung und wollte lieber noch was lernen. Auch Häussler, der aus einem alteingesessenen Hechinger Tapeziergeschäft stammte, hatte nach seiner Lehre zum Raumausstatter erst einmal an der Münchner Kunstakademie studiert. So empfahl er den jungen Musterzeichner seinem damaligen Professor Josef Hillerbrand, der Innenarchitektur und Textildesign lehrte.

Bei seiner Ankunft habe es „furchtbar geregnet“, fällt Felger ein, wenn er an seinen anfänglich tristen Eindruck von der Großstadt denkt. Fünf Jahre später konnte er sich dann nur schwer trennen. In den ersten Monaten unterstützte ihn die Pausa mit einem kleinen Stipendium, doch schon vom zweiten Semester an konnte sich der Student aus Belsen selbst finanzieren. Regelmäßig schickte er Stoff-Entwürfe nach Mössingen, und „sie wurden alle übernommen“. Einen mit Mäandermustern verzierten mattgrünen Vorhangstoff aus dieser Zeit hat er bis heute aufgehoben. Aus der Pausa war er noch die Farbpalette der gebrochenen Töne der 50er-Jahre gewöhnt. Bis er ein Gespür für die klar leuchtenden Farben bekam, die das nächste Jahrzehnt bestimmten, „verging ein halbes Semester“, weiß er noch.

„Mexicana“ – mit das bekannteste Pausa-Stoffmuster. „Mexicana“ – mit das bekannteste Pausa-Stoffmuster. Privatbild

Auch bei anderen Mitarbeitern erkannte Häussler künstlerisches Potential. Für Eckart Aheimer, der später Professor an der Reutlinger Fachhochschule für Textiltechnik wurde, fand er einen Studienplatz an der Stuttgarter Kunstakademie bei Professor Leo Wollner.

Die Hechinger Abiturientin Barbara Walz kam – über Häusslers Vermittlung – drei Jahre nach Andreas Felger als Lehrling an die Pausa. In ihr Abschlusszeugnis schrieb er „äußerst begabt“ und überredete ihre Eltern, sie nach München an die Akademie zu schicken. Wahrscheinlich habe er auch bei ihr die Hoffnung gehabt, sie werde als Textildesignerin an die Pausa zurückkehren, vermutet die 76-Jährige heute. Ihre frühe Ehe kam den geheimen Plänen des Chefs in die Quere, nicht aber ihrer Entwicklung zur Künstlerin. Zwei Semester studierte sie zeitgleich mit Felger. „Der war damals schon Meisterschüler“, erzählt sie und nennt ihren früheren Kommilitonen einen „tollen Aquarellisten mit einer umwerfenden Technik“.

Felger hat „wahnsinnig viele Ideen gehabt“, er war „unheimlich schnell“ und „er traute sich alles“, sagt Manfred Binder bewundernd. Engelbert Schramm, der gegenwärtig die unzähligen Pausa- Stoffmuster für das Archiv inventarisiert und früher selbst Stoffentwerfer in der Pausa war, lobt Felgers „enorme Spontaneität und Produktivität“. „Er war als Designer immer auch Künstler“.

Einer der frühen Entwürfe Felgers.Bilder: Mutschler Einer der frühen Entwürfe Felgers.Bilder: Mutschler Privatbild

„Meine Entwürfe waren alle ein bisschen flott hingeworfen“, gibt Felger zu. Als er 1959 von München nach Mössingen zurückehrte, konnte er der Pausa „ein breites Spektrum“ von gegenständlichen Mustern - er hatte ein Faible für Vögel - bis hin zu abstrakt komponierten Flächen und Liniengespinsten anbieten. Häussler sei nicht nur offen gewesen für Vorschläge, sondern auch großzügig gewesen. Er habe ihn für drei Monate in ein Atelier nach Paris gesandt, wo er mit den klassischen englischen Dessins vertraut wurde. Im Engadin sollte er die Sgrafitto-Verzierungen an den Häusern studieren und in Pausa-Entwürfe umzusetzen. „Die Ornamentik der Volkskunst lag mir sehr“. Mit dem Juniorchef Werner Greiner fuhr er nach Florenz, um mit dem Mode-Designer Emilio Pucci die Kolorits abzustimmen. Willy Häussler nahm ihn mit auf seinen Reisen zu Messen, Kunstausstellungen und nach Südfrankreich.

„Da war alle Freiheit drin“, sagt Felger, der unermüdlich für die Pausa arbeitete. Viele Entwürfe nahm er mit in sein Belsener Atelier. Zusammen mit seinem ebenfalls in der Pausa beschäftigten Vetter Hans Schlegel machte er dort die Farbauszüge, perfektionierte die Rapporte und tüftelte an den Kolorits. Für die erfolgreichen „Africana“- und „Mexicana“-Serien (1961 und 1968) vertiefte er sich in Bücher über die Ikonografie und Landeskunde, um für die Firma stoffliche Kreationen zu entwickeln.

1970 wechselte er aus der Pausa in die Welt der Jesu-Bruderschaft in Gnadenthal. Dort wandte er sich dem Holzschnitt und der Glasmalerei zu. Die Textilkunst „passte nicht mehr zu meinem Leben“. Seit 2010 lebt er wieder in Belsen. Wenn Felger seine jüngsten, von Farbharmonien und grafischen Strukturen lebenden Kunstwerke betrachtet, ist er selbst erstaunt, immer wieder Parallelen zu seinen früheren Stoffmusterentwürfen zu finden.

Info Seit seiner Rückkehr nach Belsen arbeitet der Maler und Holzschneider Andreas Felger in der alten Kapelle von Bad Sebastiansweiler. Er hat sich dort ein Atelier eingerichtet, das zu Veranstaltungen im Kurpark immer wieder geöffnet ist.

25.02.2013 - 20:30 Uhr | geändert: 26.02.2013 - 17:15 Uhr

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