Täglich raus in die Natur
Waldkindergärten härten ab: "Es gibt nur falsche Kleidung"
Jeden Tag gehen die Kinder der "Arche Noah" in Eberswalde in den Wald. Ihnen gefällts, und sie sind viel gesünder, sagt ihre Erzieherin. Die "Arche Noah" ist ein Waldkindergarten, einer von 700 in Deutschland.
Gut eingecremt und warm angezogen: So macht Spielen im Freien auch im Winter Spaß. Foto: dpa
Eberswalde Minusgrade, Schnee und Eis stören die Mädchen und Jungen der Waldgruppe im Kindergarten "Arche Noah" in Eberswalde (Brandenburg) genauso wenig wie Matschwetter. Bei Wind und Wetter verbringen sie täglich bis zu drei Stunden im benachbarten Wald. Nach dem Motto "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung" gehen die Erzieherinnen selbst bei Regen mit den Drei- bis Sechsjährigen in die Natur. "Nur bei starkem Sturm und Gewitter bleiben wir in der Kita", sagt die Erzieherin Angelika Czirr.
Auch dieser Wintertag vergeht nicht ohne Schlittenfahrten und Spielen unter den Bäumen. Kinder schlüpfen in die warmen Skianzüge und bekommen von Czirr eine Schicht Creme aufs Gesicht. Während die letzten Schals und Handschuhe suchen, drängen sich die ersten schon an der Tür. Czirr: "Wenn die Kinder nicht rauskommen, fehlt ihnen etwas."
Die Idee, täglich mit den Kindern in die Natur zu gehen, entstand vor drei Jahren aus der Not heraus. "Als die Kita umgebaut wurde, stand uns nur der halbe Spielplatz zur Verfügung", erinnert sich Czirr. Sie und ihre Kollegin beschlossen, in den Wald auszuweichen. Das Entdecken von Käfern, Würmern und Spinnen und das Spielen mit Stöcken und Seilen begeisterte Kinder wie Erzieher.
Nachdem auch die Eltern davon überzeugt waren, dass ihre Kinder nicht nur am Tisch rechnen, malen und basteln können, wandelte die Kita zwei Gruppen in Waldgruppen um. Mithilfe des Jugendamts konnte der Kindergarten die Grundausrüstung wie Handwagen, Lupen, Seile und Nachschlagewerke kaufen und Fortbildungen bezahlen.
Das Konzept hat sich aus Sicht der Kita bewährt: "Natürlich gab es zuerst hin und wieder einen Schnupfen. Inzwischen sind die Kinder aber viel seltener krank", sagt Czirr. Außerdem seien sie lebhafter und kreativer als vorher.
Das Konzept der Waldkindergärten stammt aus dem hohen Norden. Erste Einrichtungen gab es bereits vor mehr als 50 Jahren in Skandinavien, sagt Maria-Luise Sander, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten. "In Deutschland wurde 1993 die erste Waldkita staatlich anerkannt. Danach haben sie sich lawinenartig verbreitet." Inzwischen gebe es rund 700 Waldkitas.
Tipps zur Gründung gibt es vom Verband, aber auch vom der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Weiterbildungen für Erzieher anbietet. "Einige Kreisverbände haben sogar bereits die Trägerschaft für Waldkitas übernommen", sagt ihr Sprecher Jens Stengert.
Nicht überall geht es jedoch täglich in den Wald: Die Kita in Eichwalde versteht sich als kombinierte Waldkita. "Bei uns sind Montag und Donnerstag Waldtage", sagt die Leiterin Jeannine Seibt, die die Kinder als gesundheitlich und motorisch "richtig fit" beschreibt.
Weitere Tage seien für den Strand und Ausflüge reserviert, sagt Seibt. "Und an einem Tag pro Woche bleiben die Kinder im Haus oder im Garten. Auch da freuen sie sich drauf." dpa
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