Vor 20 Jahren kam "Baywatch" ins deutsche Fernsehen
Vor zwei Jahrzehnten tauchten im deutschen TV die ersten Baywatch-Nixen auf. Anfangs floppte die Reihe mit den knackigen Rettungsschwimmern, dann wurde es die erfolgreichste TV-Serie aller Zeiten.
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MICHAEL OSSENKOPP
Rechts Hauptdarsteller und Produzent David Hasselhoff mit Donna DErico (sitzend) und Tracy Bingham. Links die Baywatch-Nixe, die sich am längsten in den Schlagzeilen gehalten hat: Busenwunder Pamela Anderson. Archivfotos
Malibu Kaum eine TV-Serie hat die 90er Jahre so geprägt wie "Baywatch". Und das, obwohl die erste Staffel vor 20 Jahren zunächst floppte und abgesetzt wurde. Doch David Hasselhoff wollte das Konzept mit den knackigen Wassernixen im knappen roten Badeanzug nicht aufgeben. So produzierte der Hauptdarsteller die Folgen ohne Unterstützung großer Studios einfach selbst und schuf damit die erfolgreichste Fernsehserie aller Zeiten.
Nach mäßigem Sendestart in Amerika schwammen die Lebensretter aus Malibu ab dem 31. August 1990 auch in Deutschland zwölf Jahre lang auf einer gigantischen Erfolgswelle. Mehr als eine Milliarde Menschen in 144 Ländern waren weltweit Woche für Woche dabei, wenn der föngewellte Lieutenant Mitch Buchannon und seine vollbusigen Assistentinnen ins Meer hüpften und todesmutig gegen mannshohe Wellen, Haie und Ganoven kämpften.
Playboy-Model Pamela Anderson alias C. J. Parker und die anderen Strandschönheiten brauchten weder viele Requisiten noch versierte Schauspielkunst, um TV-Geschichte zu schreiben. Muskelbepackte Rettungsschwimmer und weibliche Körper mit perfekt geformten Rundungen passten 1990 genau zum Aufkommen des allgemeinen Fitness- und Gesundheitstrends. Ähnlich schlank wie die Darsteller waren meist auch die Handlungsstränge der einzelnen Episoden: Im gleißenden Sonnenlicht mit der Rettungsboje im Schlepptau ins Wasser rennen, videoclipartig möglichst in Zeitlupe, und einer ertrinkenden Person mit Mund-zu-Mund-Beatmung das Leben retten. . . - das war der filmische Alltag am Strand von Los Angeles.
Die Besetzungsliste wechselte mit den Jahren ständig, Erika Eleniak, Yasmine Bleeth, Gena Lee Nolin, Donna DErico, Carmen Electra und Tracy Bingham sind nur einige der auf- und untergegangenen Sternchen über dem Baywatch-Ozean.
Im Gegensatz zu vielen ihrer früheren Kolleginnen, die in der Versenkung verschwanden, stieg Pamela Anderson zum Sexsymbol auf und ist bis heute in der Regenbogenpresse präsent. Ob durch Brustvergrößerungen, Prügeleien mit Verflossenen, Scheidungen oder neue Affären - die mittlerweile 43-Jährige weiß sich immer noch medienwirksam in Szene zu setzen. Der angeblich gegen den Willen der Blondine und ihres Ex-Mannes Tommy Lee in Umlauf gebrachte Hochzeitsporno gilt neben "One Night in Paris" mit Societyluder und Hotelerbin Paris Hilton als der meistgesehene Pornofilm der Welt.
David Hasselhoff war schon vor Baywatch ein gefeierter Serienstar. Seit 1973 spielte er sechs Jahre lang in der erfolgreichen Seifenoper "The Young And The Restless". In den 80ern wurde auch das deutsche Publikum als "Knight Rider" auf ihn aufmerksam. Daneben machte er sich im deutschsprachigen Raum vor allem als Musiker einen Namen. Sein Hit "Looking for freedom" stürmte 1989 die Charts, der Titel hielt sich bei uns acht Wochen auf Platz Eins.
In den 90ern war die lebende Badebuxe der Star, der am häufigsten auf dem Cover der "Bravo" zu sehen war. 1996 bekam er einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Insgesamt erhielt Hasselhoff weltweit 45 Gold- und Platinauszeichnungen. In Österreich und der Schweiz wurden von ihm mehr Platten verkauft als von Madonna oder Michael Jackson. Sein Vermögen wird auf mehr als 100 Millionen Dollar (fast 80 Millionen Euro) geschätzt.
Doch der Ruhm forderte seinen Preis. Jahrelang stand der inzwischen 58-Jährige meist nur noch mit Eheproblemen, Alkoholexzessen und Aufenthalten in Entzugskliniken im Rampenlicht. Den traurigen Tiefpunkt seiner Sucht dokumentiert ein Video, aufgenommen von seiner eigenen Tochter, das ihn lallend und sturzbetrunken auf dem Boden liegend zeigt. Nun startet er angeblich noch einmal durch, vor allem die Deutschen haben ihn nicht vergessen. Bleibt abzuwarten, wie lange sein "Comeback" bei nüchterner Betrachtung anhält.