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Trotz mangelnder Nachfrage und des internationalen Verbots sterben 150 Finnwale vor Island

Sinnloses Abschlachten

Das Töten von Finnwalen vor Island ist die Sache eines Mannes. Der frühere Fischereiminister hat Kristjan Loftsson erlaubt , 150 der Säugetiere zu harpunieren. Den Fleischberg kann er nicht einmal verkaufen.

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WALTER SCHMIDT
Artikelbild: Sinnloses Abschlachten Finnwale sind stark gefährdet. Nach Schätzungen leben noch 30 000 Tiere. Sie werden bis zu 22 Meter lang und wiegen bis zu 80 Tonnen. Archivfoto

Die Jagd begann Mitte Juni. Genau 150 Exemplare der zweitgrößten Tiere der Erde durfte Kristjan Loftsson, der einzige Finnwaljäger Islands, bis Herbst zur Strecke bringen - mit Hilfe explosiver Harpunen auf seinen beiden Fangschiffen.

Bis Mitte September, dem Ende der Jagdzeit, mussten 125 Finnwale ihr Leben lassen und wurden in Akranes nördlich der Hauptstadt Reykjavik verarbeitet. Ihr Fleisch und Blubber (Speck) bringen fast 3000 Tonnen auf die Waage - rechnet die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS. "Unfassbar" nennt Niki Entrup von WDCS-Deutschland, die Menge.

Die restlichen Finnwale darf Loftsson nächstes Jahr erlegen - "und zwar auch dann, wenn die Regierung ihm keine Fangquote für 2010 mehr zuteilen wird", sagt Arni Finnsson, Chef des isländischen Naturschutzverbandes INCA. "Er hat sich die 25 restlichen Wale für nächstes Jahr regelrecht aufgehoben."

Zumindest schwer fassbar ist das Zustandekommen der Erlaubnis, auf die sich Loftsson mit seinem Unternehmen Hvalur stützen kann - auch bei der Jagd auf mindestens 79 Zwergwale. Noch im Januar, als absehbar war, dass er wegen des Rücktritts der isländischen Regierung sein Amt als Fischereiminister verlieren würde, erhöhte Einar K. Gudfinnsson die Fangquote für Finnwale auf 150 und für Zwerg- oder Minkwale auf 100 Tiere.

Im Jahr 2006, als Island den kommerziellen Walfang wieder zuließ und gegen die Vorgaben der Internationalen Walfangkommission (IWC) verstieß, durften die Fischer lediglich neun Finn- und 30 Zwergwale erlegen - getötet wurden nur jeweils sieben. 2007 erklärte Gudfinnsson, es habe keinen Zweck, mehr Erlaubnisse zu erteilen, wenn sich der Fang nicht verkaufen lasse. Im Jahr davor ergab eine Umfrage unter Isländern, dass nur jeder Hundertste einmal die Woche oder öfter Walfleisch isst. Doch schon damals spekulierte der Minister auf den Export von Finnwalfleisch auf den japanischen Markt und sah keinerlei gesetzliche Hemmnisse, "die solche Geschäfte verbieten würden".

Dabei ist der kommerzielle Walfang und der Handel mit Walpprodukten seit 1986 verboten. Regelmäßig jedoch verstoßen Norwegen, Japan und seit 2006 auch wieder Island gegen diese Auflagen.

Die Walschützer fordern Islands Regierung jetzt auf, die kommerzielle Waljagd sofort einzustellen. "Der Walfang ist ein Akt der Willkür", urteilt Entrup. Nichts von den 3000 Tonnen Walfleisch und Blubber konnte bisher nach Japan exportiert werden; alles liegt auf Eis.

Die WDCS zeigt sich vor allem über die neue isländische Regierung und den neuen Fischereiminister Steingrimur Sigfusson enttäuscht. "Die isländische Walfanglobby nimmt eine Nation in Geiselhaft, da die sinnlosen und verbotenen Waltötungen dem bankrotten Inselstaat jegliche Verhandlungsmöglichkeit für einen EU-Beitritt nehmen", sagt Entrup. "Auch ist die Walbeobachtung eine wichtige touristischen Einnahmequelle".

Zudem sinkt auch in Japan, dem einzigen Abnehmerland für Walprodukte, die Nachfrage. "Jahrelang war die Regierung dort bestrebt, den Markt wiederzubeleben - durch Reklamefeldzüge, Kochbücher, kostenlos verteiltes Walfleisch an Altenheime und Kindergärten", sagen die Walschützer. Doch ohne Erfolg; die Behörden haben sogar eine Vermarktungsagentur geschlossen, nachdem es ihr misslungen war, die Nachfrage zu erhöhen.

26.09.2009 - 08:30 Uhr

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