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Jugendarbeit nur mit Führungszeugnis

Schutz vor Missbrauch seit Jahren Thema

Die Welle der Missbrauchsfälle, die durchs Land rollt, erreicht die Verantwortlichen in der kirchlichen Jugendarbeit nicht unvorbereitet. Die zwei großen Kirchen haben ihre Mitarbeiter für dieses Thema sensibilisiert.

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PETRA WALHEIM

Freiburg/Stuttgart. In gut drei Wochen ist Ostern und manche Kirchengemeinde bietet in den Ferien eine Freizeit an. In etlichen Familien wird darüber diskutiert: Die Kinder wollen unbedingt hin, weil es ihnen beim letzten Mal so gut gefallen hat. Doch manche Eltern geben sich zurückhaltend, sind durch die Missbrauchsfälle, die aus kirchlichen Einrichtungen bekannt geworden sind, verunsichert. Sie fragen sich, ob ihr Kind bei so einer Freizeit gut aufgehoben ist.

Für die Verantwortlichen in der Jugendarbeit sind die Themen Kindesmisshandlung und sexuelle Gewalt nicht neu. "Wir haben Vorsorge geleistet, müssen angesichts der vielen Missbrauchsfälle nicht jetzt erst darauf reagieren, sondern sind zu dem Thema gut aufgestellt", sagt Alexandra Stork, Diözesanleiterin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und des Bischöflichen Jugendamtes (BJA) für die Diözese Rottenburg-Stuttgart. So sind die Mitarbeiter, die in der katholischen Kinder- und Jugendarbeit Verantwortung übernehmen, seit einem Jahr angehalten, eine Ehrenerklärung zu unterschreiben. Darin verpflichten sie sich, die ihnen "anvertrauten Kinder und Jugendlichen vor körperlichem und seelischem Schaden, vor Missbrauch und Gewalt zu schützen".

Zuvor hatten BDKJ und BJ eine Handlungsempfehlung herausgegeben. In ihr wird zum Beispiel aufgeführt, was darauf hindeuten kann, dass ein Kind misshandelt wird. Die Broschüre gibt auch Empfehlungen, was bei einem Verdachtsfall zu tun ist. Bereits 2007 wurden alle Mitarbeiter des Bischöflichen Jugendamtes zu dem Thema geschult und für Hinweise sensibilisiert.

Um Missbrauch aus den eigenen Reihen zu verhindern, müssen Leute, die sich um eine hauptamtliche Tätigkeit bewerben, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, und in den Bewerbungsgesprächen wird das Thema Sexualität angesprochen. "Wir setzen auf Klarheit und Offenheit. Das soll potenzielle Täter abschrecken", sagt Alexandra Stork. Die Täter suchten sich meist Institutionen mit diffusen und unklaren Strukturen, in denen auf Grenzen nicht geachtet werde.

Ähnlich wird mit dem Thema in der Erzdiözese Freiburg umgegangen. Auch dort wurden die Mitarbeiter geschult, Haupt- und Ehrenamtliche müssen eine Ehrenerklärung unterschreiben und mit sich führen. "Damit sind wir noch in der Probephase", sagt Karin Buchholz, Referatsleiterin für die Dekanatsjugendarbeit. Bisher seien die Rückmeldungen positiv. Viele sagten, es sei selbstverständlich, sich für das Wohl des Kindes einzusetzen.

In beiden Diözesen sind sich die Frauen darüber im Klaren, dass weder Führungszeugnisse noch Ehrenerklärungen hundertprozentige Sicherheit geben können. So sieht das auch Petra Müller, Landesjugendreferentin im evangelischen Jugendwerk Württemberg und im Landesverband des CVJM. Die Prävention sei entscheidend, das Thema sexueller Missbrauch müsse aus dem Tabubereich herausgeholt werden, man müsse offen darüber sprechen. "Das schreckt viele Täter ab."

11.03.2010 - 08:30 Uhr
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