Mehr Geld gefordert
Privatschüler gehen für höhere Landeszuschüsse auf die Straße
Mehr Geld für Freie Schulen - dass forderten gestern parallel zu den Haushaltsberatungen im Stuttgarter Landtag 20 000 Schüler Eltern und Lehrer.
SAMUEL BRACHMANN
Schüler, Eltern und Lehrer von Privatschulen aus dem ganzen Land erinnerten die CDU/FDP-Regierung gestern in Stuttgart an versprochene Finanzhilfen. Foto: dpa
Stuttgart Mit einem Wald aus Transparenten, lauten Sprechchören und Pfiffen zogen gestern rund 20 000 Schüler, Eltern und Lehrer von Freien Schulen aus Baden-Württemberg durch die Stuttgarter Innenstadt.
Während im Landtag über den Haushalt debattiert wurde, demonstrierten draußen die Schüler und Eltern für eine bessere Finanzierung der freien Schulen. Mit bester Laune unter den Demonstranten ging es zur Abschlusskundgebung auf den Stuttgarter Schlossplatz. Am Bahnhofsturm wurde von Demonstranten ein Plakat mit der Aufschrift "Bildung statt Bahnhof" befestigt, worauf die Menge auf der Straße mit reichlich Jubel reagierte. Auch viele der Transparente im Demonstrationszug bezogen sich auf das milliardenschwere Projekt "Stuttgart 21". "Bildung? Ich versteh nur Bahnhof!" stand zum Beispiel auf einem neongrünen Plakat. Offizieller Baubeginn für die umstrittene Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde ist Anfang Februar.
Auf der auf dem Schlossplatz eingerichteten Bühne standen zahlreiche Redner, zum Beispiel der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen, Christian Schad. Er forderte die Landesregierung auf, die Finanzierung der Schulen in freier Trägerschaft auf Mindestens 80 Prozent der Kosten eines Staatsschülers anzuheben. Alle Eltern sollten es sich leisten können, ihr Kind auf eine freie Schule zu schicken. Zurzeit belaufe sich die Förderung je nach Jahrgangsstufe nur auf 60 bis 70 Prozent.
Die Schüler, Eltern und Lehrer von kirchlichen, Waldorf- und sonstigen Privatschulen aus ganz Baden-Württemberg waren unter anderem mit 110 Bussen nach Stuttgart gereist. "Es ist überwältigend, wie viele Schüler nach Stuttgart gekommen sind, um dafür zu kämpfen, was im Gesetz bereits festgelegt ist", sagte der Vorsitzende des Schul-Ausschusses im Landtag, Norbert Zeller (SPD).
Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Renate Raststätter, die ebenfalls an der Demonstration teilnahm, kritisierte, dass die Zahl der Schüler an freien Schulen steige, während der Deckungsgrad der Zuschüsse unter 70 Prozent gefallen seien. "Der extremen Unterfinanzierung der Freien Schulen muss ein Ende gesetzt werden."
Kultusminister Helmut Rau und Ministerpräsident Günther Oettinger (beide CDU) wiesen die Forderungen der Demonstranten als unberechtigt zurück. Im Vergleich zu allen anderen Ländern sei Baden- Württemberg führend bei der Förderung der Freien Schulen.