Schnäppchenjäger stürmen Homepage
Plötzlich ist bei Quelle der Andrang riesengroß
Ein weiteres bitteres Kapitel der Quelle-Abwicklung: Gestern begann im Internet der Ausverkauf des verbliebenen Sortiments. Der Andrang war so groß, dass der Server zusammenbrach.
ISABELL SCHEUPLEIN, AP
Die Kundschaft hofft auf möglichst hohen Rabatt: 18 Millionen Räumungsverkaufs-Artikel werden angeboten. Fotos: dpa, AP
Auf einmal wollen die Massen nun wieder bei Quelle kaufen: Zum Start des Ausverkaufs bei dem insolventen Versandhaus gestern im Internet riefen so viele Schnäppchenjäger die Seite quelle.de auf, dass der Server zeitweise zusammenbrach. Rabatte bis zu 30 Prozent lockten hunderttausende Schnäppchenjäger auf die Homepage, heute startet der Ausverkauf aller verbliebenen Artikel unter dem Motto "Alles muss raus!" auch in den 1200 Quelle-Shops und den 60 Technik-Centern.
Schon kurz nach dem Start der Aktion am Sonntagmorgen um sechs Uhr gab es kein Durchkommen mehr. Beim Aufruf von quelle.de erschien im Browser lediglich die Meldung: "Fehler: Netzwerküberschreitung". Nach Nachbesserungen am System lief es seit 9.15 Uhr stabil, wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte. Wegen des Andrangs öffneten sich die Seiten dennoch auch am Nachmittag zeitweise überhaupt nicht oder nur sehr langsam.
Bis zwölf Uhr mittags seien rund 665 000 Besucher auf quelle.de gezählt worden und 19 200 Bestellungen eingegangen, sagte der Sprecher. Schon am Samstag seien fast 1,2 Millionen Besuche auf quelle.de registriert worden, 18 600 Bestellungen gingen schon vor dem offiziellen Start des wohl größten Ausverkaufs in der bundesdeutschen Geschichte ein.
Insgesamt 18 Millionen Räumungsverkaufs-Artikel sollen im Internet und in den Quelle-Shops mit bis zu 30 Prozent Rabatt angeboten werden, um die Lager zu räumen. Die Hälfte der Artikel ist Mode. Möbel sollen mit 20 Prozent, Technik mit 10 Prozent Nachlass verkauft werden. Bis Weihnachten, so ist die Planung, werden die Lager leer sein.
Laut Quelle-Insolvenzverwalter Jörg Nerlich handelt es sich um den "größten Ausverkauf" in Deutschland. Zu dem im Internet kursierenden Gerücht, wonach ab 16. November alle dann noch vorhandenen Produkte zum halben Preis verkaufen würden, wollte sich die Insolvenzverwaltung nicht äußern.
Der Quelle-Betriebsrat hofft, dass der Ausverkauf viele Beschäftigte bis Weihnachten in Lohn und Brot halten kann. Der Betriebsratsvorsitzende Ernst Sindel lobte das Ausverkaufs-Konzept der Insolvenzverwaltung. Verhandlungen mit Übernahmeinteressenten für Teilgesellschaften wie Küchen-Quelle laufen nach Angaben des Betriebsrats unter Hochdruck. "Das Interesse an Küchen-Quelle ist groß", sagt Sindel.
Für den Ausverkauf werden 4300 Mitarbeiter noch einige Wochen gebraucht - die meisten davon in den Callcentern Berlin, Magdeburg und Cottbus und bei der Logistik in Leipzig. 2100 Beschäftigte dagegen stehen schon ab heute auf der Straße. Nach Überzeugung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Karstadt-Quelle-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, war die Pleite von Quelle abwendbar. "Das Ende von Quelle ist ein in höchstem Maß bedauerliches Ereignis - vor allem, weil es nicht unabänderlich war", sagte Middelhoff laut einem Pressebericht. Bei seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen habe es "fortgeschrittene Verhandlungen" über eine Fusion gegeben. Gerade Middelhoff indes wird von verschiedenen Seiten vorgeworfen, als Manager den Arcandor-Konzern völlig gegen die Wand gefahren zu haben.