Kommt eine Frauenquote für Aufsichtsräte in deutschen Unternehmen? Das erwägen die Justizminister. Sie prüfen gesetzliche Voraussetzungen.
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ELISABETH ZOLL
Hamburg/Berlin Die Justizminister der Bundesländer wollen den Frauenanteil in Top-Positionen der Wirtschaft erhöhen. Um diesem Ziel näher zu kommen, streben sie eine Frauenquote für Aufsichtsräte und Vorstände an.
Das gaben die Minister zum Abschluss ihrer Frühjahrstagung in Hamburg bekannt. Eine länderübergreifende Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Hamburg, Bayern, Hessen und Sachsen-Anhalt soll bis Anfang 2011 die Voraussetzungen einer gesetzlichen Regelung prüfen.
Nach den Worten der bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU) ist an ein Gesetz gedacht, das die stufenweise Einführung einer Frauenquote von zunächst 15 bis 20 auf dann bis zu 40 Prozent für Spitzenpositionen vorschreiben soll. Offen ist der Zeitrahmen für die Anpassung. Ebenso ist die Frage ungeklärt, ob es Sanktionen geben soll, wenn die Vorgaben nicht erfüllt werden. Die betreffenden Unternehmen könnten etwa von öffentlichen Aufträgen ausgenommen werden.
Das Thema selbst ist unter den Justizministern umstritten. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) lehnt eine gesetzliche Frauenquote zum jetzigen Zeitpunkt ab. Sie setzt weiter auf freiwillige Maßnahmen. Doch wollte auch sie eine gesetzliche Regelung zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausschließen.
Eine freiwillige Vereinbarung zwischen den Spitzenverbänden der Wirtschaft und der Bundesregierung vor neun Jahren ist ohne nennenswerte Resonanz geblieben. Der Frauenanteil an den Vorstandsposten in den 100 größten deutschen Unternehmen ist mit rund ein Prozent verschwindend gering.
Für Aufsehen sorgte im März die Deutsche Telekom, die als erstes deutsches börsennotiertes Großunternehmen eine Frauenquote einführte. Bis Ende 2010 sollen dort 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein.
Der Vorstoß ist nicht uneigennützig. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden in wenigen Jahren bereits Fachkräfte fehlen. Zudem belegen Studien, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in Führungspositionen höhere Gewinne erzielen als der Branchendurchschnitt. In einigen europäischen Nachbarländern hat das bereits zu Konsequenzen geführt.