Kurz vor Beginn des Schuljahrs läuft das Einstellungsverfahren noch
Weniger Schüler, aber mehr Lehrer, kleinere Klassen und außerdem reihenweise Neuerungen: Kultusministerin Marion Schick ist sicher, diesen Trend trotz angespannter Haushaltslage beibehalten zu können.
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ANDREAS BÖHME
Marion Schick: Neue Lehrerstellen trotz zurückgehender Schülerzahlen.
Stuttgart Im Streit um Stuttgart 21 ist ein Politikfeld an den Rand gerutscht, von dem die Landesregierung einst glaubte, es wäre wahlentscheidend: die Schulpolitik. Kultusministerin Monika Schick (CDU) ist darüber nicht unglücklich: Bildung bleibt Thema, "auch wenn sich eine gewisse Aufgeregtheit legt". Wenige Tage vor Schulbeginn versichert sie, dass an der Schulpolitik weiterhin nicht gespart werde. Trotz einer um 32 000 zurückgehenden Schülerzahl werden 1800 neue Stellen geschaffen. Berücksichtigt man die durch den Schülerrückgang theoretisch überflüssigen Deputate, bedeutet dies vom kommenden Montag an sogar 2500 zusätzliche Stellen. "Wir kommen hinter den aktuellen Diskussionsstand nicht mehr zurück", denn die Gesellschaft habe erkannt, dass Bildung eine Zukunftsinvestition sei und den Wohlstand im Land absichere.
Rund 5500 Lehrkräfte wurden für das neue Schuljahr eingestellt, auch dies übertrifft den Vorjahreswert um etwa zehn Prozent. Damit nicht nur die Städte und die beliebten Fachkombinationen ordentlich versorgt werden, wurde erneut zeitlich vorgezogen eingestellt. Das soll genug Pädagogen auch auf dem Land und in den Mangelfächern bringen. Bis Ende Mai hatte mehr als die Hälfte aller Bewerber eine feste Zusage, derzeit läuft das Einstellungsverfahren aber noch für Posten, auf denen bereits ausgewählte Bewerber abgesagt haben.
Die wichtigsten Neuigkeiten:
Die Werkrealschule startet an 525 Standorten. Der neue Schultyp gilt Schick als ambitioniertes Projekt, das die Mittlere Reife auch in die Fläche tragen soll.
In den Gymnasien beginnt die gemeinsame Kursstufe des letzten Jahrgangs des neunjährigen und des ersten Jahrgangs des achtjährigen Gymnasiums. 2012 machen die Schüler gemeinsam ihr Abitur. 15 Millionen stünden bereit, um dann durch zusätzliche Lehrer Spielräume zu schaffen, durch Teilung von Einzelkursen zum Beispiel.
Erstmals beginnen auch freiwillige inklusive Bildungsangebote, gemeinsamer Unterricht von Behinderten und nicht behinderten Schülern. Dabei geben die Vorstellungen der Eltern den Rahmen vor, Erfahrungen mit den unterschiedlichen Schulträgern werden in Testregionen wie Freiburg, Mannheim oder Stuttgart gesammelt. Sie dienen als Vorbereitung für die geplante Änderung des Schulgesetzes vom Herbst 2013 an.
Ebenfalls erstmalig ist der Einsatz von pädagogischen Assistenten an Grundschulen. 400 Stellen wurden ausgeschrieben, das Bewerbungsverfahren läuft aber noch. In den Werkreal- und Hauptschulen sind knapp 600 derartige Assistenten bereits seit 2007 tätig.
In allen Schularten sollen die Klassen kleiner werden: In den Grundschulen sinkt die Maximalgröße auf 28 Kinder, in den weiterführenden Schulen auf 31. Insgesamt werden dazu 1800 zusätzliche Deputate gebraucht, 30 Millionen Euro sind dafür im Nachtrag des Doppelhaushalts für dieses und das kommende Jahr eingestellt.
In den Berufsschulen wurden 2200 zusätzliche Plätze eingerichtet für Bildungsgänge, die zur Hochschulreife führen.
Für das Kindergartenjahr, das ebenfalls beginnt, werden außerdem zehn Millionen Euro für die Sprachförderung bereitgestellt, die das Land von der Landesstiftung übernommen hat.