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Entschädigung für Missbrauchsopfer treibt Diözesen in den Ruin

Katholische Kirche Irlands zahlt über zwei Milliarden Euro wegen sexueller Übergriffe

Schon länger als die katholische Kirche in Deutschland wird die irische von Missbrauchsfällen erschüttert. Die Entschädigungszahlungen treiben die Bistümer an den Rand des finanziellen Ruins.

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HENDRIK BEBBER

In welche Zwangslage die katholische Kirche in Deutschland geraten ist, zeigt die Situation der irischen Schwesterkirche. Bischöfe in den besonders von Kindsmissbrauch betroffenen Diözesen, appellierten für Spenden, um die Opfer wenigstens finanziell für ihr Leiden zu entschädigen. Der Bischof von Wexford, Dennis Brennan, forderte jetzt die 80 Gemeinden in seinem Sprengel auf, jährlich 60 000 Euro zur Kompensation beizusteuern. Selbst bei dieser Summe würde es zwei Jahrzehnte dauern, bis die Schadensersatzforderungen abgegolten sind.

12 000 Opfer in ganz Irland bekamen bereits eine Entschädigung von durchschnittlich 65 000 Euro bezahlt. Dafür mussten sie sich allerdings verpflichten, auf eine Klage gegen Staat und Kirche zu verzichten.

Mitte Februar traf Papst Benedikt XVI. die irischen Bischöfe im Vatikan, in den nächsten Tagen soll ein Brief des Kirchenoberhaupts zum Missbrauch in der irischen Kirche veröffentlicht werden.

Das ganze Ausmaß der Schande wurde im vergangenen Mai enthüllt, als eine staatliche Untersuchungskommission nach neunjähriger Arbeit den Report über die Vorfälle in katholischen Waisenhäusern, Besserungsanstalten und Armenschulen veröffentlichte.

Tausenden von Kindern, die den Priestern, Mönchen und Nonnen der irischen Orden mit den Namen "Bruderschaft Christi" und "Schwestern der Barmherzigkeit" anvertraut waren, erlebten die Hölle. Sie wurden geschlagen, gedemütigt und sexuell missbraucht. "Ein Klima der ständigen Furcht herrschte in den meisten dieser Institutionen", summiert die Kommission die 2600 Seiten des Reports. Die Kinder wurden willkürlich und maßlos bestraft. Sie lebten unter ständigem Terror und der angstvollen Erwartung vor neuen Prügeln. Und es kommt noch schlimmer: Priester und Mönche befriedigten schon an Achtjährigen ihre Gelüste. In einigen dieser Anstalten sei der Kindsmissbrauch geradezu "institutionalisiert" gewesen.

Die katholische Kirche Irlands hatte seit der Gründung der Republik praktisch das Monopol bei der Kinderfürsorge. Der Staat zahlte bis in die 70er Jahre der Kirche eine Prämie für Waisenkinder, geistig behinderte Mädchen und Jungen sowie Kindern aus sozialschwachen Familien, die in die Obhut der Orden kamen. Formell wurden diese Institutionen zwar von staatlichen Inspektoren kontrolliert, die aber selten Einwände erhoben. Den wenigen Kindern und Familien, die ihre Angst überwanden und sich beschwerten, wurde einfach nicht geglaubt. Wenn die Umtriebe geistlicher Sexualverbrecher allzu offenkundig wurden, versetzten die Bischöfe diese einfach. Nur in wenigen Fällen wurden Übergriffe von weltlichen Gärtnern oder Küchenpersonal strafrechtlich verfolgt. Die furchtbaren Zustände in den kirchlichen Heimen waren dem Vatikan bekannt, aber Rom intervenierte nie offiziell.

In den Heimen der Nonnen waren die Mädchen zwar sicherer vor sexuellem Missbrauch, doch auch dort wurden sie in sadistischer Weise verprügelt und gedemütigt. Erst in den 70er Jahren milderte sich die Situation, als viele dieser überalterten Heime geschlossen wurden und die Kinderfürsorge an staatliche Institutionen fiel. Doch in vielen kirchlichen Anstalten gingen die Übergriffe bis in die 90er Jahre weiter. 1999 brach eine Dokumentation des irischen Fernsehens die Mauer des Schweigens. Nach dem Sturm der öffentlichen Empörung ordnete die Regierung einen Report an. Über 3000 Opfer meldeten sich bei der Kommission, die aus Zeitgründen nur die Aussagen von 1800 ehemaligen Zöglingen protokollieren konnte.

Fairerweise muss gesagt werden, dass viele auch gute Erfahrungen in manchen Heimen machten, die freilich durch die Schindereien und Missbräuchen anderer Erzieher im Ordenshabit überlagert werden. An die 500 Priester und Mönche werden als pädophile Sexualverbrecher in dem Report erwähnt.

Ihre Namen werden zum Ärger der Opfer nicht genannt. Die Macht der Kirche war immer noch so stark, dass die Orden die Anonymität ihrer gefallenen Mitglieder in dem Report durchsetzen konnten. John Kelly, der Sprecher der Organisation der ehemaligen Heimzöglinge, bekundete: "Die Opfer spüren nun ein wenig Trost, dass der Report beweist, dass sie die Wahrheit gesagt haben. Aber er geht nicht weit genug." Die Organisation fordert, dass die Namen ihrer Peiniger bekannt gegeben werden und eine Strafverfolgung stattfindet.

17.03.2010 - 08:30 Uhr

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