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Streit um Schuldfrage

Hüftgelenke fehlerhaft - Hersteller verdächtigt Operateure

Ärztliche Kunstfehler oder Materialschwäche? Operateure und Herstellerfirma schieben sich im Fall der fehlerhaften Hüftgelenke an einer Freiburger Klinik die Schuld zu. Viele Patienten sind betroffen.

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KARL-HEINZ ZURBONSEN

Freiburg Die Operateure sind schuld, nicht die Medizintechniker. So lässt sich der Standpunkt der US-amerikanischen Medizintechnikfirma Zimmer zu den Schwierigkeiten mit seinen künstlichen Hüften zusammenfassen, die vor allem nach Operationen von Professor Marcel Rütschi bei zahlreichen Patienten im Freiburger Lorettokrankenhaus aufgetreten waren. Die Firma Zimmer behauptet in einer Erklärung, der Operateur habe sich nicht an schriftliche Anleitungen gehalten.

Die Probleme bei den künstlichen, so genannten Großkopf-Hüften, die nach Implantation der Produkte des US-amerikanischen Herstellers Zimmer mit Niederlassung in Freiburg in insgesamt mehr als 100 Krankenhäusern mit über 1200 Fällen auftraten, sind laut Unternehmen wahrscheinlich nicht Materialfehler, sondern auf die Anwendung einer Operationstechnik zurückzuführen, die von der für diese Hüftpfanne vorgeschriebenen abweiche. Laut Zimmer wurde jetzt ein Schulungsfilm gedreht, der den Chirurgen die Einhaltung der OP-Vorschriften erleichtern soll.

Der unter Druck geratene Medizintechnikhersteller hatte im Zuge seiner eigenen Untersuchung Berichte vorgelegt, die Hinweise auf lockere Pfannen und die vom Freiburger Hüftspezialisten Marcel Rütschi beanstandeten "Konuskorrosionen" enthielten. Daraufhin seien Laboruntersuchungen durchgeführt worden, die den Schluss auf Operationsfehler während der Implantation nahelegten. "Dies resultierte in einem unzureichenden Sitz."

Den Vorwurf, Rütschi habe Gelenke nicht gemäß Anleitung eingebaut, wies das Lorettokrankenhaus scharf zurück. Es gebe überhaupt keine Anleitung, sondern nur eine unverbindliche Broschüre, die unterschiedliche Angaben für die OP-Technik enthalte. So sei 2006 bei der Implantation ein "leichter Schlag" auf den Kopf der künstlichen Hüfte empfohlen worden, berichtete der Pressesprecher, zwei Jahre später riet Zimmer zu einem starken Schlag - und 2009 zu drei starken Schlägen. Rütschi dagegen habe frühzeitig zwischen fünf und zehn Schläge ("durchschnittlich sieben Schläge") ausgeführt und für seine Operationstechnik sogar Anerkennung von Zimmer erhalten. Das US-amerikanische Unternehmen habe sich vor Jahren bei Hüftproblemen in den USA auf die guten Erfahrungen mit Zimmer-Hüften im Lorettokrankenhaus und bei Rütschi berufen, wo damals noch keine Probleme aufgetreten waren.

Das Lorettokrankenhaus will sich gegen die Vorwürfe wehren und nach Möglichkeit Beweise fürs Gegenteil vorlegen, teilte Pressesprecher Thilo Jakob mit. Es stelle einen großen Imageschaden für das Lorettokrankenhaus dar, wenn Zimmer Ursache und Verantwortung für die Hüftprobleme beim Krankenhaus und bei dem mit über 3500 Eingriffen erfahrenen Operateur suche. "Wir werden nicht zulassen, dass die Schuld auf Rütschi abgeschoben wird." Das Lorettokrankenhaus habe bereits einen aufklärenden Brief an die rund 850 Hüft-Patienten geschrieben und unabhängige Institute beauftragt, die Probleme mit den Zimmer-Hüften unter die Lupe zu nehmen und die Ursachen zu analysieren. Das Ergebnis dieser Studie werde vielleicht noch vor Weihnachten vorliegen.

Allein im Freiburger Lorettokrankenhaus wurden 978 Zimmer-Hüften mit den beanstandeten Großköpfen zwischen 2004 und 2007 implantiert. Mehrere Dutzend mussten neu operiert werden.

26.11.2009 - 08:30 Uhr

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