INTERVIEW · IG-METALL-CHEF HUBER: "Jetzt haben wir den Mist"
Gewerkschaft traut Mutterkonzern keine Lösung zu
IG Metall-Chef Huber ist entsetzt, wie mit den Opel-Mitarbeitern umgesprungen wird. Er bezweifelt, dass General Motors sich als Sanierer eignet.
TOBIAS FLEGEL
Was sagen Sie zu der überraschenden Entscheidung des General Motors-Verwaltungsrats?
BERTHOLD HUBER: Ich bin entsetzt über die Entscheidung. Ich halte das für einen unglaublichen Vorgang, dass einer der größten Konzerne der Welt durch strukturelle Fehlentscheidungen in den vergangenen zehn Jahren Opel in diese Situation gebracht hat - trotz der Opfer, die die Belegschaft gebracht hat. Wie kann man die Mitarbeiter einem solchen Wechselbad der Gefühle aussetzen? Es geht um eine stabile Zukunft von 50 000 Mitarbeitern in Europa! Jetzt sind alle getroffenen Vereinbarungen gegenstandslos. Dagegen protestiere ich. Ich lasse die Belegschaft nicht zum Spielball machen! GM hat sich als unfähig erwiesen, und der Kapitalismus hat offensichtlich nichts gelernt. Jetzt haben wir den Mist.
Wie beurteilen Sie die Überlebenschance des Traditionsunternehmens Opel?
HUBER: Ich bin heute skeptischer als am Montag. Wir waren mental mit Magna eben, das Memorandum wurde unterzeichnet.
Was erwarten Sie für die deutschen und europäischen Opel-Produktionsstandorte?
HUBER: Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Aber was soll man von General Motors erwarten? Um ein Unternehmen zu sanieren, braucht man Geld und einen Plan. Ich will ein Konzept sehen, das Substanz hat und tragfähig ist. Der GM-Führungsspitze traue ich eine Lösung nicht zu.
Wären der Zulieferer Magna und die russische Sberbank die Rettung gewesen?
HUBER: Wir hatten keine Wahl - Magna war der einzige vernünftige Interessent. Gerne hätte ich zwischen mehreren Interessenten ausgewählt. Aber Magna hat ein gutes Konzept vorgelegt. Das wäre eine gute Chance gewesen. Ich sage aber auch: So schnell geht Opel nicht unter.