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Politik

FREMDE FEDER · DENIS HUSCHKA: Fußball eint Südafrika

Die Fußball-WM ist eine enorm große Aufgabe für die junge südafrikanische Nation, die in vielen Bereichen des Lebens das Gesicht der Dritten Welt trägt. Der einzig sichere wirtschaftliche Gewinner der WM ist der Fußballweltverband Fifa selbst.

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Artikelbild: FREMDE FEDER · DENIS HUSCHKA: Fußball eint Südafrika

Man kann bestenfalls argumentieren, dass das wirtschaftlich prosperierende Südafrika sich die WM leisten kann, aber nennenswerte positive wirtschaftliche Effekte sind nicht zu erwarten. Die Investitionen in neue Stadien und Straßen stellen sogar ein beachtliches Risiko dar. Südafrika kann allerdings gesellschaftspolitisch von der WM profitieren, denn Fußball vereint die nach wie vor gespaltene südafrikanische Nation. Fußball gehört zu den populären Sportarten in Südafrika. 1879 wurde der erste Fußballclub "Pietermaritzburg County" ins Leben gerufen. Wegen seiner Apartheidpolitik - auch im Sport - wurde Südafrika aber im Jahr 1976 aus der Fifa ausgeschlossen und erst 1992 wieder aufgenommen. Das war ein Signal für die Aufbruchstimmung im "neuen Südafrika".

Durch die Ausrichtung einer WM werden umfangreiche staatliche Investitionen erforderlich, über die man streiten kann. So kann Geld, das für Straßen ausgegeben wird, nicht in das Bildungswesen investiert werden. Bauinvestitionen können sich zwar langfristig rentieren. Aber es ist unstrittig, dass die in Südafrika neu errichteten Straßen, die zu den Stadien führen, nicht unbedingt zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Von einer neuen, milliardenschweren Zuglinie zwischen Johannesburg und Pretoria werden vor allem weiße Pendler profitieren. Und die neuen und modernisierten Stadien sind für den sportlichen Alltag des Landes zu groß geraten.

Da die WM im südafrikanischen Winter stattfindet, also außerhalb der Touristenhochsaison, wird es einen positiven, aber nur einmaligen Einnahmeeffekt geben. Wieviele WM-Touristen tatsächlich kommen und was sie ausgeben, ist allerdings unklar. Immerhin: Ein Novum in der Geschichte der FIFA-WM ist, dass ein Großteil der Besucher nicht in Hotels wohnen wird, deren Gewinne oft internationalen Konsortien gutgeschrieben werden, sondern in kleinen, privat geführten Gästehäusern. Insgesamt gesehen wird für Südafrika in den nächsten Jahren mit einem größeren Wirtschaftswachstum gerechnet als beispielsweise für Deutschland. Dass dies auch mit der Ausrichtung der WM zusammenhängt, ist aber sehr unwahrscheinlich. Stabiles Wachstum liegt in Südafrika im Trend. Man kann deswegen eher sagen: Südafrika kann sich die WM leisten.

Info Denis Huschka forscht am Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Rhodes Universität in Südafrika.

12.06.2010 - 08:30 Uhr
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