Bischöfe versprechen Aufklärung der Missbrauchsfälle
Erzbischof Robert Zollitsch und der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst haben sich gestern nachdrücklich für eine Aufklärung sexuellen Missbrauchs ausgesprochen. Unterdessen wurden weitere Fälle bekannt.
Rottenburg/Freiburg Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst hat seinen Willen bekräftigt, die "Vorkommnisse sexuellen Missbrauchs rückhaltlos aufzuklären". Wie das Bischöfliche Ordinariat gestern mitteilte, hat Fürst dem Hirtenbrief des Papstes vom Wochenende ein Vorwort hinzugefügt und den Kirchengemeinden seiner Diözese angeboten. Fürst sieht sich durch den Hirtenbrief in seinen Bemühungen unterstützt, "die Täter zu bestrafen und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen". Er mahnt für die katholische Kirche an, durch redliche Dialogbereitschaft glaubwürdig zu sein. "Wir müssen uns in aller Ehrlichkeit und Entschiedenheit den Vorgängen stellen und sie aufarbeiten", schreibt Fürst.
Ähnlich deutlich äußerte sich gestern der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. Die katholische Kirche werde alles tun, "um eine lückenlose Aufklärung der Fälle sexuellen Missbrauchs in der Vergangenheit in den eigenen Reihen voranzutreiben", teilte die Bischofskonferenz in Bonn mit. Zollitsch folgt damit dem Beispiel des Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Marx, der kürzlich eine rückhaltlose Aufklärung zugesichert hatte.
Im Jesuitenkolleg St. Blasien im Südschwarzwald, wo Anfang Februar mit die ersten Missbrauchsfälle bekannt geworden sind, ist nach Aussage des Pressesprechers Wolfgang Mayer unterdessen wieder der Alltag eingekehrt, allerdings sind die Vergehen an den früheren Schülern nach wie vor Thema. Kollegsdirektor Pater Johannes Siebner hat am vergangenen Freitag den Eltern der heutigen Kollegs-Schüler in einem Brief für ihr Vertrauen in die Schule gedankt. Bislang hätten sich elf Opfer gemeldet, die vom früheren Jesuitenpater Wolfgang S. misshandelt worden seien, schreibt Siebner. Der Pater hatte auch am Canisius-Kolleg in Berlin unterrichtet, das zuerst durch Missbrauchsfälle in die Schlagzeilen geriet. Außerdem hätten sich vier Opfer des ehemaligen Jesuiten Winfried H. aus den Jahren 1965 bis 1967 gemeldet und von "schlimmem sexuellen Missbrauch" berichtet. Die Staatsanwaltschaft Waldshut ermittelt.
Fälle sexuellen Missbrauchs aus den 1980er und 1990er Jahren sind auch aus Oberharmersbach im Ortenaukreis an die Öffentlichkeit gelangt. 1991 seien dort "allgemein gehaltene Vorwürfe gegen den Pfarrer" bekannt geworden, schreibt Zollitsch in einer Stellungnahme. Er war zu jener Zeit Personalreferent des Erzbischöflichen Ordinariats. Ihm wird vorgeworfen, nicht konsequent gehandelt zu haben. Der damalige Erzbischof habe den Pfarrer in den Ruhestand versetzt und von ihm verlangt, den Ort zu verlassen, schreibt Zollitsch. Als sich ein Zeuge mit konkreten Anschuldigungen gemeldet habe, habe sich der Pfarrer das Leben genommen.
Auch im Kloster Birnau am Bodensee gab es Missbrauch: Ein Pater hat von 1963 bis 1965 einen Ministranten sexuell missbraucht. Das hat der Pater 2006 in einem Brief zugegeben. Damit hat das heute 53- jährige Opfer auch die Erzdiözese Freiburg konfrontiert. Daraufhin sei sofort der zuständige Abt im Zisterzienser-Kloster Mehrerau bei Bregenz, zu dem die Birnau gehört, verständig worden mit der Aufforderung, erforderliche Schritte einzuleiten, heißt es aus Freiburg. Offenbar ohne Konsequenzen: Der Pater war bis vor einer Woche in einer Gemeinde in der Schweiz tätig.