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Ajami

Komplexes Drama über das Gegen- und Miteinander von Juden, Christen und Muslimen in einem Stadtteil von Tel Aviv in Israel.

Israel 2009

Regie: Scandar Copti und Yaron Shani
Mit: Shahir Kabaha, Fouad Habash, Ibrahim Frege
120 Min. - ab 16 Jahren
TAGBLATT-Wertung


Leser-Wertung

Ajami heißt ein arabisch geprägtes Stadtviertel im Süden von Tel Aviv. Manche sagen provozierend „Ghetto“ dazu und meinen damit die Diskriminierung der arabischen Bürger durch den jüdischen Staat. Auf den ersten Blick ersticken hier Armut und Kriminalität jede menschliche Regung. So lassen die beiden Regisseure Scandar Copti, ein arabischer Israeli (der zugleich eine Nebenrolle spielt), und Yaron Shani, ein jüdischer Israeli, gleich zu Beginn ein Killerkommando losballern.

Doch dann folgt nicht etwa die x-te Episode aus „South Central“ Los Angeles, sondern ein beeindruckend vielschichtiges Panorama an Charakteren und Beziehungen.
Arabische und jüdische Israelis, muslimische und christliche Palästinenser, Reiche aus Ajami und Schwarzarbeiter aus Nablus, heimliche Liebespaare, kiffende Kollegen, Blutrache und die Sorge um die krebskranke Mutter.

Die Schauspieler sind überwiegend Laien, viele leben selbst in Ajami – vielleicht erklärt dies die dokumentarfilm-ähnliche Intensität. Der Plot entwickelt sich in fünf Kapiteln, springt vor und zurück, nimmt eine überraschende Wendung nach der anderen. Am Ende bleibt fast nichts so, wie es auf den ersten Blick erschien.

Ajami hat bereits etliche internationale Preise eingeheimst und wurde soeben als einer von fünf „fremdsprachigen“ Streifen für den Oscar nominiert. Nach „Beaufort“ und „Waltz with Bashir“ ist er bereits die dritte israelische Nominierung in Folge – und die erste, die überwiegend in Arabisch gedreht wurde. Dabei wechseln auch die arabischen Dialoge immer wieder ins Hebräische und zurück – was die einheitlich gesetzten deutschen Untertitel leider nicht wiedergeben können.

Den Veranstaltern des Tübinger Filmfestivals, dem Verein Arabischer Studenten und Akademiker, war Ajami offensichtlich zu vielschichtig. Im Programmheft fügten sie dem Film als einzigem eine „Hintergrundinformation“ hinzu, die die ganze verstörende Vielfalt auf eine Schwarz-Weiß-Schablone reduziert: die (jüdischen) Israelis als Täter, die Palästinenser als Opfer.

Flashplayer benötigt.

Michael Hahn
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