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17.02.2010
Rührt das Herz und schärft den Verstand - mehr kann Kino nicht!
Schroeder

15.02.2010
nicht doll
humh

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Leser-Kommentare
17.02.2010
Rührt das Herz und schärft den Verstand - mehr kann Kino nicht!
Schroeder

15.02.2010
nicht doll
humh

Welcome

Dramatische Geschichte eines Flüchtlings, der den Ärmelkanal durchschwimmen will, um zu seiner Liebsten zu gelangen.

Frankreich 2008

Regie: Philippe Lioret
Mit: Vincent Lindon, Firat Ayverdi, Audrey Dana
110 Min. - ab 6 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung

Rührt das Herz und schärft den Verstand - mehr kann Kino nicht!

Es ist keine weite Strecke von Calais nach Dover. Doch für den 17-jährigen Bilal ist die Meerenge eine unüberwindliche Barriere auf dem Weg von Kurdistan nach England, wo seine von Zwangsheirat bedrohte Liebste auf ihn wartet. Die üblichen Reisemittel zu Luft, Wasser und im Untergrund sind dem illegalen Flüchtling von vornherein verwehrt. Aber auch die gefährlichen Schleichwege als blinder Lkw-Passagier kommen wegen eines auf der Flucht erlittenen Traumas nicht in Frage. Einziger Ausweg: Bilal will die 32 Kilometer schwimmend zurücklegen, ganz allein durch den aufgepeitschten Ärmelkanal. Cracks benötigen dafür zehn Stunden – bei Idealbedingungen, versteht sich.

Hier kommt Simon (Vincent Lindon) ins Spiel. Vor Jahrzehnten war der muffige Franzose ein Champion; jetzt haust er allein in einer verratzten Wohnung und schlägt sich als Schwimmlehrer durchs freudlose Leben. Mit Politik und erst recht den Flüchtlingen, die in illegalen Lagern am Stadtrand von Calais vegetieren, will er nichts zu tun haben. Doch in einem doppelten Anflug von Mitleid und Ehrgeiz ringt er sich durch, den im Hallenbad ungelenk seine Bahnen ziehenden Buben für sein tollkühnes Vorhaben zu trainieren. Bis auf weiteres darf der Teenager sogar in Simons Wohnung bleiben.

Bis hierhin nimmt „Welcome“ Kurs auf ein solide menschelndes Flüchtlingsdrama. Doch das Anliegen von Regisseur Philippe Lioret reicht weiter. Für seine Zivilcourage bekommt Simon nämlich nicht etwa eine Bürgermedaille verliehen – vielmehr bringt ihn die praktizierte Nächstenliebe selbst ins Visier staatlicher Asylantenhäscher, die den vorgeblichen „Schleuser“ mit Knast bedrohen. Bildstark und erzählerisch wuchtig wächst der Film zur Anklage einer Ordnung, in der einfacher menschlicher Anstand zum Verbrechen abgestempelt wird. In Interviews zog der Regisseur Parallelen zum nazifreundlichen Vichy-Frankreich und erregte dadurch den Zorn vieler Politiker. Aber lieber einmal zu feste auf den Putz gehauen, als dass alles beim barbarisch Alten bleibt.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele



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