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Stuttgart

Rademann dirigiert Schütz

Von 2013 an leitet Hans-Christoph Rademann die Stuttgarter Bachakademie - welche großen Qualitäten er als Dirigent hat, zeigte er in der Stiftskirche.

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JÜK

Stuttgart Eine lange Besucherschlange vor dem Eingang, die Stiftskirche war prall gefüllt an diesem Freitagabend. Nicht allein, weil es dort für nur acht Euro eine Stunde der Kirchenmusik mit dem weithin bekannten Dresdner Kammerchor gab und eine Auswahl aus den "Cantiones Sacrae" des Heinrich Schütz auf dem Programm stand. Nein, das Interesse war auch deshalb groß, weil mit Hans-Christoph Rademann der Mann am Dirigentenpult stand, der kürzlich zum Nachfolger Helmuth Rillings als künstlerischer Leiter der Internationalen Bachakademie ernannt worden war.

Und der Dresdner Kammerchor, das ist nun Rademanns ureigenes musikalisches Kind. Diesen Spitzenchor gründete er 1985, wobei jetzt ein sehr junges Vokalensemble in Stuttgart auftrat. Man durfte feststellen: Rademann ist offenbar ein Dirigent, der nicht nur sehr exakte Klangvorstellungen hat, sondern einen Chor immer wieder neu formen (verjüngen), der Sängerinnen und Sänger integrieren kann.

Eine kleine Besetzung sang naturgemäß die "Cantiones Sacrae": 17 Stimmen, die Rademann zu einem absolut homogenen Klangkörper verschmolz. Dazu waren, bei Bedarf, Orgel und Violone im Einsatz. Denn in seinen Motetten aus dem Jahre 1625 hatte der sächsische Hofkapellmeister Schütz auch den aus Italien bekannten konzertierenden Stil des obligaten Generalbasses verwendet. Die 40 Motetten der "Cantiones Sacrae" auf lateinische Texte des Manuale und der "Betrachtungen" des Kirchenvaters Augustinus, also vertonte Gebets- und Meditationsprosa, sind ein frühbarockes Wunderwerk: harmonisch äußerst vielgestaltig, expressiv geradezu, sehr emotional. Das alles war in der Stiftskirche virtuos, strukturenklar bis emphatisch-strahlend zu hören - in einem Raum, der kaum auratischen Nachhall beisteuert. "Historisch informiert, heute interpretiert", lautet die Parole des Dirigenten Rademann. Das war nicht zu viel versprochen. An diesem Sachsen werden die Stuttgarter noch viel Freude haben.

Info Der Mitschnitt des Konzerts wird auf Deutschlandradio Kultur gesendet (18. März, 20.03 Uhr). Und im Rahmen der Gesamteinspielung der Werke von Heinrich Schütz mit dem Dresdner Kammerchor erscheinen die "Cantiones Sacrae" im September auf CD beim Carus-Verlag.

06.02.2012 - 08:30 Uhr

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