Königin Luise von Preußen verkörpert Schönheit, Eheglück, erfüllte Mutterschaft. Ihr Bild alterte nie, denn sie starb früh. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hat sie zur "Miss Preußen 2010" erklärt.
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WILFRIED MOMMERT, DPA
Ein Bild von einer Königin: Luise von Preußen, gemalt von einem unbekannten Künstler. Ausstellungsfotos
Berlin Mit Königin Luise gab es in Preußen schon vor 200 Jahren eine "Königin der Herzen", die zu Lebzeiten verklärt wurde und deren Nachruhm bis heute ungebrochen ist. "Miss Preußen" war wohl neben Friedrich dem Großen Preußens populärste Herrschergestalt. "Alle Herzen flogen ihr entgegen, und ihre Anmut und Herzensgüte ließen keinen unbeglückt", schrieb der Dichter Friedrich de la Motte Fouqué.
War Luise, die mit 21 Jahren Königin wurde und 1810 mit erst 34 Jahren starb und somit der Nachwelt in ihrem jungen Erscheinungsbild in Erinnerung geblieben ist, eine Art "Lady Diana des frühen 19. Jahrhunderts"? Die kollektive Trauer, die nach Luises Tod einsetzte, ist wohl vergleichbar mit der Trauer um die 1997 in jungen Jahren ums Leben gekommenen Prinzessin von Wales.
Für den bedeutenden britischen Historiker Christopher Clark war die in Hannover geborene Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Mecklenburg-Strelitz "eine in der Geschichte der Dynastie beispiellose Figur, eine weibliche Berühmtheit, die in den Augen der Öffentlichkeit Tugend, Bescheidenheit und souveräne Grazie mit Liebenswürdigkeit und äußerer Anziehung vereinte". Auch ihr Familienleben galt als glücklich - ungewöhnlich genug im preußischen Herrscherhaus.
Luise war aber mehr. Sie war Hoffnungsträgerin in Preußens schweren Zeiten. An der Seite ihres wenig entscheidungsfreudigen Gatten und Königs Friedrich Wilhelm III. nahm die warmherzige Mutter von zehn Kindern (darunter von zwei späteren Königen, mit Wilhelm I. auch eines deutschen Kaisers) eine Schlüsselstellung im Kampf gegen Napoleons Besatzung ein.
Der französische Herrscher hatte Luises Einfluss erkannt, verspottete sie als "Amazone" oder prangerte sie als Armida an, "die im Wahnsinn Feuer an den eigenen Palast legt". Napoleon sah in der preußischen Königin "eine Frau mit hübschem Gesicht, aber wenig Geist", unfähig, die Folgen ihrer Handlungen abzuschätzen und vor allem "Urheberin aller Übel" (geistreich war die wenig gebildete Luise übrigens in der Tat nicht gerade).
Die Abneigung war gegenseitig. Die Königin wollte "lieber in die Hände Gottes fallen" als "diesem Menschen" ausgeliefert zu sein, und musste dennoch 1807 den Gang nach Tilsit antreten, um dem bis dahin siegreichen französischen "Imperator" und Heerführer halbwegs erträgliche Friedensbedingungen für das an der Seite Russlands kämpfende und besiegte Preußen auszuhandeln - vergeblich. Schon wenige Jahre nach diesem historischen Treffen wendete sich allerdings das Blatt gegen den von seiner scheinbaren Allmacht berauschten Kaiser der Franzosen.
Für ihre damalige Popularität und ihren Nachruhm sollte das Treffen von Tilsit entscheidend werden. Luise nahm als "Schutzgeist deutscher Sache" und stellvertretend für Preußen die Erniedrigungen auf sich. Wenige Jahre später, am 19. Juli 1810, starb Luise an "gebrochenem Herzen", so wollte es schließlich die Legende. Ihr zarter Körper sei dem "verzehrenden Kummer erlegen". Der Schriftsteller und kritische Preußen-Kenner Theodor Fontane hielt das mit dem "gebrochenen Herzen" für Unsinn und prangerte das Phrasenhafte in den Luise-Huldigungen an. Weniger beachtet wurde bei dem verklärten Bild die politische Rolle Luises bei den Reformen des preußischen Staates, die von der Königin unterstützt und von Männern wie Hardenberg und Stein vorangetrieben wurden. Zwar war das Verhältnis zwischen Stein und der Königin nicht spannungsfrei. Aber Luise erkannte, dass "eine andere Ordnung der Dinge" kommen müsse, "da die alte sich überlebt hat" und Preußen sich "auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen" nur ausgeruht habe.
Königin Luise wird bis heute in Ehren gehalten. Ihre letzte Ruhe fand sie im Schlosspark Charlottenburg in Berlin in einem Mausoleum. Straßen, Plätze, Kirchen und Institutionen wie Kindergärten und sogar Restaurants und Apotheken tragen Luises Namen, eine Briefmarke der Bundespost von 1989 trug ihr Porträt. Auch gibt es eine "Königin-Luise-Route" für Touristen, die Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg von Neustrelitz, Hohenzieritz über Gransee, Oranienburg und Paretz (dem bescheidenen Lieblingsgut des Herrscherpaares) bis zur Berliner Pfaueninsel und Schloss Charlottenburg führt.
Im Schloss bietet nun unter dem Titel "Luise. Leben und Mythos der Königin" eine Schau mit 350 Gemälden, Skulpturen, Dokumenten und Alltagsobjekten Einblick in das Leben der Monarchin und zeichnet ihre spätere Verehrung nach.