Kunst trotz Bau: Amsterdams Stedelijk Museum für Moderne Kunst ist wieder offen
Seit sieben Jahren wird im Stedelijk Museum in Amsterdam umgebaut. Zwischendurch wurde jetzt für zwei Ausstellungen im Provisorium geöffnet.
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THOMAS BURMEISTER, DPA
US-Künstlerin Barbara Kruger hat im Stedelijk Museum digitale Vinyldrucke installiert. Foto: dpa
Amsterdam Eine Frau und ein Mann lesen abwechselnd Jahreszahlen aus dicken Büchern vor. "One Million Years" heißt die Installation des Japaners On Kawara, die jetzt in Amsterdams Stedelijk Museum zu bewundern ist. Man könnte sie als Anspielung darauf verstehen, dass dieser Tempel moderner Kunst eine Ewigkeit wegen Bauarbeiten geschlossen war. Nach sieben Jahren hat er am vergangenen Wochenende wieder seine Pforten geöffnet. Einen Spalt breit quasi, und auch nur befristet, während sich die Arbeiten zur Modernisierung und Erweiterung des berühmten Hauses weiter hinziehen.
Besucher des "Temporary Stedelijk" erwartet moderne Kunst in einem Provisorium. Wenngleich in einem schönen, das Hoffnung verheißt. "Dies ist kein Lückenbüßer", verspricht die 1957 in Kalifornien geborene neue Stedelijk-Direktorin Ann Goldstein. "Dies ist der Anfang der Erfahrung eines Gebäudes im Prozess der Museumswerdung."
Bei der millionenschweren umstrittenen Modernisierung, die schon voriges Jahr hätte abgeschlossen sein sollen, gab es so viele Verzögerungen, dass niemand mehr ein konkretes Enddatum nennen will. Ungefähr in der zweiten Hälfte 2011, heißt es, wenn nicht später. Dagegen setzt Goldstein amerikanischen Optimismus: "Die Zukunft beginnt jetzt." Sie weiß, dass es umso härter wird, den Ruf als Hollands Äquivalent zu New Yorks MoMA und Londons Tate Modern zurückzuerobern, je länger sich der Bau hinzieht. Ihre Vision: "Wir wollen wieder an die Spitze der internationalen Museums-Liga." Dafür setzt das Stedelijk nun mit gleich zwei Ausstellungen im Provisorium Akzente.
"Monumentalism" zeigt mit neuen Werken von in den Niederlanden tätigen Künstlern interessante Ideen und Trends. "Taking Place" stellt Bilder, Skulpturen, Installationen sowie Assemblage-, Video- und Performancewerke zeitgenössischer Künstler mehrerer Länder in den Rahmen eines noch unfertigen, sich verändernden Gebäudes. Untergebracht sind die Ausstellungen in zwei Etagen des innen völlig modernisierten und außen rekonstruierten Neo-Renaissance-Gebäudes, in dem das Stedelijk vor 115 Jahren - damals als stadtgeschichtliches Museum - erste Besucher begrüßte. Daneben wächst in der Regie des niederländischen Architektur-Büros Benthem Crouwel ein monumentaler Anbau heran. Zu sehen ist davon freilich noch nicht viel mehr als die Stützkonstruktion und die einzelnen Etagen. Auf Postern mit dem Gesamtentwurf wirke das Ensemble wie eine umgestülpte Riesenbadewanne neben einem schönen alten Haus, monieren manche Amsterdamer.
Egal, sagen sie zugleich. Wenn nur bald der Tag kommt, an dem das Stedelijk auch wieder jene Schätze zeigt, die es weltberühmt machten: Werke von Picasso, Monet, Cézanne, Kandinsky, Chagall, Malewitsch ebenso wie von Mondrian, van Doesburg und Rietveld, um nur einige zu nennen.