13.04.2011 Drucken Empfehlen
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Mit den Ohren ins Weltall

Karlheinz Stockhausens "Sonntag aus Licht" wurde in Köln erstmals komplett szenisch aufgeführt

Überwältigendes Opernspektakel an zwei Tagen: In Köln ist Karlheinz Stockhausens "Sonntag" aus dem Riesenzyklus "Licht" uraufgeführt worden.

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JÖRN FLORIAN FUCHS

Köln Ein Opernzyklus mit rund dreißig Stunden Gesamtlänge, dazu genaue Vorgaben bezüglich Aufführungspraxis, Kostümen, Licht, Gesten, Auftritten und Abgängen. Klingt irgendwie ein wenig nach Wagner, doch ist in diesem Fall Karlheinz Stockhausen gemeint, der zweite Gesamtkunstwerker, den Deutschland innerhalb von 200 Jahren hervorgebracht hat. Gut, nach eigenem Bekunden stammt Stockhausen (1928-2007) eigentlich vom fernen Stern Sirius. Dies glaubte der in seiner Musik zeitweise sehr humorvolle Komponist mit aller Ernsthaftigkeit. Auch manch andere eigenwillige Esoterik findet sich in seinen Werken und Welten, vor allem beim "Licht"-Zyklus, der die sieben Wochentage in komplexe, oft elektronisch hochgerüstete Musik gießt. Jedem Tag sind bestimmte Farben, Formen und Symbole zugeordnet, das Personal besteht wesentlich aus den Figuren Eva, Michael und Luzifer. Beim Sonntag fehlt Luzifer, er ist allenfalls subkutan vorhanden, um die mystische Vereinigung von Eva und Michael vielleicht doch noch zu verhindern.

Artikelbild: Karlheinz Stockhausens "Sonntag aus Licht" wurde in Köln erstmals komplett szenisch aufgeführt Das Personal schwebt durch den Raum: "Sonntag aus Licht" ist Oper in neuer Dimension. Foto: Klaus Lefebvre

Mit der katalanischen Theatertruppe La Fura dels Baus verwirklichte die Oper Köln jetzt die Uraufführung von "Sonntag aus Licht", wegen der räumlichen Anforderung im Staatenhaus auf dem Messegelände. Es ist ein ab und an etwas zähes, insgesamt jedoch überwältigendes Spektakel. Man liegt auf eigens hergestellten Liegestühlen, während um einen herum Bilder von Planeten und reale Musiker durch den Raum fliegen. In der Szene "Düfte - Zeichen" gibt es zur Mischung aus Diskantgesang und Synthesizerwabern olfaktorische Reize allererster Güte: Sieben Mal wird das Publikum mit Räucherwerk beglückt, Weihrauch und Rosenduft sind ebenso dabei wie afrikanische Rauchraritäten. Vom Gesamteindruck her ist dieser ritualhafte Teil des inklusive Pausen rund siebenstündigen, in zwei Teilen aufgeführten Musiktheaters am stärksten, auch weil sich hier die Sänger energetischer Gesten bedienen, die an asiatische und afrikanische Theaterformen erinnern.

Eine andere Szene wird zur ersten 3D-Kinooper, während im Hintergrund Menschenmassen durch Wasser oder Feuer laufen, sieht man einen assoziationsreichen Film in 3D - und die besungenen Blumen, Steine, Sterne rauschen einem ins Ohr und Auge. Völliges Neuland betreten Stockhausen und La Fura bei den finalen "Hoch - Zeiten", das Publikum sitzt in zwei unterschiedlichen Sälen. Im ersten Raum wird kräftig performt, der zweite Saal bietet ein Orchesterstück, ergänzt durch Projektionen. Mehrfach werden die beiden Säle durch Kameras, aber auch musikalisch zusammengeschaltet, wodurch Publikumsbegegnungen der ganz besonderen Art entstehen.

Bei der musikalischen Umsetzung (Gesamtleitung und Klangregie: Peter Rundel und Kathinka Pasveer) bewies das Ensemble "MusikFabrik" einmal mehr, dass es wirklich in der Spitzenliga spielt. Sämtliche Gesangssolisten überzeugten.

13.04.2011 - 08:30 Uhr

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