11.03.2010 Drucken Empfehlen
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Michel Jarre in der Porsche-Arena

Der Meister mit den elektrischen Spielzeugen

Perfekt inszenierter Bombast: Der Elektronik-Pionier Jean Michel Jarre zelebriert sich in der Stuttgarter Porsche-Arena - und hat dabei seinen Spaß.

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DIRK HÜLSER
Artikelbild: Der Meister mit den elektrischen Spielzeugen Dämonisch gut: Jean Michel Jarre spielt die Laserharfe. Foto: Dirk Hülser

Stuttgart Wenn ein Musiker nach einer rund 40 Jahre andauernden Karriere und 80 Millionen verkaufter Platten mit 61 das erste Mal auf Welttournee geht, spricht das schon für eine gewisse Exzentrizität. Aber wer wollte diese ausgerechnet Jean Michel Jarre absprechen? Der Hohepriester des elektronischen Pop gastierte am Dienstagabend in der Stuttgarter Porsche-Arena und lieferte eine perfekte, wenn auch manchmal etwas zu bombastische Show ab, die von den 3000 Zuschauern begeistert gefeiert wurde.

Jarre ist zwar 61, doch anzusehen ist ihm das nicht. Wie ein Derwisch rennt und hüpft er zwischen seinen Synthesizern umher, freut sich diebisch über all die schrägen Sinustöne, Sägezahn- und Rechteckwellen, die er seinen Instrumenten entlockt. Damit das auch jeder sieht, hat er kleine Kameras auf der Bühne montiert, die auf der überdimensionalen Videowand immer wieder in leicht unscharfer Überwachungskamera-Optik zeigen, wie der Meister seinen Spaß daran hat, an all den Knöpfen und Reglern zu drehen und mit dem Tiefpassfilter zu spielen - wie ein Schulbub, der gerade seinen ersten Physikbaukasten geschenkt bekommen hat.

Während der Franzose den ewig jungen Entertainer gibt, thronen hinter ihm - effektvoll beleuchtet - die Relikte aus der Anfangszeit der elektronischen Musik. Sie sind der ruhende Pol, strahlen eine unerschütterliche Ruhe und beinahe so etwas wie Weisheit aus: Der Moog Modular, der ARP 2500 und all die anderen analogen Monster, die nicht nur unbezahlbar und extrem selten sind, sondern die Musik von Jarre erst möglich gemacht haben.

Und so blubbert und zischt es denn in einer Tour, Jarre und seine drei Mitmusiker liefern ein wahres Inferno bombastischer Sounds ab, eine aufwendige Licht- und Lasershow rundet das Spektakel ab. Diverse Teile der Epen "Oxygene" und "Equinoxe" dürfen ebenso wenig fehlen wie "Magnetic Fields" oder "Chronology". Der Sound ist perfekt, so dass auch die Bässe mit gefühlten 20 Hertz unverzerrt die Magengruben der Fans treffen können. Und die haben ihren Spaß dabei. Ganz so wie der Meister.

11.03.2010 - 08:30 Uhr
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