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"Ureigentlich bin ich Mensch"

Cordula Trantow wird 70

Sie hat das Seniorenalter erreicht, trägt Lederklamotten und liebt die Arbeit mit jungen Menschen. Cordula Trantow ist mit 70 immer noch jung.

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JOELLE VERRET, DPA

München Ihr Blick ist neugierig, ihre Körperhaltung die einer Balletttänzerin und ihre Stimme sinnlich und klar. Morgen wird Cordula Trantow 70 Jahre alt. Ihren Beruf will sie ausüben, solange der Körper mitmacht. "Ich langweile mich einfach nicht gern." Gegen Langeweile dürfte die Vielzahl ihrer Tätigkeiten helfen: Trantow ist Schauspielerin, Regisseurin, Autorin, Intendantin und Synchronsprecherin. "Ureigentlich bin ich Mensch", sagt Trantow, die mehr als 150 Rollen gespielt und viele Stücke für Theater und Film inszeniert hat. Sie definiert sich nicht nur über ihre Arbeit: "Mein Bewusstsein orientiert sich an anderen Werten, wie den menschlichen Beziehungen, die ich in meinem Leben aufgebaut habe."

Artikelbild: Cordula Trantow wird 70 Cordula Trantow fühlt sich noch lange nicht alt. Foto: dpa

Sie hat ihr Leben nach ihren Ideen geformt: "Mit drei Jahren wusste ich schon, dass ich auf diesem Planeten lebe, um mich zu entwickeln." Aufgewachsen in Berlin als Tochter des Dirigenten und Komponisten Herbert Trantow und einer Tänzerin, war die Kunst ihr in die Wiege gelegt. Als Schulkind bekommt sie eine Ballettausbildung sowie Klavier-, Gesangs- und Schauspielunterricht. "Der Umgang mit Musik, Literatur, Tanz und Theater gehörte zu meinem Leben wie für das Kind des Bäckers das tägliche Brot", sagt sie. Talente hat die Vollblutkünstlerin viele. Sie überspringt eine Schulklasse und macht mit 17 Abitur. Trantow arbeitet als Schauspielerin früh an großen Theatern. Sie weiß, was ankommt: "Bestenfalls entsteht eine Liebesbeziehung zwischen dem Betrachter und dem Darsteller." Dabei wollte sie sich nie an das Theater binden: "Das ist ein Beruf, der Freiheit beinhaltet."

Das Risiko war der Weg zum Erfolg. Mit dem Anti-Kriegsfilm "Die Brücke" wird sie 1959 bekannt. Für ihre Rolle als Hitlers Nichte in der Hollywood-Produktion "Hitler" wird sie für den Golden Globe nominiert. Doch als Hollywood-Diva Karriere zu machen, wäre Cordula Trantow zu simpel gewesen. Zum Entsetzen ihres Umfeldes sagt Trantow nicht nur Nein zu Hollywood. "Gerade als alles gut lief, mit vielen Angeboten und positiver Resonanz, habe ich beruflich die Fronten gewechselt, vom egozentrischen Schauspieler zum altruistischen Regisseur." Dabei arbeite sie sehr weiblich, mit viel Musik und in ästhetischen Bildern, wie sie sagt.

Im Jahr 2000 bekommt Cordula Trantow das "Bundesverdienstkreuz am Bande". Als Intendantin des Weilheimer Theatersommers gerät sie wegen einer angeblich pornografischen Szene in einer Faust-Aufführung in die Kritik und zieht sich als Leitung zurück. An einen Kritiker erinnert sich Trantow mit Freude: an ihren 2002 gestorbenen Ehemann - Theaterlegende Rudolf Noelte, mit dem sie zwei Söhne hat. "Der Mann war die Liebe meines Lebens und ich denke bei jeder Arbeit: Was er wohl dazu sagen würde." Cordula Trantow hat noch viel vor. Die Frau, die auch in Krimiserien wie "Tatort", "Derrick" oder "Der Alte" zu sehen war, plant eine Theatertournee, mit den Stücken "33 Variationen" und "Der kleine Prinz".

28.12.2012 - 08:30 Uhr

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