02.01.2013 Drucken Empfehlen
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Biografischer Nachschlag

Bücher über Paul McCartney, John Lennon und Mick Jagger

Gibt es noch etwas wirklich Wichtiges, was man noch nicht über sie weiß? Jetzt sind neue Bücher über Paul McCartney, Mick Jagger und John Lennon erschienen. Und es gibt durchaus neue Facetten.

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HELMUT PUSCH

Mit Biografien von Popstars ist das so eine Sache. Manche erscheinen schon, bevor die Musiker 30 werden. Verständlich, denn im schnelllebigen Musikgeschäft weiß kein Autor und kein Verlag, ob sich die Fans in ein paar Jahren überhaupt noch an das Popsternchen erinnern. Die Größen des Geschäfts wurden aber alle längst porträtiert, mal offiziell, mal inoffiziell.

Artikelbild: Bücher über Paul McCartney, John Lennon und Mick Jagger

Etwa Ex-Beatle Paul McCartney: Dem widmeten Ross Benson (1992) und Barry Miles (1997) schon umfassende und gewichtige Biografien. Jetzt hat Peter Ames Carlin eine Lebensbeschreibung nachgelegt, die bis ins Jahr 2010 reicht. Und was macht ein Biograf, der nicht gerade ein jungfräuliches Gebiet beackert? Er zitiert und weist das auch aus. So schlägt Carlin immer wieder bei Barry Miles nach und hat auch den gleichen Fokus. Beide würdigen die tragende Rolle, die McCartney als kreativer Kopf der Beatles innehatte - nicht nur als der nette Bubikopf am Bass, der sehr viel eher zu Zugeständnissen an den Publikumsgeschmack bereit war als sein kongenialer Autorenpartner John Lennon. Denn vieles, was im Nachhinein dem kantigeren Lennon zugeschrieben wurde, stammt von McCartney. Der Bassist war es auch, der sich als erster der musikalischen und künstlerischen Avantgarde öffnete. McCartney war also mindestens ebenso innovativ wie Lennon. Nur in einem Punkt hinkte er hinter seinen Bandkollegen her. So weigerte er sich monatelang, die LSD-Erfahrungen seiner Mitmusiker zu teilen. Als er es aber doch tat, war er der erste, der öffentlich bekannte, dass das Halluzinogen, das erst 1966 in den USA und 1971 in Deutschland unters Betäubungsmittelgesetz fiel, einige Titel der Beatles inspiriert habe.

Artikelbild: Bücher über Paul McCartney, John Lennon und Mick Jagger

Soweit so gut. Die Biografie Bensons ist 20 Jahre alt, die von Miles 15. Bleiben also 15 Jahre, die Carlin intensiv beleuchten könnte. Das tut der Biograf aber nur bedingt. Die 2000er Jahre nehmen nur noch einen kleinen abrissartigen Teil des Buches ein. Dennoch: Carlins Biografie ist lesenswert, nicht nur weil manches Detail neu ist, sie ist vor allem packend geschrieben und von Kirsten Borchardt gut übersetzt.

Apropos packend geschrieben. Das sind auch die Briefe John Lennons, deren Faksimiles Hunter Davies in dem mehr als 400 Seiten starken Prachtband "The John Lennon Letters" zusammengetragen hat. Hunter Davies? Ja das ist der gleiche Autor, der auch die einzige von den Beatles autorisierte Biografie der Band geschrieben hat, die 1968 erstmals erschien, und der zwei weitere Auflagen folgen sollten. Davies hat 300 Autographe (Briefe, Telegramme, aber auch Notizzettel und Einkaufslisten) John Lennons gesammelt und daraus sein Buch gemacht. Und das zeigt, dass Lennon nicht nur ein begnadeter Musiker war, sondern auch ein witziger Kommentator, ein romantischer Liebhaber und ein talentierter Karikaturist. Mindestens so interessant sind aber die Geschichten, die hinter den einzelnen Fundstücken stecken - und die erläutert Hunter Davies so sachkundig, wie es nur ein langjähriger Weggefährte der Fab Four kann.

Auffallend daran: Es gibt kaum Briefe an Lennons Witwe Yoko Ono, aber nicht weil die Verwalterin seines Erbes das verhindert hätte: "John hat kaum Briefe an Yoko geschrieben, weil die beiden stets zusammen waren", erklärt Davies. "Selbst als John eine Affäre mit einer anderen Frau hatte, haben die beiden am Tag 20 Mal miteinander telefoniert. Es gab keinen Grund, ihr zu schreiben." Das ergreifendste Dokument dürfte das letzte Autogramm John Lennons sein. Er schrieb es am 8. Dezember 1980 gegen 22.30 Uhr und fügte gut gelaunt eine kleine Karikatur von sich und Yoko Ono bei. 20 Minuten später wurde er in Manhattan ermordet.

Vor zwei Jahren hat Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards seine Biografie "Life" vorgelegt. Ein Bestseller, in dem er ohne Blatt vor dem Mund auf sein Leben zurückblickte - und auch ungeschönt über sein Verhältnis zu Mick Jagger sinnierte. Und so war es nur eine Frage der Zeit, dass auch von Jaggers Seite ein Rückblick auf sein Leben erschien. Nur: Genau das ist Philip Normans Biografie nicht. Norman ist ein höchst renommierter Autor, kein Ghostwriter. Er verfasste in den 80er Jahren Standardwerke über die Rolling Stones und die Beatles, schrieb eine Biografie über John Lennon - und jetzt eben Mick Jagger. Norman hat eine wohltuend sachkundige und distanzierte Biografie Mick Jaggers vorgelegt, erklärt das Phänomen dessen jahrzehntelanger Popularität durchaus treffend und hält die schwierige Balance zwischen Aussagen Richards und Jaggers. Wer sich aber wirklich für das Innenleben von Sir Mick und den Stones interessiert, der erfährt darüber mehr in Keith Richards "Life".

02.01.2013 - 08:30 Uhr

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