Bayerische Staatsbibliothek zeigt neu erworbene Familienbücher der Fugger
Fugger - der Name steht für Geld. Und sehr viel Geld haben die beiden Fugger-Genealogien gekostet, welche die Bayerische Staatsbibliothek erworben hat und jetzt in ihrer Schatzkammer zur Schau stellt.
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HENNING PETERSHAGEN
Im Ehrenbuch der Fugger eröffnen Hans Fugger und seine beiden Ehefrauen Clara Widolff und Elisabeth Gfattermann die Reihe der Ahnen. Der Dreiecksschild in der Mitte zeigt das erste Warenzeichen der Fugger. Museumsfoto
München Über 260 Porträts von Mitgliedern der Familie Fugger sind versammelt in den beiden Bänden aus dem 16. Jahrhundert, die seit gestern in der Bayerischen Staatsbibliothek in München zu sehen sind. Die Ausstellung ist auf einen Raum, die Schatzkammer, begrenzt. Doch ihre Hauptgegenstände sind im Internet zu betrachten (siehe Kasten).
Im Ehrenbuch der Fugger eröffnen Hans Fugger und seine beiden Ehefrauen Clara Widolff und Elisabeth Gfattermann die Reihe der Ahnen. Der Dreiecksschild in der Mitte zeigt das erste Warenzeichen der Fugger. Museumsfoto
Der ältere Band, das "geheime Ehrenbuch" der Fugger, ist eine Handschrift, die zwischen 1545 und 1549 entstand und im 18. Jahrhundert vervollständigt wurde. Neben den Familienwappen enthält es 126 gemalte Porträts. Das erste, dem sechs Generationen Nachfahren folgen, zeigt den Gründer der Handels-Dynastie, den Weber Hans Fugger, der sich 1367 in Augsburg niederließ.
Der andere Band, in Abkürzung seines umständlichen lateinischen Titels schlicht "Imagines" (Bilder) genannt, ist ein Druck, aber ein in der vorliegenden Form einmaliger. Er enthält 138 in Kupfer gestochene und kolorierte Porträts, wurde 1593 begonnen und 1618 erweitert.
Zwar gibt es von diesen Kupferstich-Imagines noch andere Ausgaben. Doch die sind nicht so vollständig und umfangreich wie die neu erworbene. Die ist überdies durch ihre Farbgebung ein absolutes Unikat und daher von mindestens derselben Wertigkeit wie das handgemalte Ehrenbuch.
Über den Kaufpreis schweigt sich die Staatsbibliothek aus. Nur dass er sechsstellig gewesen sei, ist zu erfahren. Da dies die Mittel der Institution überstieg, wurden zahlungskräftige Sponsoren gesucht - mit Erfolg. Und so konnten die beiden Preziosen, welche die Staatsbibliothek zu ihren wichtigsten Ankäufen seit 200 Jahren zählt, erworben werden. Bis dahin waren sie in Fuggerschem Familienbesitz, bis Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen sie zu veräußern beschloss.
Indem er als Wunschkäufer die Bayerische Staatsbibliothek ins Auge gefasst hatte, knüpfte er gewissermaßen an eine Familientradition an: Johann Jakob Fugger (1516-1575), der das Ehrenbuch in Auftrag gegeben hatte, übergab 1571 dem Bayernherzog Albrecht V. seine über 10 000 Bände umfassende Büchersammlung. Dadurch wurde die Münchner Hofbibliothek, aus der später die Staatsbibliothek hervorging, zu einer der führenden Europas. Es waren Schulden, die Johann Jakob Fugger zu diesem Schritt gezwungen hatten; nachdem er in Konkurs gegangen war, hatte er Geld vom Herzog geliehen, in dessen Dienste er später trat. Ob der Verkauf der Familienbücher im Sommer 2009 vergleichbaren Motiven geschuldet war, wurde nicht bekannt.
Wozu wurden diese Bände angelegt? Ehrenbücher waren damals nichts Ungewöhnliches; die Ausstellung zeigt weitere Beispiele. Im ausführlichen Titel des Fuggerschen Exemplars steht das Wort "geheim". Das ist in diesem Falle als Hinweis auf den familieninternen Gebrauch zu verstehen. Es war also eine Art Familienchronik, welche die Nachfahren über die Vorfahren informieren sollte. Daher waren auch Texte vorgesehen - die aber nicht alle geschrieben wurden. Der Augsburger Buchmaler Jörg Breu d. J. hat dafür wunderschöne Rahmen gestaltet, die zahlreiche Miniaturszenen aus dem damaligen Alltag zeigen.
Dass die Rahmen oft leer blieben, war wohl der Grund, warum bei der Anlage der Imagines gleich ganz auf Text verzichtet wurde. Den Auftrag dafür haben Philipp Eduard, Octavian Secundus und Anton Fugger d. J. 1593 dem renommierten Kupferstecher Dominicus Custos erteilt. Seine Darstellungen sind perfekt - und unpersönlicher als die handgemalten im Erinnerungsbuch. Um so deutlicher ist ihre metallische Botschaft: So etwas kann sich nur leisten, wer sehr viel Geld hat.
Info
Die Fugger im Bild. Bayerische Staatsbibliothek München,
Schatzkammer. Bis 22. Mai, Mo-Fr 10 bis 17, Do bis 20, Sa/ So 13 bis 17 Uhr. Katalog 24.90 Euro.