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Der wahre Lohn der Künstler

Applaus ist mehr als einfach klatschen - In Theater, Oper und Konzert gelten unterschiedliche Regeln

In der Oper soll man, beim Symphonie-Konzert lieber nicht - in manchen Kirchen ist es verboten: applaudieren. Besser, man kennt die heimlichen Regeln.

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ANITA HIRSCHBECK, DPA

Düsseldorf Samstagabend, ein Konzertsaal in Deutschland. Das Symphonie-Orchester hat seinen ersten Satz beendet, da passiert es: Jemand klatscht. In den Zuschauerreihen räuspern sich die Herren streng, die Damen rollen mit den Augen. "Banause", zischelt es. Der Klatschende bemerkt seinen Fehler und rutscht ein Stück tiefer in den Sessel. Applaus ist der eigentliche Lohn eines jeden Musikers, Sängers oder Schauspielers, heißt es. Er ist das akustische Schulterklopfen, mit dem der Zuschauer sagt: "Das habt ihr gut gemacht." Aber nicht immer ist Klatschen erlaubt. Je nach Situation gelten für den Applaus andere Regeln - und wer sie nicht kennt, läuft Gefahr, sich zu blamieren.

Artikelbild: Applaus ist mehr als einfach klatschen - In Theater, Oper und Konzert gelten unterschiedliche Regeln Jeder Künstler freut sich über Applaus - bloß an welcher Stelle? Foto: dpa

Praktische Tipps gibt der Deutsche Knigge-Rat: Zwischen den Sätzen einer Symphonie wird nicht geklatscht. In der Oper hingegen darf zwischendurch applaudiert werden, normalerweise nach einem Solo. Gleiches gilt für Jazz-Auftritte. Bei Pop-Konzerten wird im Grunde ständig gejubelt. Während der Messe in der Kirche sollte man hingegen nie klatschen.

Aber warum ist es uns so peinlich, wenn wir gegen diese Regeln verstoßen? "Wenn Sie gemeinsam applaudieren, dann verbindet Sie etwas miteinander", sagt Sascha Förster vom Institut für Medienkultur und Theater in Köln. Das gemeinsame Klatschen mache aus vielen Einzelnen eine Gruppe. Wenn aber jemand die Regeln der Gruppe nicht kenne, dann sei das unangenehm und peinlich, sagt Förster.

Applaus an der falschen Stelle kann auch die Künstler verwirren. Vor einigen Wochen hat eine Gruppe von hundert Jugendlichen "Tosca" in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf gesehen. "Es kam plötzlich ein Applaus auf an Stellen, an denen es sonst gar nicht üblich ist", erzählt Theaterpädagogin Karoline Philippi. Kinder und Jugendliche hätten die kulturellen Regeln nicht verinnerlicht und würden ihrer Begeisterung freien Lauf lassen - die Musiker habe das aus dem Konzept gebracht. Nicht jeder musikalische Anschluss sei hundertprozentig gewesen, sagt Philippi.

In der Welt des Fernsehens erfüllt Applaus eine andere Funktion: Die gute Stimmung in der Sendung soll auf den Zuschauer vor den Fernsehgeräten übertragen werden. Der Applaus wird so selbst zum Teil der Show. Weil die Produzenten beim Klatschen nichts dem Zufall überlassen, engagieren sie sogenannte Warm-Upper, die das Publikum im Studio in Stimmung bringen.

Dass der Applaus ein Teil der Show ist, haben auch Politiker und Journalisten verinnerlicht. Einige Medien berichteten nach dem SPD-Parteitag in Hannover, dass für den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück drei Minuten länger geklatscht wurde als auf dem CDU-Parteitag für Kanzlerin Angela Merkel.

Sehr bescheiden etwa ist die Sopranistin Annette Dasch. "Ich bin froh, wenn sich der Vorhang am Ende einfach schließt und man nach Hause geht", sagte sie einmal dem "Hamburger Abendblatt". Applaus sei ihr irgendwie peinlich.

29.12.2012 - 08:30 Uhr

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