24.03.2011 Drucken Empfehlen
[X]
 per eMail empfehlen


   

CD-TIPP: Auch ein Neubeginn

"Thread of Life" von Magnus Öström

Das Esbjörn Svensson Trio hatte mit "Leucocyte" gerade ein Meisterwerk aufgenommen und zudem einen Richtungswechsel zum überbordenden Jazz-Expressionismus vollzogen, da starb Pianist und Hauptkomponist Svensson im Juni 2008 bei einem Tauchunfall. War es schon für die Fachwelt und Fans ein Schock, so war es für den Schlagzeuger Magnus Öström und den Bassisten Dan Berglund weit mehr.

Anzeige


SWP

Sie hatten ihren besten Freund verloren und gleichzeitig war ihnen vom Schicksal der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Bereits Anfang 2010 meldete sich der einstige e.-Bassist Dan Berglund mit dem Album "Tonbruket" im Jazz-Leben zurück und tourt seitdem fleißig.

Artikelbild: "Thread of Life" von Magnus Öström

Drummer Öström rührte ein halbes Jahr kein Instrument an. Erst gegen Ende 2008 saß er zum ersten Mal am Klavier. Das Ergebnis: "Ballad for E", ein emotionales Stück Erinnerung, das auf Öströms Album "Thread Of Life" von Pat Metheny, einem bekennenden Svensson-Fan, und dem einstigen Bass-Partner Berglund eingespielt wurde.

Öströms Album ist aber weit mehr als jazzig formulierte Trauer. Der Schlagzeuger will gar nicht verhehlen, dass nur der bewusst gewählte Weg durch die Dunkelheit ans Licht führen kann. Die Melodieführung, aber an erster Stelle rhythmische Komplexität erinnern durchaus ans legendäre Trio, und die dynamisch aufgeschichteten Zehn-Minüter sind noch immer sein Ding.

Allerdings wählt Öström ganz andere Ausdrucksformen. Wo bei e. höchstens Effekte eingesetzt wurden, wabern hier E-Gitarren, Synthesizer und Sounds aus dem Computer. Mit den Stockholmern Andreas Hourdakis (Gitarren), Gustaf Karlöf (Keyboards, Vokoder) und Thobias Gabrielson (Bass, Trompete, Keyboards) hat er eine CD eingespielt, auf dem er als Komponist, Arrangeur, aber vor allem als Produzent überzeugt.

Stücke wie "Longing" oder "Weight Of Death" sind von geradezu lyrischen Melodien geprägt, doch Öström findet auch einen eigenen Weg zwischen herkömmlichem Jazzrock und schwerelosem Jazz. Bisweilen kommt einem der elektrifizierte Pat Metheny in den Sinn, "The Haunted Thoughts And The Endless Fall" erinnert an frühe Arbeiten des Drummers Bill Bruford. Art-Jazz könnte man das nennen. Doch immer weht da auch Svenssons Geists durch dieses nordisch geprägte Album. Ein Nachklang und Neubeginn - große Melancholie und Hoffnung.

UDO EBERL

24.03.2011 - 08:30 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln (hier klicken)

Anzeige

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Anzeige