Nach sieben Jahren gibt es eine neue CD von Black Cat Bone
Jubiläums-Scheibe – zufällig
Sie ist nicht, was sie scheint. Auch wenn Black Cat Bone 30 Jahre Bestehen feiert: Die neue CD „Viewpoint“ landet aus Zufall just dieses Jahr auf dem Ladentisch. Das versichert Drummer Uli Wagner und nennt das eigentliche Motiv: BCB – so das Kürzel der Tübinger Bluesrocker – will online gehen.
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Tübingen. Myspace-Auftritt, Homepage – wenn man dafür schon Songs einspielt, warum nicht gleich eine ganze CD? Zumal die letzte Scheibe sieben Jahre zurück liegt und noch mit Hans McMinamin (vor seiner Hochzeit Hans-Jörg Müller) aufgenommen wurde.
Nachdem dieser der Liebe wegen nach Florida gezogen ist, haben andere Musiker die BCB-Reihen ergänzt. So Werner Dannemann, der bei „Little Red Rooster“ mit rauer, ungehobelter Jazzstimme und verzerrter, wabernder Gitarre Akzente setzt – bis hin zur Rock’n’Roll-Nummer „Open up“ mit ausladendem Gitarrensoli. Session-Charakter pur.
Anders Tanja Telschow: Sie ist eine Soulröhre mit Laszivität und Leidenschaft und erinnert an Rockdiven der 80er und 90er. Die Arrangements sind transparenter, ausgefeilter: Studio-Sound, weniger unmittelbar als die Dannemann-Aufnahmen, aber mit feiner Brillanz.
So im Opener „Love Sneakin’ up to you“, einer Bluesrocknummer, melodisch, etwas poppig. Hier zupft Gunter Richter die Leadgitarre – gezielt, fein dosiert. Sogar ein dritter Gitarrist spielte mit: Norbert Hahn an der Rhythmusgitarre hat sich vom Fan zum Musiker gemausert – so etwas gibt es. Markant und fast schon Bandmitglied: Arno Haas am Sax. Der hat die Gitarrennummer „The thrill is gone“ für eigene Ausflüge geborgt: entspannte Saxpartien, die sich mit Telschows Soul-Stimme zum Dialog verbinden.
Soweit die Gäste – was nicht bedeutet, dass die BCB-Stammbesatzung die bloße „Rhythm Section “ geben. Diesen Zusatz zum Bandnamen haben sie zeitweise nach McMinamins Weggang angefügt. Zwar schließt Wagner ein Revival der alten Besetzung nicht aus. Dennoch: „Wir heißen jetzt wieder nur BCB – fertig.“ Linus Wahl am Piano, Stephan Wegner am Bass und Wagner an den Drums haben an Profil gewonnen. Zu hören ist das in „I just wanna make love to you“, bei dem Wahl seine Jazzpiano-Neigungen auslebt – mit ausschweifendem, sich zwirbelndem Solo.
Derart brillieren Drum und Bass nicht: Sie legen die smoothe Basis. Das verbindet trotz Stil-Vielfalt die CD: ein warmer, direkter Sound, frei von digitalen Spielereien, „back to the roots“. „Es ist ein bissl wärmer unten rum, nicht so giftig“, so Wagner. Überhaupt: Das Album zeugt von Routiniers – frei von Allüren. „Wir sind in einem Alter, in dem man keine Gesichter mehr auf das Cover presst“, sagt Wagner. Das zeigt stattdessen „Felsen im Nebelmeer“, ein Ölbild des Kirchentellinsfurter Künstlers Michael Krähmer. Wagner erfüllt das Cover mit Stolz: „Ich bin echt verknallt in das Bild.“
INFO
„Viewpoint“ gibt es bei Rimpo, Jimmy’s Musikladen und im Reutlinger Plattenlädle. Am 30. und 31. Oktober spielt BCB im Tübinger „Hauptbahnhof“ ein Jubiläumskonzert.