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Made in Baisingen für Gleichgesinnte

Helmut Dubnitzky ist Deep-House-DJ

Daheim ist Helmut Dubnitzky schon immer in Baisingen. Als Deep-House-DJ aufgelegt hat der 32-Jährige aber in Clubs auf der halben Welt. Jetzt ist auch seine erste Longplayer-CD „We Walk“ erschienen.

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Willibald ruscheinski

Rottenburg. „Im Alter von Acht oder Neun habe ich mich beim Musikverein am Flügelhorn vergriffen“, sagt Dubnitzky und lacht. Ein Hintergrund, der ihn von manchen Kollegen unterscheidet, die vom DJing ins Aufnahmestudio wechseln, ohne auch nur von Tonleitern Ahnung zu haben. Seine Karriere begann vor zehn Jahren im Tübinger „Cinderella“, wo Dubnitzky Vermischtes auflegte, eher er seine Vorlieben für elektronische Tanzmusik und speziell die Sub-Genres Deep House und Tech House entdeckte. Es folgte ein erster Resident Job, also ein festes Engagement in einem Stuttgarter Club, dann Gastspiele in anderen deutschen Städten. Inzwischen gehören Dänemark, Florida und sogar Südkorea zu seinem Aktionsradius als DJ.

Helmut Dubnitzky, 32, spielt zwar auch Flügelhorn. Inzwischen aber ist er DJ, Plattenproduzent und ... Helmut Dubnitzky, 32, spielt zwar auch Flügelhorn. Inzwischen aber ist er DJ, Plattenproduzent und Labelchef in einem.Bild: Mozer

Weil er die Plattenkoffer nicht mehr durch die Flughäfen schleppen mochte, schickt auch der Baisinger längst digitalisierte Tracks durch die Boxen, angesteuert freilich von einem konventionell aussehenden Turntable über ein Spezialprogramm. „Ich mag das schwarze Gold“, schwört er ansonsten auf Vinylscheiben. Als solche sind auch jene zwei Dutzend eigenen Singles und Remixes erschienen, die der gelernte Ton- und Zahntechniker in den vergangen fünf Jahren herausgebracht hat, zuletzt auf seinem eigenen Label Brise Records.

Mit „We Walk“ hat Dubnitzky sich erstmals an ein Album gewagt. „Singles stehen unter dem Zwang, in den Clubs funktionieren zu müssen“; sagt er, „aber ich wollte auch mal was machen, was sich im Alltag hören lässt.“ Für Menschen, die sich nur schwer an durchlaufende Bassdrums gewöhnen können und repetitiven Strukturen nicht zwangsläufig etwas Hypnotisches abgewinnen können, mag das Ergebnis arg minimal klingen. „Aber da gibt es Leute, die produzieren noch viel Minimaleres“, antwortet Dubnitzky. „In meiner Musik ist man nicht sofort drin, sie erfordert ein bisschen mehr Verständnis.“

So viel Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Geschafft hat es Dubnitzkys mit seinen Sessions nicht nur in die Programme diverser Radios von der „Wüsten Welle“ bis zur „Plattenleger“-Show von „Das Ding“. Auf dem Fusion-Festival an der mecklenburgischen Müritz ist er vorigen Sommer mit seinen eigenen Stücken vor 60 000 Menschen live aufgetreten, morgens zwischen 5 und 6 Uhr: „Ich durfte da praktisch den Sonnenaufgang einläuten.“ Jetzt, fürs neue Album, haben Agenturen ihm eine „Release Tour“ gebucht, die neben seinem gewöhnlichen Werktagsprogramm – acht Stunden Zahntechnik, dann bis nachts um eins, zwei in die Clubs – auch die Wochenenden bis zu den Ferien füllt.

Und dann ist da ja noch das eigene Label Brise Records. Bald zwei Dutzend Platten anderer Musiker hat Dubnitzky darauf allein schon in Vinyl veröffentlicht. Bis zu 50 Demos bekommt er pro Tag zugemailt und versucht den Einsendern, „so weit die Zeit reicht“, wenigstens Rückmeldung zu geben. Umgekehrt hat der Baisinger auch Tracks für sein eigenes Album immer wieder Kollegen zugeschickt, um sich Feedback zu besorgen.

Als „mega-familiär“ schildert er die weltumspannende Nischen-Szene, in der er gelandet ist und von der es sich auch schon teilweise leben lässt. Während im Gäu nur wenige wissen, was der Hobby-Bergsteiger im stillen Studio-Kämmerchen umtreibt, empfangen ihn Gleichgesinnte Tausende Kilometer von zu Hause wie einen alten Bekannten.

Einem „Underground“ fühlt er sich zugehörig und „will auch keine Mainstream-Musik machen, sondern das, was mir gefällt und in dem ich Sinn sehe.“ Die großen Plattenkonzerne spielen in diesem Netzwerk keine Rolle. Trotzdem bedauert Helmut Dubnitzky, dass Popmusik bei den Jüngeren insgesamt „an Wertigkeit verliert. Früher sind die Leute vor den Läden Schlange gestanden, weil sie die Platten unbedingt haben mussten. Heute gilt es als uncool, dafür Geld auszugeben.“

Info Helmut Dubnitzky: We Walk. Brise Records briselp001. Internet: www.brise-records.con

21.06.2011 - 08:00 Uhr | geändert: 21.06.2011 - 08:10 Uhr

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