Fabian Simon veröffentlicht sein Debütalbum „Sunday‘s child“
Düster und betörend
Fabian Simon ist ein Musiker durch und durch: Sein Debütalbum „Sunday‘s child“ hat der Tübinger in Eigenregie aufgenommen, alle Instrumente selber gespielt – und den Faden aufgenommen, den andere in den 70er
Jahren fallen ließen.
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Fabian Simon ist ein echtes Sonntagskind: Geboren am 9. Dezember 1984. Im Alter von vier Jahren nahm der Tübinger Unterricht in klassischer Musik, schrieb mit zehn die ersten Songs, spielte mit zwölf in der ersten Band mit. Seit September vergangenen Jahres ist er Dozent am hiesigen Jam Club.
Nun hat Fabian Simon sein erstes Album „Sunday‘s Child“ veröffentlicht. Vom Cover schaut einem ein eher nachdenklicher junger Mann mit 60er-Jahre-Brille, etwas zerzaustem Haar und Zehn-Tage-Bart entgegen. Beim Anhören der elf Songs sollte man seine Herbstdepression hinter sich haben.
Denn zum Vorschein kommt eine Welt voll melancholischer Erkenntnisse aus dem Schatzkästlein des Selbst: Thema ist auch hier ein Sonntagskind, laut Fabian Simon „teils mit autobiografischen Zügen, teils als Kunstfigur“ mit hellseherischen und magischen Fähigkeiten.
Musikalisch gräbt sich der 24-Jährige tief bis zu den Wurzeln des amerikanischen Folk und der 60er-Jahre-Musik durch – und reißt dann kräftig dran, um zu sehen, ob sich so noch ein Heilmittel gegen den Blues gewinnen lässt. Das klingt auf einigen Stücken dunkel und düster und betörend zugleich. Die Texte wuchern und stochern im Unbewussten, wo nicht nur das sonnige Gemüt, sondern auch Verlorenheit lauern.
Fabian Simon spielt eine Musik, die bisweilen von ihrer eigenen Melancholie überwältigt zu werden scheint: Taktwechsel und Lautstärkeverschiebungen, Ausflüge ins Folkige, in sich versunkenes Gitarrengeklimper, psychedelische Anfälle und Lust an kammermusikalischen Klavierpassagen und immer wieder Anleihen bei genrefremden Musikformen, gern auch beim Folk.
Simon spielt alle Instrumente auf dem Album selbst, ob Gitarre, Klavier, Keyboard, Bass, Schlagzeug – ja selbst eine Ukulele hört man zuweilen durch. Manchmal klingt’s wie bei Tom Waits, manchmal wie bei Nick Cave in der Seemannskneipe. Selbstironie ist auch dabei, und wenn die kleine Schwester Ann-Marie in „Incantation“ oder Freundin Gwendolin Stolz auf „Donde esta Ferran Adria?“ mitsingen, wird’s ernsthaft ergreifend. Schön auch das langsam beginnende „Snowman“, das sich zu einem wahren Ohrwurm entwickelt.
„Sunday‘s child“ kommt daher wie eine leicht ins Artfolkhafte verhuschte Platte von Cat Stevens oder wie eine leicht ins Verschroben-Authentische verrutschte CD von Cake. Knapp daneben und großartig.Jürgen Spieß
Fabian Simon wird sein Album am Donnerstagabend um 21 Uhr bei der Releaseparty im Tübinger Schlosscafé vorstellen. Live wird er von Marcus Thomas (Fender Rhodes (Gitarre/Synthesizer), Sebastian Kunas (Bass) und Jakob Dinkelacker (Drums) unterstützt.