Die Hot Club Harmonists frönen auf ihrer CD alten Swing-Zeiten
Django lässt grüßen
Sie haben ein Faible für den guten, alten Swing: Die Hot Club Harmonists sind eine Tübinger-Reutlinger Swing-Formation aus Klassik- und Jazzmusikern, die sich dem „Swing aus dem alten Europa“ verschrieben haben.
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Jürgen Spieß
Tübingen / Reutlingen. „Swing aus dem alten Europa“ lautet auch der Titel ihres Debütalbums, auf dem alte Ufa-Schlager, ungarische Volkslieder, skandinavisches Liedgut und vor allem Zigeunerswing aus der Feder Django Reinhardts zu hören sind.
Aber wer mit dem so genannten Hot-Swing ausschließlich das Seufzen der Geigen und Csárdás verbindet, der kann einiges dazulernen. Die Musik von Frank Wekenmann (Gitarre), James Geier (Gitarre), Matthias Buck (Geige) und Steffen Hollenweger (Bass) basiert zwar auf Roma- und Swing-Traditionen, die Gruppe beschränkt sich aber keineswegs auf das hierzulande sattsam bekannte Repertoire. Sie hat sich intensiv mit Liedern aus ganz Südosteuropa beschäftigt.
Eine Sorgfalt, die man bis in die Details hinein spürt. Die meisten der 15 Kompositionen sind deutschem Liedgut aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie Django-Reinhardt-Kompositionen gewidmet: Alte Schlager wie „Schönes Wetter heute“, „Schöne Isabella aus Kastilien“ und „Ich brech die Herzen der stolzesten Frau’n“ wechseln mit entstaubten Reinhardt-Antiquitäten wie „Hungaria“, „Swing 39“ und „Troublant Boléro“.
Die swingend gestrichene Geige von Matthias Buck klingt nach Stéphane Grappelli, aber schon bald purzeln die Rhythmen munter durcheinander. Es folgen alte Volkslieder aus Ungarn, Griechenland und Russland, dazwischen auch mal ein französisches Chanson. Hier zeichnet sich besonders die Ungarin Katalin Horváth aus, die auf einigen Stücken den Gesangspart übernimmt. Sie singt die Lieder sehr überzeugend auf französisch, ungarisch oder deutsch. Nicht nur ihre klare Stimme geht zu Herzen, sie verleiht der Musik auch eine ganz persönliche Note.
Eindringlich ist ihre Version des traditionellen ungarischen Stückes „Szep A Rozsam“. Mit viel Ausdruck gibt sie auch ihre Interpretation von Chauliacs „Que reste-t-il de nos amours“ oder Kreuders „Musik Musik Musik“ zum Besten. Angetrieben und geführt wird das Quartett von dem Tübinger Frank Wekenmann, der die Gitarre elegant swingen lässt und mit feinen Soli zeigt, dass man sehr wohl die alten Traditionen mit jazzigen Grooves verbinden kann. Er spielt meist mit charmanter Lässigkeit und lässt seine Gitarre mal spanisch, griechisch oder skandinavisch klingen. Beeindruckend auch das Zusammenspiel mit Matthias Beck, der im Hauptberuf Violinist bei der Württembergischen Philharmonie ist.
Bei aller Verbeugung vor der Vergangenheit ist in der Musik der Hot Club Harmonists immer eine gewisse Seelenverwandtschaft mit Django Reinhardt herauszuhören. In den besten Momenten will es gar scheinen, dass die Hot-Jazz-Legende selbst den vier Musikern die Hände beim Arrangieren geführt hat.