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Diktator in Sachen Pop

Clueso veröffentlicht sein neues Album "An und für sich"

Der Erfurter Songwriter Clueso überzeugt auch mit seinem neuen Album "An und für sich" und zeigt sich darauf auch von seiner rockigen Seite. Am 30. April gastiert Clueso in der Stuttgarter Porsche-Arena.

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UDO EBERL
Artikelbild: Clueso veröffentlicht sein neues Album "An und für sich" "An und für sich" heißt das neue Album des Songwriters Clueso, das er auch am 30. April in der Stuttgarter Porsche-Arena vorstellen wird. Foto: Christoph Köstlin

Wie sind Sie mit dem Erwartungsdruck vor dem neuen Album umgegangen? Die Erfolgskurve ging ja in den vergangenen Jahren rasant nach oben.

CLUESO: Das war schon zu spüren. Ich bin aber jemand, der sich schnell daran erinnert, worum es beim Musik machen geht. Im Studio bin ich wie ein kleiner Junge, der richtig Bock drauf hat. Da geht bei mir viel über Lust und Spaß. Ich musste eher den Druck bei Anderen wegfegen.

Wie meinen Sie das?

CLUESO: Es ging nicht unbedingt um Erfolgsdruck. Alle wollten mehr. Wir sind ja nicht die Band, die unbedingt die nächste erfolgreiche Single oder das nächste anspruchsvolle Album produzieren muss, sondern wir setzen die Schwerpunkte auf Inhalte. Das allerdings im Pop. Das ist ein bisschen so wie St. Pauli, die in der ersten Liga mitspielen.

Das hört sich cool an, Sie haben sich aber bewusst in ein Studio in Spanien abgesetzt.

CLUESO: Das half natürlich gegen den Druck. Wir haben in der Sonne aufgenommen, waren mal raus aus dem normalen Umfeld. Das hat sich auf die Songs ausgewirkt. Wir haben aber auch in Spanien gemerkt, dass da in Deutschland viel mit uns passiert und so richtig was ins Rollen kommt. Das war wie eine Untergrundwelle. Aber je mehr Musik ich gemacht habe, war ich wie ein Astronaut, der seine Leinen gekappt hat. Jetzt komme ich zurück und muss erst einmal verstehen, dass die Leute schon wissen, wer Clueso ist.

Das Album klingt, als hätten Sie sich aufs Wesentliche konzentriert, um dann zu schauen, wo noch mehr in die Songs gepackt werden muss.

CLUESO: Das war genau das Ziel. Sich beweglich zu halten und nicht einen bestimmten Stil anzusteuern. Ob Hip-Hop oder Popsong, alles durfte entstehen. Der Song entscheidet, wo er hin will und was passiert. Musik muss immer beweglich, aber auch angreifbar sein. Das macht sie menschlich.

Es fällt auf, dass Stücke mehr noch als früher atmosphärischen Raum bekommen.

CLUESO: Das war oft so, als habe man bei einem Song die Skizzen und Noten verloren und immer noch etwas hinzugefügt. Ich wollte mich damit auch selbst provozieren. Ich liebe Filme, in denen Kameraeinstellungen lange gehalten werden. Immer aufs Tempo zu drücken macht Filme, aber auch Songs, nicht zwingend besser

Wie wichtig war für das aktuelle Album die Erfahrung, vor dem Album mit Streichorchester, aber auch mit einer Jazzcombo aufzutreten?

CLUESO: Ursprünglich wollte ich was Rumpeliges machen, dann Kunst, später was Großes, dann was Kleines. In manchen Songs habe ich die Skizze an die Wand projiziert und tausend Mal bunt übermalt, in anderen habe ich die erste Skizze so gelassen.

Zu Grunge à la "Nirvana" oder dem Sound der "Chili Peppers" haben Sie hörbar auch keine Berührungsängste.

CLUESO: Nein. Eine kleine Hommage darf immer sein. Es muss aber immer zum Song und zum Thema passen. Wenn Songs bewusst in eine bestimmte Richtung gestylt werden, dann finde ich das zu viel.

Das Album klingt sehr rund, ausgefuchst und stimmig. War so auch die Situation im Studio?

CLUESO: Es war ein geradezu chaotischer Albumprozess. Ich war relativ umstimmungsresistent, und die Band dachte, sie komme zu kurz. Ich war manchmal wirklich ein kleiner Diktator, der zu viel Neues wollte. Aber die Harmonie ist wieder da, weil sich alle im Album wiederfinden.

Clueso, wirklich ein Diktator?

CLUESO: Oh, doch. Ich kann sehr verletzend sein auf dem Weg zum fertigen Album. Ich bin dann auf der Suche oft sehr scharf und direkt in der Argumentation. Und am Ende muss ich wieder zurückrudern.

Demnächst liegt der Eurovision Song Contest an. Wurden Sie schon mal angefragt, ob Sie dabei sein wollen?

CLUESO: Wurde ich, aber da würde ich auf keinen Fall daran teilnehmen. Ich habe das vor ein paar Jahren erstmals gesehen. Da traten viele unterirdische Bands auf, die nicht als Künstler gereift sind, sondern das waren nur Interpreten. Das ist für mich kein Thema.

04.04.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 04.04.2011 - 08:55 Uhr

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