Reutlingen. Hamburg habe den Vorteil, dass es gleich zwei erstklassige Fußballklubs hat. Na und! Dafür haben wir den SSV!
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Sänger Torben Meissner macht sich zu Beginn der Gastspiels am Donnerstag im franz. K beliebt beim Publikum. Dabei ist die letzte Niederlage des Sankt Pauli gegen den SSV noch gar nicht lange her. Doch er darf dass. Das Urgestein und einzig verbliebene Gründungsmitglied versprüht mit seiner Aura noch ganz die Verruchtheit des Hamburger Untergrunds. Seine Dreadlocks hingegen sind verschwunden.
Auf ihrer Mini-Tour schauten Rantanplan nun zwischen Wiesbaden und Köln im franz.K vorbei. Keine 100 Leute waren gekommen, um das Versprechen der Band, die „Revolution tanzbar zu machen“ zu überprüfen. Die Hansestädter machen Ska-Punk mit deutschen Texten. Tanzmusik mit idealistischem, revolutionärem Anspruch. Das Publikum tanzt für einen guten Zweck. Im Unterschied zum Namensvetter, dem „Hund, der dümmer ist als sein Schatten“ von Lucky Luke machen RTP intelligente, durchdachte Texte aus dem Herzen der Hamburger Szene. Dann der Megahit „Durch die Nacht fällt Schnee“, der auch 15 Jahre nach Erscheinen des Debütalbums „Kein Schulterklopfen“ noch gelingt. Auch das glorreiche „Hamburg, Acht Grad, Regen“ stammt aus dieser Zeit. „Unbekanntes Pferd“ durfte auch nicht fehlen, wobei schon gefragt werden muss, nach wieviel Jahrzehnten ein Lied aus dem Repertoire gestrichen werden sollte. Was nicht heißt, Rantanplan spiele lediglich Songs von vor 2001 (In diesem Jahr verließen die beiden lyrischen Hardliner Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff die Combo und gründeten die Indie-Pop-Band Kettcar). Denn das aktuelle Album besitzt Potential. Dem dahinsiechenden Despoten aus Kuba stellen Torben&Co in „Comandante“ unangenehme Fragen. Das „Grablied der Republik“ beginnt mit der Feststellung: „Würden Wahlen etwas bringen, wären sie wohl verboten“. Und der Knaller „Hüftschwung gegen das System“ passt dann wieder so ganz ins RTP-Schema. Die ganze Bandphilosophie komprimiert: „Was unterscheidet uns von Maschinen? Wir können tanzen!“
Wer skeptisch war, ob eine Band derart viele Wechsel in ihren Reihen verkraften kann, wurde überrascht. Knapp 30 Musiker haben die Kapelle innerhalb von 16 Jahren durchlaufen, aber es funktioniert. „Besetzungswechselmeister mit großer Auswechselbank“ nennen sich Rantanplan im Web. Gero, der seit 2009 die Posaune spielt, könnte sogar Sohn von Sänger Torben sein. Was der Frontmann an Agilität eingebüßt hat, macht Gero mit seiner Laufarbeit wieder wett.
Es war ein erwartet klarer Sieg des Sankt Pauli im franz. K. Man darf aber auf ein erneutes Aufeinandertreffen an der Kreuzeiche gespannt sein.Fedor Besseler