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Mit der Retro-Brille

Kraftklub rockten das franz. K

Reutlingen. Derzeit schweben Kraftklub auf einer Popularitätswelle, die ihnen der diesjährige Bundesvision Song Contest beschert hat. Mit dem Titel „Ich will nicht nach Berlin“ erreichten sie den fünften Platz und trafen damit irgendwie einen Nerv: „Für heute Abend kommen wir alle aus Karl-Marx-Stadt“ - so die Parole der fünf Chemnitzer am Samstagabend im franz. K.

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Felix, der Leadsänger von Kraftklub beim Bad in der Menge.Bild: Haas Felix, der Leadsänger von Kraftklub beim Bad in der Menge.Bild: Haas

Seit Anfang November sind Kraftklub auf Deutschlandtour, um ihr im Januar erscheinendes Album zu bewerben. Als Support haben sie The Durango Riot dabei. Die schwedische Band tritt in düsterer Aufmachung auf, liefert aber im Herzen ganz ehrlichen Rock’n’Roll. Sie mischen den melodischen Stil der sogenannten „The-Bands“, etwa ihrer Landsleute von The Hives, mit schwerem Hardrock. Die düstere Atmosphäre der Schweden sprengten Kraftklub mit Ballons, Girlanden und einem Geburtstagsständchen für Durango-Riot-Gitarrist Jacob.

„Das, was wir machen, gab es noch nicht“: Die ersten drei Lieder, die Kraftklub spielten, widmeten sich der Selbsteinschätzung, einen neuen Stil erfunden zu haben, eine Mischung aus Indie-Rock und Sprechgesang. An manchen Stellen klingt das nach massentauglichem Party-HipHop im Stil von Deichkind oder Fettes Brot. Statt Elektro kommen Kraftklub aber mit Gitarrensound, viel Aggressivität, Wortwitz und Ironie daher. Auch mit ihrem Outfit setzen sie sich von der Szene ab: Röhrenjeans, Polo-Shirts, Hosenträger und Baseballjacke. Markenzeichen von Kraftklub sind eingängige Melodien, Drei-Akkord-Songs und klare Aussagen: „Mein Leben ist ein Arschloch.“ Zwischendurch spielten die Chemnitzer gemeinsam mit Durango Riot ein kleines Ramones-Tribut: Auch wenn der Kraftklub-Stil keine direkten Vorbilder hat – klar wurde hier, dass ihre Musik nicht ohne Wurzeln ist.

In ihren Songs besingen Kraftklub beispielsweise ihre eigene Generation („zu jung für Rock’n’Roll“) oder die umtriebige kleine Schwester: „wenn sie Schmetterlinge im Bauch haben will, isst sie Raupen.“ Und sie nehmen mit ihrer Anti-Berlin-Hymne den Hauptstadt-Hype aufs Korn: „meine Brille ist nicht Vintage, verdammt, die ist Retro“. Als Sänger Felix am Ende ein ernstes Lied ankündigte und das überwiegend minderjährige Publikum ermahnte, es gäbe nicht nur Party im Leben, hätte man ihm fast geglaubt. Das nächste Lied trug dann aber den Titel „Scheiss in die Disco“. Aber Kraftklub war schließlich auch nicht mit Bildungsauftrag nach Reutlingen gekommen, sondern um zu unterhalten. 300 Jugendliche dankten es ihnen.mosi

28.11.2011 - 08:30 Uhr

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