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Katzensound für einen Hund

Fried Dähn und die Württembergische Philharmonie Reutlingen

Reutlingen. Der Synthese von Klang und Bild hat sich die Reihe „Sonic Visions“ verschrieben. In der vierten Auflage der Reihe im bestens besuchten Kulturzentrum franz.K gab es am Samstagabend Musik zum Film und Bilder zu Musik: Mit Mitgliedern der Württembergischen Philharmonie Reutlingen (WPR) gab es die Uraufführung von Fried Dähns „Spanish Cat – a surreal soundscape for a silent movie“ zum surrealistischen Stummfilm „Un chien andalou“ zu erleben.

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Madeleine Wegner
Muisk zum Film, Bilder zur Musik. Die Württembergische Philharmonie vor Buñuels „Der ... Muisk zum Film, Bilder zur Musik. Die Württembergische Philharmonie vor Buñuels „Der andalusische Hund“. Bild: Haas

Im zweiten Teil des Abends setzte Kurt Laurenz Theinert das eher selten gespielte Minimal Music-Stück „In C“ von Terry Riley visuell um. Achim Heidenreich vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe gab eine kurze Einführung zu den Werken. Beide – Film und Rileys Musikstück – hätten eine „famose Rezeption erfahren“. Mauricio Kagel und Wolfgang Rihm beispielsweise haben den Film „Ein andalusischer Hund“ bereits vertont. Der 1929 uraufgeführte Kurzfilm von Luis Buñel und Salvador Dalí zählt zu den Meisterwerken des surrealistischen Films: eine Aneinanderreihung von traumartigen Sequenzen, starken Bildern und schockierenden Szenen – am bekanntesten sicherlich der Schnitt des Rasiermessers durch den Augapfel. Als „eine Art Collage“ habe er auch die Musik dazu angelegt, sagte Komponist Fried Dähn. Populäre, jazzige, schrille und Neue Musik spielten dabei eine Rolle – und ein gewisses Augenzwinkern.

Mit neongrüner Leuchtstoffröhre in der Hand dirigierte Fried Dähn, der selbst Cellist der WPR ist, seine Kollegen vom Laptop aus. Dramatischer Einstieg in Stummfilm-Manier. Der Schlagzeuger wirft seine Drumsticks fort als der Fahrradfahrer tödlich stürzt, ein klagendes Solo-Cello hebt an. Ameisen auf der Hand, ein kribbeliges Xylophon. Die abgetrennte Hand auf der Straße und hinabdriftende Glissandi der Streicher. Kein richtiger Ton, sondern mehr luftiges Geräusch der Bläser – wie letzte Atemzüge – als sich die Frau von einem Auto überfahren lässt. E-Gitarren-Riffs (Gast-Musiker und Mitinitiator der „Sonic Visions“ Thomas Maos) bei den zudringlichen Annäherungsversuchen des Mannes. Dann wird das (nur knapp 20-köpfige) Orchester zur Brass-Band und zur akustischen, von der Pauke angetrieben Elefanten-Parade. Scheinbar alkoholisierter Ufftatta-Rhythmus, quietschende Luftballons zu Totenkopf-Motte und Achselhaar. Grandios.

„Die großen Stücke des 20. Jahrhunderts stehen nicht oft auf den Spielplänen“, hatte Heidenreich eingangs bedauert. Mit Terry Rileys „In C“ aus dem Jahr 1964 spielten die Musiker im zweiten Teil des Abends „das Stück, mit dem Minimal Music begonnen hat“.

53 verschiedene kurze Phrasen und annähernd so viele Minuten zählt das Werk. Der Laptop gab den Puls vor, in dessen Raster sich die Musiker begrenzt frei bewegen konnten. Wie beim Glockenläuten kam es so zu Verschiebungen, die sich immer wieder im Gleichklang trafen, um dann wieder und immer weiter auseinander zu driften. Kurt Laurenz Theinert setzte erst nach einer Weile mit seinem „visual piano“ ein. Über vier Projektoren erschuf er – zum Teil rhythmisch abgestimmt – eine Kuppel aus Licht, die sich wie die Musik aufbaute: aus unterschiedlichen Sequenzen und einfachen geometrischen Formen, die sich übereinander lagerten, verschoben, weiterflossen. So entstand ein lichtes Gewebe analog zum perkussiven Geflecht, das von einem Dunkel erst langsam wieder weggewischt wurde.

08.03.2010 - 08:30 Uhr
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