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7000 Zuhörer in der Schleyerhalle

Fredriksson meldet sich mit Roxette zurück

Sie sind nach Abba der erfolgreichste Pop-Export Schwedens. Gut 7000 Fans feierten Roxette jetzt in der Stuttgarter Schleyerhalle.

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HELMUT PUSCH
Artikelbild: Fredriksson meldet sich mit Roxette zurück

Stuttgart. Der Auftritt ist eher untypisch für eine erfolgreiche Pop- Band. Kein Intro, keine Lichteffekte, plötzlich sind sie da, gehen an ihre Instrumente und starten mit „Dressed For Success", einem Hit aus dem Jahr 1988, als das Pop-Duo Roxette weltweit in den Hitparaden ganz vorne rangierte. 75 Millionen Tonträger haben Marie Fredriksson und Per Gessle in den vergangenen 25 Jahren verkauft. Eine stattliche Zahl, schließlich endete die Roxette-Karriere vor neun Jahren abrupt. Bei Marie Fredriksson war ein Gehirntumor diagnostiziert worden, eine Operation rettete sie, an den Folgen der Krankheit leidet die mittlerweile 53-Jährige aber immer noch.

Nach einigen Open-Air-Auftritten im vergangenen Jahr sind die Schweden mit dem aktuellen Album „Charm School" jetzt auf Tournee – eine Ochsentour, die man Marie Fredriksson kaum zutrauen mag. Zu zerbrechlich steht sie auf der Bühne, macht nur kleine Schritte, sucht am Mikrofonstativ Halt. Schließt man die Augen, ist davon kaum etwas zu spüren. Sie singt kraftvoll, auch wenn die Zwischentöne in den Balladen nicht mehr so mühelos gelingen wollen wie in früheren Jahren.

Die Botschaft kommt aber an: Da ist eine, die sich nicht aufgibt, da will es jemand noch einmal wissen. Und diese Botschaft hat sich auch auf die Band übertragen, deren Mitglieder zum Teil schon seit Jahrzehnten mit Marie Fredriksson und Per Gessle unterwegs sind. Denn diesmal klingt das Ganze wesentlich rockiger. Wo früher die schmissigen Titel wie „The Look", „Dangerous" oder „Joyride" durchaus kraftvoll, aber immer mit einer Spur Hochglanz-Politur geglättet wurden, da langen Keyboarder Clarence Öfwerman, Christoffer Lundqvist (Gitarre), Pelle Alsing (Schlagzeug) und Bassist Magnus Börjeson jetzt richtig hin. So, als ob sie die ungestüme Jugend beschwören wollten, von der ihre Frontfrau mittlerweile meilenweit entfernt ist. Und das Faszinierende: Es funktioniert.

Auch deshalb, weil dort vorne auf der Bühne ausgebuffte Profis bei der Arbeit sind: In den Instrumentalpassagen wirbeln sie durcheinander, nutzen die gesamte Breite der Vorbühne als Forum für ihre Solo- Ausflüge und lassen so vergessen, dass die Frontfrau an diesem Reigen nicht teilnimmt, ihre Kräfte für ihren Gesang aufspart. Die braucht sie auch, denn Roxette lässt sich nicht lumpen, spielt inklusive Zugaben ein Zwei-Stunden- Konzert mit 24 Titeln – fast alles Hits, denn davon hatte die Band weiß Gott genug: „Sleeping In My Car", „Fading Like A Flower", „How Do You Do", „Spending My Time", „Listen to your Heart".

So viele, dass „Milk an Honey" nicht mal auf der Playlist steht. Und wie tief diese Songs beim Publikum verankert sind, merkt man, wenn Marie Fredriksson ihr Mikrophon in Richtung Publikum richtet und es zum Mitsingen auffordert. Da sitzen nicht nur die Refrains textsicher. Für so einen Chor nimmt ein Künstler jede Mühsal auf sich.

19.10.2011 - 17:58 Uhr | geändert: 19.10.2011 - 18:01 Uhr

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