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The Melvins

Einflussreiche Wuschelköpfe

Typisch Jungs: Die diskutieren vor Konzertbeginn die Beckenzahl der beiden zentral auf der Bühne platzierten Schlagzeugsets. Aus den Boxen wabern Black Sabbath, Nirvana, Sweet und bereiten das Publikum in der gut besuchten Manufaktur in Schorndorf darauf vor, was ihm gleich live um die Ohren und durchs Gedärm wirbelt.

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Artikelbild: Einflussreiche Wuschelköpfe Echthaar oder Perücke? Fest steht: King Buzzo von den Melvins beherrscht sein Metier. Foto: Claudia Reicherter

Typisch Mädels: Am meisten interessiert die, als The Melvins die Bühne betreten, ob Gitarrist und Sänger Buzz Osborne Echthaar oder Perücke auf dem Kopf trägt. Und typisch Melvins? Gibt es nicht.

Die von kommerziell weitaus erfolgreicheren Musikerkollegen wie Kurt Cobain und Beck hochverehrte Band aus Aberdeen im US-Staat Washington, die schließlich vor dem auflodernden Grunge-Hype um Seattle nach San Francisco flüchtete, lässt sich keiner Schublade zuordnen. Typisch für die Melvins ist allenfalls, dass der selbstbetitelte "King Buzzo", Ex-Nirvana-Drummer Dale Crover sowie der seit 2005 zur Band gehörende Jared Warren am Bass und Coady Willis am zweiten Schlagzeug 2011 auf "Nude with Boots"-Tour sind. Das dazugehörige Album erschien schon 2008, und seit 2010 steht mit "The Bride Screamed Murder" ein Nachfolger in den Plattenläden. Teil der gern genutzten Verwirrungstaktik? Insider-Witz? Oder der Tatsache geschuldet, dass noch Plakate übrig waren?

Alles ist möglich. Auf dem Programm stehen Stücke von beiden Alben - "It tastes better than the Truth" ebenso wie "The Water Glass" - sowie Älteres aus der 29-jährigen Bandgeschichte. Optisch lassen die Musiker an futuristische Höhlenmenschen denken, musikalisch prügeln sie - abgesehen allenfalls von Dinosaur Jr. - alles in Grund und Boden, was sich jemals das Label "Rock" unter die Gitarrensaiten zu klemmen wagte. Nahtlos gehen Hardcore, Punk, Speed-Doom-Metal, Militärmarsch und Stonerrock ineinander über. Kein Wunder, dass diese eigenwilligen, ungeheuer präsenten und bald schon schweißnassen Wuschelköpfe Vorbilder für Vertreter diverser Musikgenres, von Mudhoney bis Faith No More, von Avantgarde zu Prog waren. Was die Melvins live bieten ist brachial, ausgefeilt, virtuos.

Den Mädels sei gesagt: Buzz Osbornes Afro ist echt; den Jungs: Hauptsache es haut ordentlich rein, oder nicht? CLAUDIA REICHERTER.

31.10.2011 - 08:30 Uhr

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