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Verträumt und zeitlos

Die Kölner Band Erdmöbel präsentierten Ohrwurm-Songs

Reutlingen. Seit zwei Wochen sind sie nun schon ununterbrochen auf Tour und ein bisschen merkte man es ihnen an.

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moritz siebert
Gitarrist Markus Berges und Bassist Ekki Maas von Erdmöbel musizierten im franz.K vor ihren ... Gitarrist Markus Berges und Bassist Ekki Maas von Erdmöbel musizierten im franz.K vor ihren Konterfeis.Bild: Haas

Pianist Wolfgang Proppe verwechselte Reutlingen mit Tübingen, von der tagsüber erworbenen Stadtkunde war nichts mehr da – „wie heißt der Fluss gleich nochmal, der durch Reutlingen fließt? Ezach?“ – und Bassist Ekki Maas vergaß den Namen des Openers.

Den sollte man sich aber unbedingt merken! Friedemann Weise kombiniert auf seine ganz eigene Art die beiden Qualitäten, die auch die Genialität eines Helge Schneider ausmachen: Er ist ein genialer Musiker und er ist einfach brüllend komisch. „Nach zwei Wochen mit Erdmöbel auf Tour sehe ich fast schon selbst wie einer aus“ – auch an Weise ist die Tour nicht spurlos vorübergegangen. Selbstironisch verkündete er im ersten Song des Abends, dass keiner deutsche Songwriter braucht. Er besang dann einfach mal sämtliche Olivers, die er kennt, oder präsentierte Lieder mit suchmaschinenoptimierten Titeln: „das Privatleben von Stefan Raab“.

Die Kölner Band Erdmöbel zählt zu den bedeutendsten aktuellen deutschsprachigen Bands und versteht sich schon deswegen nicht als die guten alten Zeiten. Das Durchschnittsalter der etwa 200 Gäste am Montagabend im franz. K entsprach trotzdem ziemlich genau dem der Band. Entsprechend ihrem neuen Album „Retrospektive“ gestalteten Erdmöbel auch den Konzertabend als einen Querschnitt durch die Bandgeschichte. Vom rockigen „lang schon tot“ aus dem ersten Album bis zur rührenden Ballade „Wort ist das falsche Wort“ von 2010 – sie hatten alle ihre Ohrwurm-Songs ins Programm gepackt.

Ihre Lieder sind zum Tanzen, zum Träumen, genauso aber auch zum Zuhören, denn die Texte von Sänger und Songwriter Markus Berges spielen für die Band eine sehr wichtige Rolle. Zunächst erkennt man in den Texten keinen direkten Sinn, die Worte klingen einfach nur geheimnisvoll.

Wenn man sich aber einmal reingehört hat und sich von den seichten Klängen treiben lässt, erzählen einem die Lieder ganz wundervolle Geschichten über die Liebe (meistens die Verflossene), das Leben („es ist schön!“) oder das Schicksal: „Es fiel mir ein, als ich ausstieg.“ Es sind nicht die guten alten Zeiten, es ist aber auch nicht nur aktueller Pop – Erdmöbel bewegt sich irgendwo zeitlos dazwischen.

03.11.2011 - 08:30 Uhr

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