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Chansons mit Verve und Melancholie

Die Französin Zaz beim 20. Aalener Jazzfest

Mit dem Konzert der Französin Zaz konnte das Aalener Jazzfest bei der 20. Auflage einen Coup landen, und auch sonst wurde reichlich gefeiert.

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UDO EBERL
Artikelbild: Die Französin Zaz beim 20. Aalener Jazzfest Die französische Sängerin Zaz riss ihr Publikum mit. Foto: Udo Eberl

Aalen . 20 Jahre Jazz in Aalen, da muss man vor Respekt doch den Hut ziehen. In der Stadthalle und an wechselnden Spielorten wurden über die Jahre Größen wie Miles Davis oder Van Morrison geboten, man experimentierte mit internationalen DJ-Acts und etablierte Hotel-Sessions, die bis zum Frühstück dauern können, genauso wie heiße Sounds in den Limes-Thermen. In Aalen war der Jazz schon immer "open", der veranstaltende Verein "kunterbunt" orientierte sich stets am eigenen Geschmack und am Vorbild-Festival in Montreux.

Im 20. Jahr war das Programm allerdings fast noch ein wenig retrofizierter als üblicherweise. Wie gut, dass die Französin Zaz trotz ihrer 31 Jahre geradezu jugendlichen Pfiff in die mit 2200 Besuchern randvolle Stadthalle brachte. Isabelle Geffroy, so der bürgerliche Name der Sängerin, riss ihre Fans vom ersten Ton an mit. Springlebendig und von ungebremster Leidenschaft angetrieben wirbelte sie über die Bühne, juchzte und feierte das Leben, ihre Band, ihr Publikum, vereinte Verve und Melancholie.

Ihr größtes Potenzial ist diese Stimme, die in waschechten Piaf-Chansons wie "Dans ma rue" genauso funktionierte wie in von Funk und Pop angetriebenen Stücken. Mit dezenter Heiserkeit im Timbre, die sie in den Höhen abzuschütteln vermochte, stand sie das volle vokalistische Spektrum. Zudem überzeugte sie mit orientalischer Phrasierung und Jazz-Improvisationen, mit denen sie spielerisch umzugehen wusste.

Hyperaktiv wie "Le chat" auf dem heißen Blechdach näherte sich die Kammbläserin zu mitreißendem Sinti-Swing auch Funk und Rock. Die Straßenmusikerin, auf Hochglanz getrimmt in atmosphärisch aufgepumptem Pop, akzeptabel und doch ein wenig zu klinisch. So richtig stark war sie in den Balladen. "Jarrive pas", nur vom Piano begleitet, das war groß. Und mit "Je veux" kam dann das Lied, das alle wollten. Der Mitsinger des Festivals, der bereits dafür gesorgt hatte, dass Zaz ihr Album in Deutschland mehr als 200 000 Mal verkaufen konnte.

Später in der Nacht tanzten die Besucher der Hotelkonzerte zu "Earth, Wind & Fire" oder was davon übrig geblieben ist, und bewegten die Hüften zu den Grooves von Eumir Deodato, dessen Spielkultur nicht nur Jamiroquai inspirierte. Mit seiner Italo-Band drehte er seinen ureigenen Sound in Richtung Jazz-Trance, nur unterbrochen von seiner herrlich verzwickten "Rhapsody in Blue"-Version.

Im Kino am Kocher schwamm sich derweil Magnus Oström von seiner "e.s.t."-Vergangenheit frei, denn aktuelle Strömungen des europäischen Jazz finden in Aalen ebenso ihren Platz, wie Legenden des Soul oder Jazzrock: Aaron Neville gab sein einziges Deutschland-Konzert, George Duke war zurück in der AA-Stadt, und die SWR Big Band feierte den 60. Geburtstag erneut im großen Stil: unter anderem zusammen mit dem US-Spitzentrompeter Roy Hargrove und Sängerin Roberta Gambarini.

07.11.2011 - 08:30 Uhr

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