Der Ergenzinger Horst Franz veranstaltet das Festival Rock of Ages am letzten Juliwochenende in Seebronn. Mit dem TAGBLATT sprach er über Geheimtipps und zickige Rockstars.
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Martin Zimmermann
Horst Franz Archivbild: Mozer
Ergenzingen. „So zickig wie manche Rockstars sind höchstens noch Supermodels“, erzählt Konzertveranstalter Horst Franz, der außer dem Seebronner Rock-Fest (29. und 30. Juli) auch das Balinger „Bang your Head“-Festival veranstaltet. „Ich war immer Fan von Kiss und wollte die mal treffen. Als ich sie dann traf und interviewte, war mir klar, dass ich das nicht noch einmal tun würde.“ Berechnend sei Gene Simmons, der Sänger, und launisch.
Weil die Klientel zuweilen schwierig ist, mache es andererseits auch viel Spass, mit diesen Leuten zu arbeiten, sagt Franz. „Oft sind es die Manager, die es komplizierter machen, als es ist.“ Es gebe Mentalitätsunterschiede zwischen amerikanischen Managern und perfektionistischen deutschen Organisatoren. Eine gute Organisation sei das Wichtigste bei so einem Festival, sagt Franz.
„Für uns wäre es besser, wenn die Leute rechtzeitig ihr Campingticket lösen, dann werden wir nicht so überrannt“, sagt Franz. Er kalkuliert zu den angemeldeten Campern stets noch ein Viertel dazu: „Wenn mehr kommen dann haben wir das zwar auch im Griff, aber wir müssen improvisieren und die Leute müssen warten.“
2011 steht in Seebronn wieder die gleiche Campingfläche zur Verfügung wie voriges Jahr. „Wenn wir so weiterwachsen, kann es sein, dass wir in den nächsten Jahren mehr Flächen brauchen“, sagt Franz. Er wolle das Festival aber „im familiären Rahmen“ belassen. Größer als das Balinger Festival soll es nicht werden. Seebronn hatte voriges Jahr 10 000 Besucher, für das ältere Balinger Treffen werden 20 000 bis 30 000 Gäste genannt.
Außer Jethro Tull, Thin Lizzy, Slade und Eric Burdon treten dieses Jahr einige Geheimtipps auf. „Über Circle to Circle werden sich noch manche wundern. Die sind sehr bombastisch und theatralisch, fast wie bei Richard Wagner und Carl Orff“, schwärmt Franz. Auf Voodoo Circle sei er besonders gespannt: „Das ist eine Supergruppe deutscher Rockmusiker.“
Die Schweizer Band China sei in den Achtzigern ein „Vorläufer von Gotthard“ gewesen. The Bosshoss aus Berlin hat Franz verpflichtet, obwohl er Country-Rock eigentlich nicht mag: „Aber die haben bei Rock am Ring gespielt, sind live eine dermaßen gute Partyband. Die mussten wir holen.“
Festival-Besucher drängen Franz immer wieder, aus dem „Rock of Ages“ ein 80er-Jahre-Hard-Rock- Festival zu machen: „Manche nerven unheimlich damit, dass wir nur noch bestimmte Bands holen sollen.“ Das ist ihm zu einseitig: „Ich hole die Musiker ,von denen ich überzeugt bin. Wir sind mit BAP seinerzeit nicht schlecht gefahren. Ich könnte mir sogar vorstellen, Wolfgang Ambros mit seinem Watzmann zu holen.“
Wichtig sei ihm „handgemachte Musik mit Gitarre“, sagt Franz. Die Bösen Onkelz würde er nicht einladen: „Die politische Einstellung von denen passt mir nicht.“ Die Gruppe musste sich wegen ihrer Texte immer wieder vom Rechtsextremismus distanzieren. Franz sagt, er verkaufe nostalgisches Partygefühl, eben Rock aus verschiedenen Zeitaltern.
Info Tickets für das Seebronner „Rock of Ages“ gibt es in den TAGBLATT-Geschäftsstellen für 55,40 Euro (ein Tag) oder 84,50 Euro (beide Tage).