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Tanz auf steiniger Straße

Chris Rea vor rund 2500 Zuhörern in der Porsche-Arena

Er ist ein großer Songwriter, ein markanter Sänger und ein begnadeter Gitarrist. Und er ist Jahre nach seiner Krebserkrankung wieder in Topform. Das bewies Chris Rea in der Stuttgarter Porsche-Arena.

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HELMUT PUSCH
Artikelbild: Chris Rea vor rund 2500 Zuhörern in der Porsche-Arena Wieder obenauf: Chris Rea in der Porsche-Arena. Foto: Dietmar Österle

Stuttgart Was hat der Mann nicht alles hinter sich: Vor zwölf Jahren wurde bei Chris Rea Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Trotz erfolgreicher Operation, bei der auch ein Großteil seines Magens entfernt werden musste, sah alles nach dem Ende einer großen Karriere aus. Tatsächlich: 2006 machte Rea seine Abschiedstournee - und kommt seitdem alle zwei Jahre wieder. Am Rosenmontag gastierte er vor nur 2500 Zuhörern in der Stuttgarter Porsche-Arena. Keine spektakuläre Kulisse für einen Künstler, der so viele Alltime-Hits geschrieben hat.

Den Zuhausegebliebenen sei gesagt: Sie haben etwas verpasst. Einen fast 61-jährigen Chris Rea, der seine Krankheit zumindest äußerlich überwunden zu haben scheint, der trotz aller Medikamente wieder obenauf schwimmt, der wesentlich agiler auftrat als bei seinem letzten Gastspiel in Stuttgart und der sich jetzt auch wieder mehr auf seine Hits konzentriert.

Die hatte Rea nach seiner Erkrankung erst mal links liegen lassen, sich auf die Musik besonnen, die ihm eigentlich am Herzen liegt: den Blues. Und das konnte er auch, denn seit 2002 ist Rea sein eigener Herr, vertreibt seine Alben über sein eigenes Label Jazzee Blue, wo auch 2005 sein bislang umfangreichstes Werk erschien: "Blue Guitars", ein Earbook mit elf CDs. Da schrieb einer sein Vermächtnis, versuchte einer den Wettlauf zwischen Kreativität und Tod zu gewinnen.

In nur 18 Monaten hatte Rea hierfür über 130 neue Songs komponiert und aufgenommen sowie mehr als 50 Bilder gemalt.

Mittlerweile geht Rea zwar alles etwas entspannter an, bombardiert seine Fans aber immer noch mit seinem Einfallsreichtum: Sein jüngstes Album "Santo Spirito Blues" enthält drei CDs und zwei DVDs.

Wie bringt man das alles auf das Format eines Live-Konzertes? Gar nicht. Rea hat einfach die Songs zusammengestellt, die ihm am Herzen liegen, und ein paar, die seine Fans von ihm hören wollen. In Kategorie eins fallen natürlich die Lieder für seine Familie: "Josephine", "Julia" und "Stainsby Girls" - und die Titel, in denen er seine Krankheit verarbeitet. "Stony Road" ist so ein Song, den Rea einem krebskranken Mädchen gewidmet hat, das ihm erklärt hatte: "Wir tanzen jetzt beide auf einer steinigen Straße." Und das hat Rea verinnerlicht, tänzelt bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die Bühne, stampft in seinen Soli mit dem Fuß auf den Boden, wirft sich mit Verve in die Saiten - alles andere als gebrechlich. Da freut sich einer des Lebens und nutzt es, um anderen zu sagen: Genießt eure Zeit, lasst uns tanzen.

Und diese Aufforderung macht Rea mit all den Fähigkeiten, die ihn zu einem ganz Großen gemacht haben: seinen Songs, seiner einzigartigen tiefen, knarzig-rauen Stimme und seinen Gitarrenkünsten. Und die stehen an diesem Abend in der Stuttgarter Porsche-Arena ganz oben - auch in der Gunst des Publikums, immer wieder bekommt Rea Szenenapplaus, wenn er mit dem Bottleneck herrlich melodiös agiert.

Zu Recht: In dieser Spieltechnik hat Rea einen ganz eigenen Ton und Stil entwickelt, der sich längst von den üblichen pentatonischen Blueslicks emanzipiert hat. Dennoch: Melancholie schwingt immer mit, selbst in den sanguinischsten Passagen wie ein Memento mori in einem prallen Stillleben. Und genau das verleiht diesem Chris Rea live seine Größe.

22.02.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 22.02.2012 - 09:19 Uhr

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