15 000 Besucher beim zweiten Heimspiel der Stuttgarter Erfolgsrapper
Einzigartige Publikumserfolge lassen sich nicht einfach wiederholen: Um diese Erfahrung reicher sind "Die Fantastischen Vier", zu deren zweitem Heimspiel in Stuttgart nur knapp 15 000 Besucher kamen.
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UDO EBERL
Mit den "Fantas" - Smudo, Thomas D und Michi Beck (von links) - tanzten und sangen die Fans munter in die Nacht hinein. Fotos: Udo Eberl
Stuttgart Was gab"s nicht alles für Gerüchte vor dem zweiten Heimspiel der Fantastischen Vier auf dem Cannstatter Wasen. Noch vor einer Woche wurde kolportiert, es seien höchstens 5000 Tickets verkauft worden, und die Hauptprotagonisten hätten vor Wochen noch nicht einmal gewusst, wer mit ihnen das Rampenlicht teilt.
Natürlich hatte er auch ein "Pflaster" dabei: Sänger Adel Tawil von "Ich + Ich" sorgte für Hitparaden-Flair.
Zudem war zu hören, die Stuttgarter HipHop-Gemeinde werde diesen Live-Termin gänzlich schwänzen, wegen der geradezu grauseligen programmatischen Anbiederung an den Pop-Mainstream. Fraglos hätte das Programm kaum kunterbunter zusammengestellt sein können, und die Chance, um die Fantas herum nach dem Wegfall der HipHop Open in der Schwabenmetropole ein feines Pendant auf die Beine zu stellen, wurde vertan.
Aber wie heißts so schön: Was zählt, ist auf dem Platz. Und der war laut Veranstalterangaben mit knapp 15 000 Besuchern gefüllt. Zumindest beim Auftritt der aus Stuttgart stammenden Erfolgsrapper. Zur Mittagszeit sah die Kulisse noch ganz anders aus. Als etwa der in Stuttgart lebende Songwriter Philipp Poisel neue und tolle Lieder seines Ende August erscheinenden Albums "Bis nach Toulouse" zu Gehör brachte, muss der Blick auf die Tribünen eher frustrierend gewesen sein. Die deutschen Synthie-Pophelden "Camouflage" litten bei ihrem Auftritt gar noch unter stimmungstötendem Regen, doch ihr Hit "One fine day" ließ die Wolkendecke aufreißen. Und so kam nach halblebigen Gags der "Kleinen Tierschau" spätestens mit Milow noch richtiges Open-Air Feeling bei mehr als 20 Grad auf. Der Belgier, dessen "Ayo Technology" alle Halbwertszeiten des aktuellen Pop außer Kraft setzt und im Rundfunk noch heute fast so häufig läuft wie im Frühjahr des vergangenen Jahres, zeigte sich nicht nur als überzeugender Songwriter, er machte auch als Entertainer was her.
Milow drückte mit seiner eingespielten Band bisweilen rockig auf die Tube, testete zwischen bewährtem Liedgut erfolgreich einen neuen Song, und am Ende wurde der Benelux-James Taylor gar zum Vorhüpfer, der das Publikum in der Spätmittagssonne mit "You dont know" und seinem Megahit richtig auf Trab brachte.
Auch wenn "Ich + Ich" bei Live-Konzerten zwei Gitarristen auf die Bühne stellen, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Zweier des Sängers Adel Tawil und der NDW-Legende Annette Humpe sich ganz bewusst zwischen verkaufbarem Pop und halbwegs anspruchsvollem Schlager bewegt. Natürlich stand die von extremem Lampenfieber geplagte Chefin auch beim Heimspiel Teil zwei nicht ausnahmsweise auf der Bühne. Dafür sorgte mit Tawil "Einer von Zweien" für Hitparaden-Flair und zwar mit Stücken wie "Pflaster" oder "Vom selben Stern".
Vom ganz anderen Stern waren die Fantastischen Vier vor einem Jahr beim ersten Heimspiel auf den Wasen gewesen. 60 000 Besucher hatten trotz einiger Beschallungsprobleme einen Sommernachtstraum im sinfonischen Gewand zum 20. Geburtstag des Quartetts erlebt.
Nun, bei der Wiederauflage, wurden weit kleinere Wecken gebacken. Präsentiert wurde das übliche Festivalprogramm des Sommers, das auch schon mal als Einspielphase für die große Herbsttour dient. Eine schlichte Show ohne Led- oder Licht-Effekte, etliche Stücke des aktuellen Albums "Für Dich immer noch Fanta Sie" und ein Best of der Klassiker, die ja mittlerweile bereits zum deutschen Liedgut gehören - nicht mehr, nicht weniger.
Lust hatten sie auch darauf, "im kleinen Kreis nur mit Freunden" zu feiern. Dass allerdings der zukunftsorientierte Smudo die Fortsetzung des Plans, nun in jedem Jahr ein Heimspiel zu veranstalten, ankündigte, wird Organisator und Fanta-Manager Andreas "Bär" Läsker eventuell mit angesäuerter Miene zur Kenntnis genommen haben. Den dicken Schnitt wird er mit diesem Festival kaum gemacht haben, um es vorsichtig auszudrücken.
Ach ja, die Fans tanzten und sangen mit den Fantas munter in die Nacht hinein. Yeah, yeah, yeah, MFG, ein satt groovender "Tag am Meer" mit einem solistisch gut aufgelegten Lillo Scrimali am E-Piano - in den Zugaben noch der "Krieger", "Ernten was wir säen" und "Troy" für "die troyesten aller Fans". Das wars - Fortsetzung folgt? Vielleicht heißt das Motto auch ganz fanta-realistisch: "Was wollen wir noch mehr".