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Üben geht auch am Lenkrad

Tübinger spielen japanische und koreanische Trommeln

„Ki“ bedeutet Kraft oder Energie, „Bong“ heißt auf Koreanisch Stock. Beides zusammen ist der Name einer Tübinger Trommelgruppe.

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Fabian Ziehe

Derendingen. Es ist Trommeln, es ist mehr: das Wirbeln der Schlegel, die Bewegungen des Spielenden, die Energie beim Schlag. Etwas für die Augen wie die Ohren. „Yu Hwa“ heißt das Stück, auf Koreanisch bedeutet das „fließende Bewegung“. Einige schlagen einen treibenden Rhythmus. Derweil ziehen Einzelne den Stock in der Linken am Körper entlang nach hinten und strecken parallel dazu die Rechte schräg nach oben in die Luft. Dann fährt die Linke, gefolgt von der Rechten, nach unten. Der Schlag endet nicht auf dem Fell, er wird abgelenkt. Der Stock federt wieder nach oben.

Flashplayer benötigt.

Drei Trommlerinnen und ebenso viele Trommler der Gruppe Ki Bong stehen im Kreis in dem hellen, mit Teppich ausgelegten Kellerraum in Derendingen. Vor ihnen die Instrumente: Die meisten sind bauchige rotbraun glänzende Trommeln. Diese Taikos sind einen Meter hoch, das Fell aus Rindsleder ist mit kräftigen Nieten am fassförmigen Korpus befestigt. Eine dieser japanischen Trommeln ist mit einem Meter Durchmesser etwa doppelt so breit wie die übrigen. „Das ist unsere Mama-Trommel“, scherzt Uwe von Bescherer. Diese Taiko hat einen noch satteren Sound.

Eine kleinere Trommel ist die Buk: Eingehängt in ein Dreibein hat das koreanische Schlagwerk einen hellen Klang. Die Buk kann man auch in horizontaler Aufhängung anbringen, dann wird sie in Kopfhöhe gespielt. Bisweilen kommt auch eine dritte Trommel ins Spiel, die japanische Shime-Daiko: Ihr Fell, gespannt mit verknoteten Seilen, liegt auf einem Eisenring auf. Sie klingt noch höher und frischer.

Die Taikos liefern pulsierende Rhythmen, die kleineren Trommeln meist den Grundbeat, der die Gruppe anfeuert. Einer in der Runde gibt den Ton an, ruft vor Rhythmuswechseln und neuen Motiven. Man kann in der Fellmitte oder weiter außen spielen, auf den Rand trommeln, das Spiel auch mit Klangschalen und Gong ergänzen. Wahllos ist kein Schlag: „Man konzentrieren sich auf einen Punkt“, sagt Myriam Höfer-von Bescherer.

Trommeln in Aktion: Stefanie August, Anja Gienger, Uwe von Bescherer, Myriam Hofer-von Bescherer, ... Trommeln in Aktion: Stefanie August, Anja Gienger, Uwe von Bescherer, Myriam Hofer-von Bescherer, Ulrich Harter und Harald Hentschke (von links) proben im Keller eines Wohnhauses in Derendingen an japanischem und koreanischem Schlagwerk. Bild: Sommer

„Das Zusammenspiel muss absolut synchron sein“, erklärt Ulrich Harter. Das Tempo und die Koordination besonders der linken Hand erfordern Übung. Und die Rhythmen liegen oft jenseits üblicher europäischer Schemata – Offbeat oder auch mal ein Sieben-Achtel-Takt sind gefordert. „An manchen Stücken üben wir stundenlang“, sagt Anja Gienger. Trommeln ist nicht nur Rhythmusgefühl, es ist Kopfsache, eine Frage der Atmung, der musikalischen Kommunikation.

Körperlich wie asiatische Kampfkünste

Stößt der eine Schlegel nach vorne, geht die andere Hand in die Höhe, Spannung und Entspannung. „Es gibt Parallelen zwischen Trommeln und Kampfkunst, das Körperliche schafft andere Dynamik“, erklärt Myriam Höfer-von Bescherer. Viele der 13 Spieler kommen aus asiatischen Kampfkünsten.

Für manche ist das Trommeln Meditation. Andere schätzen die Konzentration auf das Spiel, die den Alltag ausblendet, aber auch die eigene Haltung im Alltag verändert. Dem Nächsten gefällt die Kommunikation untereinander, die Disziplin im Spiel. „Wenn ich müde bin, bin ich nach dem Trommeln wieder fit“, sagt Myriam Höfer-von Bescherer. Mit esoterischem Pathos will es keiner aufblasen.

In Korea und Japan hat die Trommelkunst spirituelle und weltliche Funktion: Fahren die Fischer aus oder wird eine Autobahn eröffnet, erklingen Taikos und Buks. Myriam Höfer-von Bescherer lernte vor neun Jahren in einem Workshop die Trommeln kennen. „Der erste Schlag hat mich gepackt“, sagt sie.

Erst trommelte sie für sich, dann startete die Gruppe im Kampfsportzentrum Ki-Dojo im Loretto-Viertel. Ki Bong tritt immer mal wieder auf, obgleich der Transport der Instrumente eine logistische Leistung ist. Ein bis zwei Mal pro Woche proben sie. Geschickt ist: Man kann trainieren ohne Trommel, das Lenkrad am Auto reicht für manches völlig. Und man schafft es in meditativer Ruhe bis zur nächsten Grünphase.

16.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 16.03.2010 - 16:47 Uhr

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