Sebastian Sturm singt zu Reggae-Rhythmen im franz.K
Dem Namen nach verbindet man mit ihm alles andere als Reggaemusik: Doch wenn Sebastian Sturm vom Frieden singt und die Rastalocken schwingt, quillt Dancehall und Roots-Reggae aus allen Poren. Am Samstag, 10. Dezember, kommen der Newcomer und seine neue Begleitband Exile Airline ins Reutlinger franz.K.
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Party und Politik gehören zusammen: Sebastian Sturm.Bild: Spieß
Reutlingen. Häufig bestehen Musikinstrumente heutzutage aus Software und Hardware, und als Konzert wird bezeichnet, wenn Einer ausgelassen herumhüpft, junge Mädchen anmacht und dazu zur Musik vom Plattenspieler ins Mikro rappt.
Nicht so Sebastian Sturm, der mit seiner sechsköpfigen Band handgemachte Reggaemusik aufkocht und binnen weniger Augenblicke den Funken aufs Publikum überspringen lässt.
Meistgefragter Reggaemusiker
Der 31-jährige Sänger aus Aachen gilt nicht umsonst als einer der größten deutschen Reggae-Hoffnungen. Als Sohn einer indonesischen Mutter und eines deutschen Vaters wuchs er in Deutschland, Holland und Belgien auf und gründete bereits mit 14 Jahren seine erste Band. Damals fühlte er sich noch zum Punk hingezogen, aber schon bald darauf wechselte er zum Reggae und feierte mit der Gruppe „Jogit Beat“ erste Erfolge.
Seine Hausband „Jin Jin“ besteht seit 2005 und hat sich dem Roots-Reggae verschrieben. Bereits mit seinem Debütalbum „This change is nice“ avancierte der Aachener zu einem der meistgefragten Reggaekünstler im Land und spielte auf den bekannten Festivals Reggaejam (Berstenbrück), Summerjam (Köln), Zenith (Paris) und Reggae Sun Ska (Bordeaux). 2008 erschien das zweite Album „One moment in peace“, das vor allem in Frankreich Erfolge feierte, wo Sturm regelmäßig vor bis zu 5000 Besuchern auftritt. Seine neue CD „Get Up & Get Going“ hat er mit den Musikern der Gruppe Exile Airline eingespielt, die ihn auch beim Konzert im Reutlinger franz.K begleiten werden.
Glaubwürdigkeit wahren
Die partytaugliche Musik ist stark vom Reggae-Übervater Bob Marley inspiriert, aber auch heutige Pop-und Dancehall-Einflüsse spielen eine Rolle. Wuchtig blubbert da der Bass, zwei Gitarren setzen abgehackte kurze Floskeln darüber, und über allem steht die Stimme des rastagelockten Frontsängers. Es ist im Grunde immer der gleiche, sehr entspannt wirkende Rhythmus, über den Sebastian Sturm mit seiner vergleichsweise weichen Stimme und einer Gesangstechnik singt, die den Bogen schlägt von zentralafrikanischen Vokaltechniken zu einem Sprechgesang, der schon auf den späteren HipHop verweist.
Das Publikum kann sich auf eine ordentliche Tanzfete freuen, ausgelassen und unbeschwert. Gleichzeitig artikuliert Sturm die politischen Botschaften seines neuen Albums „Get Up & Get Going“ so unmissverständlich, dass sie nicht zu überhören sind.
Für den Reggaekünstler und seine Crew ist das kein Widerspruch: „Uns ist es wichtig, unsere Glaubwürdigkeit zu wahren – da gehört sowohl Party machen als auch politisches Selbstverständnis dazu“, sagt der sympathische Senkrechtstarter.
Kein überdrehter Entertainer
Zwar könnte man einwenden, dass er mit seinem Roots-Reggae nur Bekanntes wiederholt, doch um einer Gemeinschaft stiftenden Wirkung willen bedarf es nicht stetig neuer musikalischer Inhalte.
Vom Auftreten her ist Sebastian Sturm auf eine durchaus einnehmende Weise spröde. Er gebärdet sich nicht als überdrehter Entertainer, animatorische Rituale setzt er sparsam ein, fast wie eine Pflichtübung. Ist auch gar nicht nötig. Die Riddims sind so bezwingend, dass bei seinen Konzerten ohnehin jeder wippt und tanzt.Jürgen Spieß
Sebastian Sturm & Exile Airline spielen am Samstag, 10. Dezember, um 21 Uhr, im Reutlinger franz.K. Vorband sind die Reutlinger „Soldiers of Jah“.