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Willkommen im Proberaum

Red Hot Chili Peppers in der Münchner Olympiahalle

Die Red Hot Chili Peppers sind eine der erfolgreichsten Rockbands der vergangenen Jahrzehnte. In München traten sie in der Olympiahalle mit neuem Gitarristen an - doch John Frusciante fehlt.

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UDO EBERL

München Was das eigene Hörvergnügen angeht, sind die Musiker der Red Hot Chili Peppers geschmackssicher. Souverän gönnen sie dem Publikum auf ihrer Euro-Tour mit den Foals einen der aktuell heißesten britischen Rock-Exporte. Die explosive Gitarrenband bietet in ihren Songs rhythmisch komplexe Riff-Strukturen und greift bisweilen auf Techno- und Postrock-Strukturen zurück. Ein Teil des Publikums in der fast ausverkauften Münchner Olympiahalle hört und spürt, das ist Musik der Zukunft, und feiert die Band entsprechend.

Bereits mit den ersten Beats und Klängen der Red Hot Chili Peppers ist klar, welche Gangart eingeschlagen werden soll. Das Quartett will nicht nur Hits und Songs mit Jubelgarantie abspulen. Lieber Jammen und Improvisieren über die fetten Beats des Drummers Chad Smith, um dann richtig Kante zu zeigen. Los gehts mit "Monarchy of Roses", der Single vom jüngsten Album "Im With You", das zwar weltweit an die Spitze der Charts schoss, aber nicht ansatzweise an den Vorgänger "Stadium Arcadium" heranreicht. Die Vier, das unterstreichen sie live, stehen zu ihrem Werk, das mit dem neuen Gitarristen Josh Klinghoffer eingespielt wurde, doch so richtig laut wird es erst bei "Cant Stop" und "Dani California".

Mit fortschreitender Kalifornisierung durch ältere Stücke steigt die Stimmungskurve, doch mit letztem Druck wollen diese "Peppers" die Fans nicht zum Kochen bringen. Vielmehr wollen sie zeigen, dass Individualismus zum großen Ganzen führen kann. Smith gibt den hammerharten, stets von Groove bestimmten Takt vor, Bassist Michael "Flea" Balzary, der schräge Typ mit der Enten-Schnute, läuft nicht nur im Handstand über die Bühne, er soliert auch erstklassig und liefert das Funk-Brett, während sich Klinghoffer müht, bisweilen eigene Akzente zu setzen.

Natürlich hat der 31-Jährige den Sound seines Mentors John Frusciante drauf, und beim Klampfen in gewagter Rücklage agiert er weltmeisterlich. Das eigene Sound-Profil des Band-Newcomers kann man aber nur erahnen. Zu hippelig klingt das zwischen vorgegebenen Riffs und Melodien. Geradezu anlehnungsbedürftig sucht der Youngster mit den elastischen Beinen die Nähe der Kollegen, die bewusst auch wegen ihm den Jam-Ansatz in den Vordergrund schieben. Mehrmals treffen sie sich vor dem Drumset, um mit dem Rücken zur Menge die musikalische Mitte zu suchen. Willkommen im Proberaum.

Das Publikum kommt dann im Finale mit Klassikern wie "Under the Bridge" und "By The Way" voll auf seine Kosten. Beim Superhit "Californication" macht Sänger Anthony Kiedis, mit Schnauzbart im Look eines Mitglieds der Village People, zwar oben ohne eine ganz gute Figur, doch die Stimme wackelt mächtig. In solchen Momenten wird er Frusciante und dessen rückendeckende Vokalkraft vermissen.

Klar gibt es an diesem Abend große Momente und kleine Lichtblicke, oftmals im Duett von Gitarre und Bass, doch der Mann für den Gesamtklang, der Zampano mit dem besonderen Pop-Händchen, der aus Funkrock Pop-Diamanten schleifen konnte, der ist nicht mehr dabei. Hörbar. Den Fans ist das am Ende des zweistündigen Programms ziemlich egal. Sie hüpfen und jubeln zu "Give It away" wie in den guten, alten Zeiten.

07.12.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 07.12.2011 - 08:56 Uhr

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