Grupo Sal präsentieren ihr neues Album „Horizontes“
Der Horizont als Begrenzung und Versprechen: Sechs Musiker aus Chile, Argentinien, Portugal und Deutschland wollen mit ihrer Musik zu neuen Ufern aufbrechen. Herausfordernd und individuell sind die Melodien von Grupo Sal, vereinen zeitgenössische Latinmotive und politische Folklore.
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Die politische und musikalische Mission von Grupo Sal ist noch lange nicht zu Ende. Bild: Spieß
Tübingen. Bandgründer Roberto Deimel stammt aus Chile, hat dem Land aber bereits 1971 den Rücken gekehrt. Wegen ihrer jüdischen Abstammung waren seine Eltern während des Zweiten Weltkriegs vor den Nazis aus Prag geflohen und mussten ihre neue Heimat erneut aus politischen Gründen verlassen.
Roberto Deimel war damals erst 16 Jahre alt. Zu jung, um sich für politische Zusammenhänge zu interessieren. Das änderte sich jedoch, als er in Tübingen zunehmend politisch und musikalisch aktiv wurde. Es vergingen aber noch rund zehn Jahre, bis Deimel zusammen mit Fernando Dias Costa „Grupo Sal“ gründete, die im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern.
Da kann man es sich zum einen leisten, das eigene Lebenswerk neu zu bedenken, zum anderen auch ein wenig zurückzublicken auf eine musikalische Vita, die nicht erst mit der ersten Plattenveröffentlichung 1988 („Colores“) begann.
Die in Tübingen beheimatete Gruppe hat seit ihrer Gründung im Jahr 1982 weit mehr als 2000 Konzerte gegeben und diverse Schriftsteller und Schauspieler bei Konzertlesungen begleitet. Der Bekannteste unter ihnen ist Dietmar Schönherr, mit dem zusammen die Programme „Nicaragua mi amor“, „500 Jahre Einsamkeit“ und „Den Kindern des Südens“ entstanden. Auch Schönherrs Romanpräsentation „Die blutroten Tomaten der Roslía Morales“ sowie seine Autobiografie (erschienen im März 2006) untermalten Grupo Sal musikalisch.
Mit dem aus Nicaragua stammenden Dichter und ehemaligen Kulturminister Ernesto Cardenal stand das Sextett seit 1993 in über 250 Konzertlesungen gemeinsam auf der Bühne. Ebenso erfolgreiche Tourneen gab es mit der nicaraguanischen Schriftstellerin Gioconda Belli, der 2003 verstorbenen Theologin Dorothee Sölle und dem Bischof Alvaro Ramazzini aus Guatemala. Seit ihrer Gründung setzte sich Grupo Sal stets mit entwicklungs- und umweltpolitischen Themen auseinander.
Zu ihrer politischen Einstellung passt auch der Titel des neuen Albums: Mit „Horizonte“ wollen die beiden Sänger und Bandgründer Roberto Deimel und Fernando Dias Costa sowie Anibal Civilotti (Gitarre und Gesang), Cesar Villafane (Querflöte), Harald Schneider (Blasintrumente) und Kurt Holzkämper (Kontrabass) zu neuen Ufern aufbrechen – sowohl politisch als auch musikalisch. Ob virtuos oder befreit dahinfließend, die Songs haben eine Spannung, die den Zuhörer schnell in ihren Bann zieht. Dann kann man sich mühelos jenem zehrenden Sehnen hingeben, das in den lustvoll inszenierten Gitarrensoli des Argentiniers Anibal Civilotti, aber auch in dem ausdrucksstarken Bariton des Portugiesen Fernando Dias Costa auf unnachahmliche Weise greifbar wird.
Grupo Sals musikalische Reise durch Mittel- und Südamerika lebt von der Spannung unterschiedlicher Rhythmen, Farben und Atmosphären sowie von der Dichte und Aktualität ihrer Songtexte. Neben einer in Jahrzehnten gewachsenen Virtuosität ist besonders diese hörbare Hingabe an die Musik das Faszinierende an dieser Band, die im deutschsprachigen Europa häufig die „Stimme Lateinamerikas“ genannt wird. In ihrer Musik pulsiert der Sound globaler Metropolen und die Vitalität Lateinamerikas: das entspannte Tänzeln des kubanischen Son, der melancholische Bewegungsdrang des argentinischen Tango, der Reiz indianischer Melodien.
Das alles präsentiert Grupo Sal im besten Sinne kulturübergreifend und mit feuriger Leidenschaft, aber an den richtigen Stellen auch mit einer Spur von Melancholie, dem Wissen um die Schattenseiten des Lebens. Jürgen Spieß
Grupo Sal präsentieren am Donnerstag, 8. Dezember, 20 Uhr, im Sudhaus Tübingen ihre neue CD.