Die sechs Musiker von Grupo Sal stellten neue CD vor
Tübingen. Eine „Häutung“ sei die neue CD gewesen, „ziemlich intim und sehr eigen“ geworden. Das sagte Fernando Dias Costa von der Grupo Sal, die am Donnerstag ihre aktuelle Platte „Horizontes“ im sehr gut besuchten Sudhaus vorstellte. Der Portugiese Dias Costa hatte während seines Studiums in Tübingen 1982 zusammen mit dem Chilenen Roberto Deimel die Gruppe gegründet.
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Grupo Sal beim Jubiläumskonzert (30 Jahre) plus CD-Präsentation – dem Publikum gefiel’s besser als unserer Rezensentin.Bild: Faden
Seit fast 30 Jahren hat sie sich der Musik Lateinamerikas verschrieben. Auf der aktuellen CD finden sich zum ersten Mal neben Coverversionen auch mehrere eigene Kompositionen. Etwa das Liebeslied an Portugals Hauptstadt, „Lisboa“, mit dem die sechs Musiker sowohl das Album als auch den Abend eröffneten. Drumsets, Congas, Bongos, Cajón, Udu, Donkey-Rattle, Colanüsse und einiges mehr: Die Bühne des Sudhaussaals war voll von diversen (Perkussion-) Instrumenten; die Musiker einen guten Teil der Konzertzeit mit Umbau und dem Wechsel der Instrumente beschäftigt.
An die hintere Wand der Bühne warf der Projektionskünstler Mehrdad Zaeri einfallsreiche teils abstrakte, teils figurale Muster. Das waren oft zauberhafte kleine Geschichten. Doch zusammen mit dem großen instrumentalen Aufwand der Musiker wurde im Laufe des knapp dreistündigen Abends der Eindruck immer stärker: Neben dem ganzen Tamm-Tamm und Brimborium droht die Musik in den Hintergrund zu geraten. Und obwohl die Musiker teilweise schon seit Jahrzehnten zusammenspielen, wirkten sie in kaum einem Moment eng beieinander.
Kontrabassist Kurt Holzkämper war der einzige, der sein Instrument nicht aus den Händen gab. Mit einem quirligen Intro eröffnete er seine Komposition „Carandirú“ über das gleichnamige Gefängnis in São Paulo und den blutigen Aufstand dort vor knapp 20 Jahren. Der argentinische Flötist Cesar Villafañe und Harald Schneider (wahlweise an Klarinette, Sopran- oder Tenor-Saxophon) lieferten gemeinsam einige hübsche Passagen. Doch selbst bei den Soli schienen sie an ihren Noten zu kleben – so wirklich frei wollte auch das gemeinsame Spiel dabei nicht werden.
Unter den zahlreichen Interpretationen lateinamerikanischer Komponisten unterschiedlicher Stile wie Salsa oder Cumbia war auch Astor Piazzollas „Chiqilin de Bachin“, zu dem Gitarrist Aníbal Civilotti – in der Tango-Tradition verwurzelter Argentinier – zarte Flageoletts beisteuerte. Doch alles in allem erinnerte dieser Abend ein bisschen an einen Besuch im Solarium: ganz an- genehm, in der düsteren Jahreszeit in südlich-sonnige Stimmung zu kommen, doch bleibt das Licht zu künstlich und fehlt es an Authentizität.