Das Tübinger Trio Trièsque steht auf Esbjörn Svensson, Keith Jarrett und Thelonious Monk
Trièsque ist ein Tübinger Klaviertrio, das gleichermaßen weich und unerbittlich klingen kann: Mal hat die Jazzcombo den typischen Esbjörn-Svensson-Ton drauf, kurz darauf überraschen die Eigenkompositionen durch kompakte Eigenständigkeit.
Tübingen. Meist bewegt sich die Jazzband um den jungen Pianisten Thomas-Daniel Gerwig in Bahnen, die man ganz ohne Häme als traditionell beschreiben kann. Und doch ist die Band Trièsque ganz von heute. Denn obwohl der Rahmen vorgegeben ist, ist doch nichts Wesentliches gesetzt. Energie, Intensität werden erarbeitet. Takt für Takt.
Trièsque, das sind Thomas-Daniel Gerwig, Thorsten Reeß und Martin Schönewerk. Bild: Spieß
Der erste Findungsprozess dauerte nicht lange. Nach nur einer gemeinsamen Jamsession im Frühjahr 2007 war den drei Tübingern klar, dass hier soeben eine neue Band entstanden war.
Überraschende Effekte
Nicht ganz so einfach war es mit dem Namen: „Eigentlich ist Trièsque ja ein Kunstwort“, beschreibt Drummer Thorsten Reeß die Suche nach dem Bandnamen, „und außer, dass er auf unsere dreiköpfige Besetzung anspielt, hat er keine besondere Bedeutung“. Ihre Musik, die sich stark an dem vor zwei Jahren verstorbenen schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson orientiert, klingt kantig und doch rund, weich und im nächsten Moment fast unerbittlich.
„Wir wollten am Anfang noch einen deutlicheren Einfluss von elektronischer Musik integrieren, aber während der Proben hat sich dann ergeben, dass sich mehr das Akustische und Jazzige durchgesetzt hat.“
Tatsächlich nutzen Trièsque die Spielräume, die der Jazz ihnen bietet und erweitern diese mit unkonventionellen Akustikklängen und überraschenden Effekten. Dabei kommt den drei Musikern ihre langjährige Tätigkeit in den unterschiedlichsten Jazzformationen zugute. Pianist Thomas-Daniel Gerwig (22) und Schlagzeuger Thorsten Reeß (33) kennen sich schon seit vielen Jahren, Bassist Martin Schönewerk (23) ist seit der Bandgründung vor drei Jahren dabei.
Im kreativen Sinne unfertig
Die Drei schaffen es immer wieder, ihren Jazz zum Klingen zu bringen. Zwei, drei Minuten brauchen die langen Stücke manchmal, um sich zu entwickeln, um ganz ohne äußeren Druck wie von selbst dem natürlichen Drängen der Töne folgend, ihre Struktur herzustellen. Dabei geht die Musik immer wieder auf einfache, liedhafte Grundmuster zurück.
Längst haben Trièsque die Geschichte hinter sich gelassen und zu sich selbst gefunden. Man hat nie das Gefühl, dass das Trio von der Aura des Gestern zehrt, von den großen alten Standards, wie es heute so viele junge Jazzer tun.
Sie erarbeiten ihr eigenes Material, erfinden ihre eigene Geschichte. Die Suche nach Vorbildern, die historische Ein- und Zuordnung ist längst überflüssig. Keith Jarrett, Thelonious Monk, Esbjörn Svensson und all die anderen bilden nur noch einen dünnen, roten Faden. Der Jazz ist hier dem Pop nah, aber er hat sich ihm nicht ausgeliefert. Beeindruckend auch, wie das Trio stets den balladesken Ton trifft, der vom Pedal des Klaviers warm unterfüttert, vom sanft die Becken streichelnden Schlagzeug verfeinert und von akkuraten Bassläufen behutsam bewegt wird. Trièsque ist ein junges Projekt, im kreativen Sinne unfertig und gerade deshalb spannend genug, um über einen längeren Zeitraum beobachtet zu werden.
Im Oktober steht erstmal ein Auftritt bei den Tübinger Jazz & Klassiktagen in der Kreuzkirche an. Und wie geht es weiter? „Wir würden gerne eine CD aufnehmen, nur der Zeitpunkt steht noch nicht ganz fest“, wagt Bassist Martin Schönewerk einen Blick in die Zukunft. „Die Planung läuft aber auf Hochtouren, wir müssen nur noch ein paar eigene Lieder schreiben.“