Mit Stipendien und Stadtschreiberposten hat sie schon Erfahrung und, ja: Sie wird auch etwas über Tübingen schreiben. Seit 1. April ist sie Tübingens neue Stadtschreiberin: Marion Poschmann.
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Peter Ertle
Hier auf Besuch im Rathaus, ansonsten drei Monate lang wohnhaft auf dem Stadtfriedhof, in direkter Nähe zu Hölderlins Gebeinen: Marion Poschmann.Bild: Sommer
Tübingen. Seit dem 1. April ist sie nun in Tübingen, aber erst musste sie gleich wieder weg, nach Freiburg, wo sie den Peter-Huchel-Preis entgegennahm. In Tübingen, wo sie vorher noch nie war, absolvierte sie inzwischen erste Orientierungs- und Besichtigungsspaziergänge. Dass sie Hölderlins Grab auf dem Stadtfriedhof von ihrem Fenster im Stadtschreiberhäuschen aus sehen kann, beglückt sie besonders, denn „von den Lyrikern fühle ich mich Hölderlin am nächsten.“
Marion Poschmann darf das sagen, denn auch sie ist Lyrikerin, nicht nur, auch drei Romane hat sie veröffentlicht, aber eben auch drei Lyrikbände. Und die Stadtschreiberstelle in Tübingen ist seit letztem Jahr ja eine dezidiert für Lyriker, „dadurch hat der Posten in Tübingen ein Alleinstellungsmerkmal, außerdem hat Lyrik diese Förderung auch einmal verdient“, sagt Dagmar Leupold, Leiterin des Studio Literatur und Theater und ein Mitglied der Jury, die für Marion Poschmann votierte. Die anderen Jurymitglieder: Kulturamtsleiterin Daniela Rathe, Olaf Kramer von den Rhetorikern, die „Stadtschreiberbeauftragte Dagmar Waizenegger vom Kulturamt, der Lyriker José Olivier und Eva-Christina Zeller vom Schriftstellerverband Baden-Württemberg.
Fast hätte die 1969 geborene Marion Poschmann ihr Studium der Germanistik, (Philosophie und Slavistik) mit einer Doktorarbeit über Mayröcker und Francis Bacon beendet („vielleicht wird das ja nochmal was“), aber da kam ihr der Erfolg als Autorin dazwischen.
2002 wurde sie mit „Baden bei Gewitter“ bekannt, es folgten Titel wie „Grund zu Schafen“ (Schafen, wohlgemerkt, nicht Schlafen) oder „Schwarzweißroman“: „Ich würde ihr allein für ihre Buchtitel einen Preis verleihen“, sagt Dagmar Leupold dazu. Preise, wenn auch nicht in erster Linie für ihre Titel hat Marion Poschmann inzwischen auch reichlich erhalten, auch Stipendien wie etwa das berühmte in der Villa Massimo in Rom. Auch als Stadtschreiberin hat sie bereits Erfahrung, letztes Jahr wohnte und schrieb sie in dieser Mission in Rheinsberg. „Ich werde auch etwas über Tübingen schreiben“, verspricht sie, obwohl solches von der Stadt zwar erhofft aber keineswegs verlangt ist.
In Marion Poschmanns neuem Lyrikband „Geistersehen“ stellt sie das Visionäre dem Realistischen gegenüber, die Geisterbeschwörung dem konkreten Befund, unter anderem ist auch von Thomas Manns Teilnahme an okkulten Geisterbeschwörungsséancen beim Freiherrn von Schrenck-Notzing die Rede, aber auch die heutige Alltagswelt taucht vielfältig auf.
Die Lyrikerin, die während ihrer dreimonatigen Stadtschreiberzeit auch an Schulen präsent ist und am Studio Literatur&Theater Kurse geben wird, liest am 12. April um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses aus „Geistersehen“. Die Einleitung hält ihr Tübinger Lyrikkollege Henning Ziebritzki. Weitere Lesungen: Zum Ende ihrer “Amtszeit“ am 28. Juni im Hölderlinturm und während des Bücherfestes am 29. Mai.